Füchse rufen schon im November: Was hinter den nächtlichen Lauten steckt

Schon Anfang November sind vielerorts auffällige Fuchsrufe zu hören. Auch intensive Duftmarkierungen verraten die Anwesenheit der Tiere. Beginnt die Paarungszeit dieses Jahr früher oder steckt etwas anderes hinter den nächtlichen Aktivitäten?

Schrille Rufe, heiseres Bellen und ein auffällig intensiver Geruch im Garten: Bereits Anfang November machen Füchse mancherorts lautstark auf sich aufmerksam. Dabei beginnt ihre eigentliche Paarungszeit normalerweise erst im Winter. Sind die Tiere dieses Jahr früher dran?

Wer derzeit nachts bei offenem Schlafzimmerfenster schläft, bekommt mit etwas Glück ein ungewöhnliches Konzert zu hören. Aus dem Garten oder der Nachbarschaft dringen kurze, heisere Belllaute, unterbrochen von lang gezogenen, bisweilen schrillen Rufen. Und wer am nächsten Morgen vor die Tür tritt, bemerkt möglicherweise einen weiteren Hinweis auf die nächtlichen Besucher: einen intensiven, moschusartigen Geruch. Die Füchse sind unterwegs, rufen und hinterlassen ihre Duftmarken. Bemerkenswert erscheint vor allem der Zeitpunkt, denn die eigentliche Paarungszeit, die sogenannte Ranz, beginnt beim Rotfuchs normalerweise erst im Dezember und erreicht im Januar ihren Höhepunkt.

Beginnt die Paarungszeit dieses Jahr früher?

Die Fortpflanzung des Rotfuchses (Vulpes vulpes) folgt einem ausgeprägten jahreszeitlichen Rhythmus. Anders als Haushunde pflanzen sich Rotfüchse in unseren Breiten in der Regel nur einmal jährlich fort. Gesteuert wird dieser Zyklus wesentlich durch die Tageslänge. Wenn im Herbst die Tage kürzer werden, verändern sich die hormonellen Abläufe und bereiten den Organismus auf die Fortpflanzung vor.

Bereits vor der eigentlichen Ranz kann sich deshalb das Verhalten der Tiere verändern. Füchse kontrollieren ihre Reviere, reagieren auf Artgenossen und kommunizieren über Gerüche und Laute. Allerdings gibt es noch eine andere Erklärung für die auffälligen Rufe im November: Im Herbst verlassen viele Jungfüchse ihr Geburtsrevier und suchen ein eigenes Streifgebiet. Dabei begegnen sie fremden Artgenossen und geraten mitunter in Auseinandersetzungen.

Dass bereits Anfang November Fuchsrufe zu hören sind, bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass die Paarungen dieses Jahr früher stattfinden. Füchse verständigen sich das ganze Jahr über mit Lauten. Ob sich die Ranz tatsächlich verschiebt, lässt sich nur durch systematische Beobachtungen feststellen.

Warum schreien Füchse nachts?

Füchse verfügen über ein erstaunlich vielfältiges Lautrepertoire. Forschende unterscheiden rund 20 verschiedene Lauttypen, die je nach Situation unterschiedliche Funktionen erfüllen. Besonders bekannt ist das kurze, raue Bellen. Daneben gibt es hohe, lang gezogene Schreie, die während der Paarungszeit besonders auffallen. Vor allem die Rufe der Fähen, wie weibliche Füchse in der Jägersprache bezeichnet werden, können erstaunlich laut sein und erinnern mitunter an menschliche Schreie.

Mit ihren Lauten halten Füchse über grössere Entfernungen Kontakt zu Artgenossen. Während der Ranz spielt dies eine besondere Rolle, da die Tiere bei der Nahrungssuche meist allein unterwegs sind. Allerdings ist nicht jeder Schrei ein Paarungsruf. Auch Begegnungen zwischen rivalisierenden Füchsen oder Revierstreitigkeiten können lautstark verlaufen.

