Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Ara ambiguus
Unterarten:
Nominatform Ara ambiguus ambiguus, Ara ambiguus guayaquilensis
Herkunft:
Zentralamerika von Honduras über Nicaragua, Costa Rica und Panama bis nach Kolumbien; Unterart guayaquilensis von Ecuador
Grösse: 85 cm
Wildfarbe:
olivgrün, rote Stirn, weisse Wange, durchzogen von schwarzen Federchen, orange-gelbe bis rötliche Schwanzfedern
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 14 bis 16 mm
Lebenserwartung: 40 Jahre
Platzansprüche:
Vorschrift in der Schweiz: 10 m2 Fläche bei einem Volumen von mindestens 30 m3. Dies ergibt eine Höhe von 3 m, die aus baulichen Gründen bis auf 2,4 m reduziert werden darf, wenn die Fläche gleichzeitig auf 12,5 m2 vergrössert wird (auf diese Weise kann das Mindestvolumen eingehalten werden).
Haltebewilligung:
Es braucht eine Haltebewilligung in der Schweiz, die beim kantonalen Veterinäramt erlangt werden kann. Sie wird nur ausgestellt, wenn vorgängig ein Sachkundekurs absolviert wurde und wenn eine vorschriftsgemässe Voliere vorhanden ist.
Ausstattung: Zahlreiche Äste, Wurzelstock, frische belaubte Äste
Stimme: lautes Kreischen und Krächzen
Haltung: paarweise

Herkunft und Geschichte

Die Grossen Soldatenaras nehmen unter den grossen Aras eine Sonderrolle ein. Sie sind nicht so gesellig wie die anderen grossen Aras. In ihrem Verbreitungsgebiet kommen auch Hellrote Aras vor, doch die Grossen Soldatenaras vermischen sich in Schwärmen nicht mit ihnen. Hellrote Aras, Gelbbrustaras und Dunkelrote Aras hingegen können in Südamerika in gemeinsamen Schwärmen beobachtet werden, insbesondere an den Lehmlecken. Grosse Soldatenaras in Zentralamerika sind Regenwaldbewohner, fliegen aber auch über Weiden und rasten auf Bauminseln. Die Unterart in Ecuador lebt im Trockenwald. Grosse Soldatenaras in Zentralamerika sind besonders auf den Almendro-Baum (Dipterix panamensis) angewiesen, der 40 Meter hoch werden kann. Sie nisten in Höhlen dieses Charakterbaums und ernähren sich von den mandelartigen Nüssen. In Costa Rica wurde dieser Baum unter Schutz gestellt. Die grossen grünen Aras ziehen vom Tiefland bis in höhere Regionen und sind meist paarweise oder in Kleingruppen unterwegs. Sie sind aufgrund der Ausbreitung des Menschen selten geworden und kommen insbesondere auch in Schutzgebieten vor. In Costa Rica haben sich besonders der Schweizer Olivier Chassot und seine Partnerin Guiselle Monge um den Schutz des Grossen Soldatenaras verdient gemacht. Die beiden konnten die Gründung des Maquenque-Nationalparks erreichen, der das Brutgebiet der Art umschliesst. Brutpaare scheinen überall ein sehr grosses Areal von bis zu 2000 Hektar zu benötigen, besonders zur Deckung des Nahrungsbedarfs. Die Welterstzucht gelang im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde im Jahr 1974. Die Art wird im Vogelpark Ambigua in Zeihen (AG) gehalten. Das ist die einzige öffentliche Einrichtung in der Schweiz, wo Grosse Soldatenaras bewundert werden können.

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Eignung als Heimtier

Grosse Soldatenaras sollten paarweise mit Zuchtabsichten gehalten werden. Das europäische Zuchtbuch für die Art wird im Zoo Les Sables d’Olonne an der Atlantikküste in Frankreich geführt. Wer die Voraussetzungen hat, Aras zu halten, sollte sich den Grossen Soldatanaras widmen. Ihre Zucht ist wichtig, da es sich um eine seltene Art handelt, die unter Menschenobhut vernachlässigt wird.

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Erwerb

Der Grosse Soldatenara kann nur über spezialisierte Züchter erworben werden. In der Schweiz ist die Möglichkeit gering, aber im benachbarten Ausland ist es durchaus möglich, die Art direkt beim Züchter zu erwerben. Die deutsche Zeitschrift «Papageien» beispielsweise publiziert in jeder Ausgabe Kleininserate. Dort werden auch Nachzuchten der Grossen Soldatenaras angeboten.

