Studie von Kora
Hier könnte sich der Goldschakal in der Schweiz ansiedeln
Er ist kleiner als der Wolf, grösser als der Fuchs und in der Schweiz noch kaum bekannt: der Goldschakal. Eine neue Studie von KORA und der Universität Lausanne zeigt nun, wo sich die Art hierzulande am ehesten ansiedeln könnte – vor allem im Mittelland und im nördlichen Jura.
Ein neuer Beutegreifer auf leisen Pfoten
Seit 2011 wird der Goldschakal in der Schweiz immer häufiger nachgewiesen. Eine sesshafte Population mit Fortpflanzung ist bisher zwar nicht bekannt, doch die Forschenden gehen davon aus, dass eine dauerhafte Ansiedlung bevorstehen könnte.
Der Goldschakal breitet sich seit Jahrzehnten von Südosteuropa nach West- und Nordeuropa aus. Begünstigt wird dies unter anderem durch seine Anpassungsfähigkeit, mildere Winter, veränderte Landschaften und die frühere Abnahme grosser Beutegreifer wie des Wolfs.
Wo die Schweiz für Goldschakale passt
Eine aktuelle Studie vom KORA modellierte die Eignung der Schweizer Landschaft anhand von fünf Faktoren: Landnutzung, Nähe zu Gewässern, Schneebedeckung, Vielfalt der Landschaft und Wolfsvorkommen. Dafür wurden vier verschiedene Szenarien durchgerechnet. Das Ergebnis ist erstaunlich klar: Besonders geeignet sind das Schweizer Mittelland, Teile der nördlichen Voralpen und der nördliche Jura. Die Alpen sind dagegen weniger geeignet – mit Ausnahme grosser Täler wie etwa dem Rhonetal.
Diese Regionen bieten, was Goldschakale offenbar mögen: abwechslungsreiche Landschaften mit Waldrändern, Wiesen, Landwirtschaftsflächen, Gebüschen und Gewässern. Dicht bebaute Städte, lange Schneebedeckung und Kerngebiete von Wolfsrudeln wirken dagegen eher ungünstig.
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Kein «neuer Wolf»
Trotz ähnlichem Aussehen ist der Goldschakal kein kleiner Wolf. Er ist ein mittelgrosser Beutegreifer, ernährt sich sehr flexibel und frisst je nach Angebot Kleinsäuger, Aas, Früchte, Insekten, Vögel oder menschliche Nahrungsreste. Gerade diese Vielseitigkeit macht ihn so erfolgreich.
Für die Schweiz bedeutet das: Nahrung dürfte kaum der begrenzende Faktor sein. Entscheidend ist eher, ob Landschaft, Klima und Konkurrenz durch andere Beutegreifer passen.
Warum frühes Monitoring wichtig ist
Die Forschenden verglichen 129 bestätigte Schweizer Goldschakal-Nachweise aus den Jahren 2011 bis 2025 mit zufällig gewählten Orten. Die Tiere wurden signifikant häufiger in Gebieten gefunden, die das Modell als geeignet einstuft.
Das ist für den Naturschutz wichtig: Kantone, Wildhut und Forschung können gezielter beobachten, wo sich der Goldschakal als Nächstes zeigen könnte. Auch Information für Jägerschaft, Landwirtschaft und Bevölkerung sollte früh einsetzen – bevor Missverständnisse oder Konflikte entstehen.
Chancen statt Überraschung
Die Studie macht nicht nur eine Prognose, sondern liefert ein Werkzeug: Die Schweiz kann die Ankunft des Goldschakals vorausschauend begleiten. Statt erst zu reagieren, wenn sich die Art etabliert hat, lassen sich Monitoring, Kommunikation und Management schon jetzt auf wahrscheinliche Regionen konzentrieren.
Der Goldschakal ist damit ein Beispiel dafür, wie sich Europas Tierwelt verändert – und wie wichtig es ist, neue Entwicklungen nicht nur als Bedrohung, sondern auch als ökologische Realität zu verstehen.
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