Dass die Rufe vor allem nachts auffallen, liegt an der überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Lebensweise der Tiere. Wenn der Verkehr nachlässt und die Umgebung ruhiger wird, sind ihre Stimmen auch mitten in Wohnquartieren deutlich zu hören.

Ob Kontaktaufnahme, Revierstreit oder Partnersuche: Füchse verständigen sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Laute. Besonders während der Paarungszeit sind ihre heiseren Belllaute und schrillen Rufe häufig zu hören. (Bild: Shutterstock / Wirestock Creators)

Warum riecht es plötzlich so streng?

Neben den Lauten spielen Gerüche eine zentrale Rolle in der Kommunikation der Füchse. Mit Urin, Kot und Sekreten verschiedener Duftdrüsen markieren sie ihr Streifgebiet und hinterlassen Informationen für Artgenossen. Besonders häufig nutzen sie dafür auffällige Stellen wie Steine, Grasbüschel oder Baumstümpfe, die regelmässig aufgesucht werden.

Über solche Duftbotschaften können Füchse unter anderem Informationen über die Anwesenheit anderer Tiere erhalten. Auch Geschlecht und Fortpflanzungsbereitschaft spielen bei der chemischen Kommunikation eine Rolle. Gerade im Vorfeld und während der Ranz gewinnen diese Signale an Bedeutung, wenn Rüden nach paarungsbereiten Fähen suchen.

Für menschliche Nasen ist der Geruch allerdings wenig angenehm. Besonders der Fuchsurin besitzt eine intensive, stechende bis moschusartige Note. Wissenschaftliche Untersuchungen haben darin zahlreiche flüchtige chemische Verbindungen nachgewiesen, darunter besonders geruchsintensive Schwefelverbindungen. Wo Füchse regelmässig markieren, kann der Geruch deutlich wahrnehmbar sein. Ob ein stärkerer Geruch tatsächlich auf häufigeres Markieren zurückzuführen ist, lässt sich allerdings nicht allein mit der Nase feststellen.

Wann kommen die jungen Füchse zur Welt?

Die eigentliche Paarungszeit ist vergleichsweise kurz. Eine Fähe ist normalerweise nur während weniger Tage im Jahr empfängnisbereit. Während dieser Zeit können Rüden grosse Strecken zurücklegen, um paarungsbereite Weibchen aufzuspüren. Obwohl Füchse häufig längerfristige Paarbindungen eingehen, sind ihre Fortpflanzungsbeziehungen komplex. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass innerhalb eines Wurfes auch mehrere Väter vertreten sein können.

Nach der Paarungszeit im Winter kommen die meisten Jungfüchse in der Schweiz im März oder April zur Welt. In den ersten Lebenswochen bleiben sie im schützenden Bau, bevor sie zunehmend ihre Umgebung erkunden und spielerisch wichtige Verhaltensweisen erlernen. (Bild: shutterstock / Vlad G)

Nach der Paarung vergehen rund sieben bis neun Wochen bis zur Geburt. Die meisten Jungfüchse kommen in der Schweiz im März oder April zur Welt. Ein Wurf umfasst häufig vier bis sechs Junge, die ihre ersten Lebenswochen geschützt im Bau verbringen.

Dass die nächtlichen Aktivitäten heute auch mitten in Wohnquartieren auffallen, ist kein Zufall. Füchse haben sich hervorragend an das Leben in menschlicher Nachbarschaft angepasst. Gärten, Parks und Grünanlagen bieten ihnen Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten.

Ob die derzeit auffälligen Rufe tatsächlich eine früher einsetzende Ranz ankündigen oder mit der herbstlichen Abwanderung der Jungfüchse zusammenhängen, bleibt offen. Sicher ist jedoch, dass die kürzer werdenden Tage die Tiere allmählich auf ihre Fortpflanzungszeit einstimmen. Wer nachts genauer hinhört, bekommt einen Einblick in die Kommunikation dieser anpassungsfähigen Wildtiere – und wer morgens einen ungewöhnlichen Geruch im Garten bemerkt, hat möglicherweise eine Duftbotschaft entdeckt, die eigentlich für einen anderen Fuchs bestimmt war.

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