Eine wohlbekannte Passage aus der Feder des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe lautet: «Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.» Recht hatte er. Denn für eine erholsame, genussvolle Auszeit muss man nicht weit reisen. Wie abwechslungsreich Ferien in der Schweiz sind, dürfte allseits bekannt sein. Doch unsere Nachbarländer stehen der Schweiz punkto Vielfalt in nichts nach. Österreich zum Beispiel ist ebenfalls bekannt für seine prächtigen Alpen. Jahr für Jahr ziehen sie Tausende Touristinnen und Touristen aus nah und fern an. Die in den Ostalpen gelegenen Bundesländer Vorarlberg und Tirol verzeichneten im Jahr 2025 mit 23 beziehungsweise 50 Prozent die höchsten Anteile an den Übernachtungen in Österreich. Zum Vergleich: Wien – Bundeshauptstadt und Bundesland zugleich – folgt mit 9 Prozent der Feriengäste lediglich auf Platz 3.
Deutlich unbekannter als die Alpenregionen oder die Hauptstadt ist der Norden des Landes. Doch gerade dort, abseits des Massentourismus, zeigt sich die Vielfalt Österreichs. So zum Beispiel im Mühlviertel in Oberösterreich – wo Ruhe, Natur und Genussmomente nur darauf warten, entdeckt zu werden.
Das Mühlviertel ist jener Teil Oberösterreichs, der sich nördlich der Donau befindet. Es grenzt an Tschechien und Deutschland und zählt zum sogenannten Granit- und Gneishochland, neben den Alpen und den Vorländern eine der drei Grosslandschaften Österreichs.
Dieser Mittelgebirgsregion verdankt das Mühlviertel seine typische, liebliche Hügellandschaft. Dichte Wälder, sanfte Höhenzüge und weite Horizonte prägen die Gegend genauso wie die Grosse, die Kleine und die Steinerne Mühl – jene Flüsse, denen das Viertel seinen Namen verdankt. Als «eine der leisesten Regionen Österreichs» wird das Mühlviertel oft bezeichnet. Zu Recht: Wer sich dort aufhält, kann durchatmen und geniessen – ohne dass dabei auch nur ein Funken Langeweile aufkommt.
Pferde-, Velo- und Wander-Mekka
Erkunden lässt sich das Mühlviertel auf vielfältige Weise. Wer gerne zu Fuss unterwegs ist, kann die Region auf verschiedenen Wander-, Weitwander- und Pilgerwegen entdecken. Die Pfade durchqueren dabei die abwechslungsreichen Landschaften der Region: schmucke Dörfer, imposante Flusstäler und schöne Wälder. Wer sich lieber auf zwei Rädern fortbewegt, hat sich mit dem Mühlviertel ein wahres Velo-Paradies ausgesucht – egal, ob man mit einem normalen Velo, Mountainbike oder Rennvelo unterwegs ist, eine sportliche Herausforderung sucht oder eine gemütliche Tour bevorzugt.