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Ernährung und Pflege

Grosse Soldatenaras suchen gerne das ganze Jahr über ihre Nisthöhle auf und verbringen die Nacht darin. Sie schätzen Äste, die regelmässig frisch gereicht werden sollten, denn sie nagen stark. Die Papageien können mit einer Samenmischung für Aras, die zu einem grossen Teil aus schwarzen, gestreiften und weissen Sonnenblumenkernen besteht, ernährt werden. Täglich sollte den Grossaras auch Früchte und Gemüse verschiedenster Art gereicht werden. Grosse Soldatenaras benötigen auch Baum-, Erdnüsse und geschälte Paranüsse. Die Körner können vom Frühling bis in den Herbst gekeimt gereicht werden. Kalzium sollte als Pulver über das Keimfutter und über Früchte gestreut werden. Zudem sollte Grit und Kalzium frei zugänglich sein. Grosse Soldatanaras lassen sich gerne abregnen. Darum ist eine Berieselungsanlage in Kombination mit einem Wasserbassin oder einer Wasserschale sinnvoll.

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Zucht

Damit ein Paar zur Brut schreitet, ist es wichtig, dass die Paarpartner harmonieren. Eine Zusammenstellung geschieht meist willkürlich. Ideal ist, wenn man sich auf die Zucht dieser Art spezialisieren und darum mehrere Paare der Art halten kann. So ergeben sich Austauschmöglichkeiten, sollten Paare nicht harmonieren. Im Palmitos Park in Gran Canaria wurde beispielsweise zwei Paaren nach zehn Jahren Haltung ohne Zuchtversuche die Gelegenheit zur Neuverpaarung in einer grossen Gemeinschaftsvoliere für Aras gegeben. Nach zwei Jahren wurden zwei der Vögel zunehmend aggressiver und verteidigten ihren Sitzplatz. Sie wurden zurück in die Zuchtstation in eine Voliere gesetzt. Bald darauf wurden zwei Eier gelegt! Ein Nistkasten kann die Masse von 60 x 60 x 100 cm (L x B x H) aufweisen. Der Durchmesser des Einschlupflochs kann um die 25 cm betragen. Der Nistkasten kann aus Holz bestehen oder aber gemauert sein. Meistens werden zwei Eier gelegt, die während 28 Tagen bebrütet werden. Die Aufzuchtszeit dauert rund drei Monate. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch während acht Monaten, manchmal auch länger, von den Eltern gefüttert und geführt.

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Lustig

Der Grosse Soldatenara zeigt ein besonderes Verhalten in Verbindung mit einer speziellen Lautäusserung. Der Unterkopf wird dabei ruckartig nach vorne geschoben, der Hinterkopf neigt sich stark nach hinten. Dabei verengen sich die Pupillen auf Stecknadelgrösse und ein aus tiefster Kehle kommender, fast röhrender, kurzer Laut ist zu hören. Bei einigen Vögeln färbt sich auch die weisse Wangengegend rötlich.

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Namensgebung

Johann Matthäus Bechstein (1757 – 1822) beschrieb 1811 in Lathams «Allgemeine Übersicht der Vögel» 4, Th. 1, auf Seite 65 den Grossen Soldatenara als Psittacus ambiguus. Bechstein war Leiter der Herzöglichen Forstakademie Dreissigacker bei Meiningen in Deutschland.

Besonderheit

Der Grosse Soldatenara fristet ein stiefmütterliches Dasein unter Züchtern und bei Zoos, vermutlich, weil er aufgrund seines vornehmlich grünen Gefieders nicht so bunt ist wie andere Grossaras. Bei näherer Betrachtung ist der Grosse Soldatenara aber ein richtiges Farbwunder! Die Schwanzfedern entfalten ein Feuerspektakel sondergleichen. Sie schillern gelblich-orange-rötlich. Gerade die Schwanzfedern sind denn auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Kleinen Soldatenara, der auf den ersten Blick dem Grossen Soldatenara sehr ähnlich sieht. Der Grössenunterschied der beiden Grossaras ist nämlich minimal, obwohl der Grosse Soldatenara einen wuchtigeren Kopf und ein insgesamt oliv-grüneres Grundgefieder hat. Beim Kleinen Soldatenara sind die Schwanzfedern aber maronenfarbig und gehen nicht ins Orange und Gelbliche.

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