Mit 25 zu 19 Stimmen ohne Enthaltungen folgte die kleine Kammer dem Antrag der Mehrheit seiner Kommission Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-S). Der Vorstoss ist damit vom Tisch. Der Nationalrat hatte ihn in der Wintersession 2021 mit 144 zu 31 Stimmen bei 9 Enthaltungen angenommen.
Die Befürworterinnen und Befürworter der Motion argumentierten insbesondere mit den schlechten Bedingungen auf Pelztierfarmen im Ausland. Zudem erlitten Tiere bei der Jagd mit Fallen, wie sie in einigen Ländern noch immer üblich sei, enorme Qualen.
Diese Tiere sterben für Pelz
Am häufigsten werden Nerze und Füchse wegen ihrer Felle getötet. Schon nur im Jahr 2015 wurden über 55 Millionen Nerze für die Pelzproduktion gehäutet. Auch Marderhunde und Waschbären leiden unter dem internationalen Pelzhandel. Die Tiere werden auf Pelzfarmen in kleine Käfige gesteckt, in denen sie sich kaum bewegen können. 85% aller Felle für die Pelzindustrie werden auf solchen Farmen gezüchtet. Da die Qualität des Pelzes im Vordergrund steht, werden die Tiere mit Auspuffgasen oder Elektroschocks getötet, was nicht immer wirkungsvoll ist und die Vierbeiner leiden lässt.
Der Bundesrat und die Mehrheit der vorberatenden Kommission anerkannten zwar das Anliegen. Sie wollen das Problem aber durch Verbesserungen bei der Pelzdeklaration lösen. Diese funktioniere, sagte Andrea Gmür-Schönenberger (Mitte/LU). Die entsprechende Verordnung sei zudem verschärft worden. Die ganze Kommission verurteile tierquälerische Methoden, betonte Gmür-Schönenberger. Ein Verbot sei aber unnötig. Der Markt reguliere sich selber, bei der Jugend sei Pelztragen «komplett uncool» geworden.
Problem: «Herkunft unbekannt»
Maya Graf (Grüne/BL) und Elisabeth Baume-Schneider (SP/JU) wandten dagegen ein, dass die geltende Regelung auch die Deklaration «Herkunft unbekannt» zulasse. Die Meinung in der Bevölkerung sei klar, eine Mehrheit wolle keine Quälpelze.
Die Gegnerinnen und Gegner der Motion kritisierten weiter, ein Importverbot würde gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) verstossen. Diesem widersprach Maya Graf (Grüne/BL). Die Schweiz kenne schon heute tierschützerisch begründete Importverbote. Zu WTO-Klagen hätten diese nicht geführt.
Zur Unterstützung der Motion Aebischers war eine Petition mit 42'822 Unterschriften eingereicht worden. Auch dieser gab der Ständerat keine Folge.
Tierschutz masslos enttäuscht
Unzufrieden mit dem Entscheid des Ständerates ist die Anti-Pelz-Koalition bestehend aus diversen Tierschutzorganisationen, wie sie in einer Mitteilung schreiben. Der Ständerat zeige sich einmal mehr als «Bremsblock» für Tierschutzanliegen und verhindere damit, dass die Schweiz ihrem Ruf als «weltweit führende Nation im Tierschutz» gerecht wird und europaweit eine Vorbildfunktion einnimmt.