Doch zu Fuss oder auf dem Velo unterwegs zu sein, sind nicht die einzigen Möglichkeiten, das Mühlviertel zu erkunden. Pferdefans, aufgepasst: Mit 2000 Kilometern markierten Reitwegen ist die Region ein wahres Reit-Mekka. Tatsächlich hat sich das Mühlviertel sogar als führende Wanderreitdestination Österreichs etabliert und bietet das umfangreichste Reitangebot des Landes. Zahlreiche Reiterhöfe, Herbergen, Pferderastplätze und Wanderreitbetriebe bieten nach einem schönen Tag auf dem Rücken des Pferdes die Gelegenheit, zu rasten oder gar länger zu verweilen und dabei Bekanntschaft mit der lokalen Bevölkerung zu machen. Die Mühlviertler sind ausgesprochen gastfreundlich: Mit den «Zuagroasta» – den Zugezogenen oder Auswärtigen – kommen sie schnell ins Gespräch, helfen und geben Tipps. Doch auch unter den «Dosigen» – den Einheimischen – wird eine spezielle Verbundenheit schnell spürbar: Man kennt einander, hilft einander und hält zusammen – die gemeinsame «Hoamat» verbindet.
Wegweiser
Von der Schweiz geht es mit dem Zug am einfachsten über Linz ins Mühl-viertel. Ab Zürich HB gibt es direkte Tagesverbindungen nach Linz; dort steigt man in Linz-Urfahr auf die Mühlkreisbahn Richtung Rohrbach-Berg beziehungsweise Aigen-Schlägl um.
Genuss vom Feinsten
Spürbar wird das auch in der engen Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk und Gastronomie. Essen und Trinken wird im Mühlviertel grossgeschrieben: Ob Mühlviertler Schwemmknödel, Weidegans oder Erdäpfel mit dem typischen, leicht nussigen Leinöl – die Gerichte der Region sind herzhaft, deftig und lecker. Besonders rund wird die Mahlzeit, wenn man dazu ein lokales Bier probiert. Das Mühlviertel zählt zu den bedeutenden Hopfenanbaugebieten Österreichs und blickt auf eine lange Brautradition zurück.
Doch Hopfen ist längst nicht das Einzige, was in der Region gedeiht. Diverse Kräuter und Kartoffeln – in Österreich eben Erdäpfel genannt – gehören ebenso zu den traditionellen Ackerkulturen wie Flachs. Anspruchslos, wie diese Kulturpflanze ist, gedeiht sie problemlos auf den eher schwer zu bewirtschaftenden Böden im Mühlviertel. Aus Flachs, auch Lein genannt, wird nicht nur das gesunde Leinöl – eine der Spezialitäten der Region – gewonnen, sondern auch Textilien. Leinenweberei und -färberei haben daher in der Region seit Langem Tradition. Berühmt ist insbesondere der Blaudruck. Dieses alte Handwerk, bei dem Leinenstoffe in wunderschönen Mustern mit Indigo gefärbt werden, wurde 2018 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Wen diese Kunst interessiert, dem sei ein Besuch bei Blaudruck Wagner in Bad Leonfelden, einem der letzten Blaudrucker in Oberösterreich, oder im Färbermuseum Gutau wärmstens empfohlen.
Neben den traditionellen Ackerkulturen ist die Landwirtschaft des Mühlviertels stark vom Biolandbau geprägt. Laut dem oberösterreichischen Umweltbericht 2024 wirtschafteten 2022 insgesamt 2404 Betriebe nach den Vorgaben der EU-Bioverordnung. Damit ist das Mühlviertel Oberösterreichs Bioregion Nummer 1.

Einer dieser Betriebe heisst HonKy, befindet sich ausserhalb des Dörfchens Rohrbach und wird vom Ehepaar Regina und Helmut Gumpenberger geführt. Zum Hof gehören seit mehreren Generationen eine Imkerei und eine Destillerie. Auf diese beiden Steckenpferde hat sich das Paar spezialisiert. HonKy – eine Kombination aus Honig und Whisky – verrät bereits die Produktpalette: Zehn Bio-Honigsorten, aber auch diverse Edelbrände gehören dazu. Einige davon wurden sogar mit Preisen ausgezeichnet. «Wir streben aber weder nach Auszeichnungen noch nach Masse», erklärte Helmut Gumpenberger bei einer Führung. «Wir streben nach Qualität. Unsere 60 Bienenstöcke und die zahlreichen Obstbäume begrenzen auf natürliche Weise die Menge unserer Produkte.» So steht HonKy sinnbildlich für die gelebte Bodenständigkeit im Mühlviertel, wo regionale Qualität geschätzt, Zusammenarbeit gelebt und die Leichtigkeit des Seins genossen wird.
Dieser Artikel entstand mit Unterstützung
von Austria Tourismus.

Unterwegs mit Bello?
Im Mühlviertel gibt es zahlreiche Möglichkeiten, mit dem Hund Spannendes zu erleben.
Freiwaldteich, Grünbach
Im Ortszentrum von Grünbach befindet sich der Freiwaldteich mit angrenzendem Spielplatz. Im Sommer lädt der Teich zum Baden; im Winter zum Eisstockschiessen und Eislaufen ein – ein schönes Ausflugsziel für Zwei- und Vierbeiner.
Linzertor, Freistadt
Am südlichen Teil der Freistädter Altstadt befindet sich das denkmalgeschützte Linzertor. Aus dem Mittelalter stammend, zählt das Linzertor mit seinen 28 Metern Höhe zu den mächtigsten Tortürmen Mitteleuropas. Es lohnt sich, dem Bauwerk auf einem Hunde-Spaziergang einen Besuch abzustatten.
Herrgottsitz, Schönau im Mühlkreis
Die steil aufragende Felsgruppe soll einst als frühchristliche Kult- und Opferstätte gedient haben. An klaren Tagen bieten die Schalensteine einen schönen Panoramablick bis ins Voralpengebiet.
Weitere Ausflugstipps finden Sie hier.

