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Stängel, Wurzeln und Blätter für Wildbienen nicht wegräumen

Obwohl sich der Garten noch üppig zeigt, naht die kalte Jahreszeit.Bei Gartenarbeiten dürfen jetzt die Wildbienen nicht vergessen gehen.Sie brauchen vielfältige Überwinterungsplätze.

Ob Wildbienen im Herbst sterben oder ob sie überwintern: sie brauchen in jedem Fall einen strukturreichen Garten – entweder, um Eier abzulegen für ihren Nachwuchs, oder damit sie selbst einen Unterschlupf für die kalte Jahreszeit finden.

Bei den solitär lebenden Wildbienenarten sterben die letzten Weibchen meistens mit Beginn der kalten Jahreszeit. Jetzt aber, wenn die goldene Septembersonne scheint, sammeln sie noch fleissig Nektar und Pollen und legen diese Wintervorräte in hohlen Pflanzenstängeln und selbstgegrabenen Gängen in der Erde an. Hier überwintert die nächste Generation. Sie wird im neuen Jahr schlüpfen, hinauskriechen und die Welt erkunden. Es gibt sogar Wildbienen, die sich in leere Schneckenhäuser zurückziehen.

Jetzt anpflanzen

Im Garten geht alles zurück, doch im Kopf entfaltet sich bereits die Pflanzenpracht des nächsten Jahres. Jetzt ist nämlich die richtige Zeit, um an den Frühling zu denken. Der Herbst eignet sich gut, um Wildstauden zu pflanzen. Das sind mehrjährige Pflanzen, wie etwa das Blaukissen, Christrosen, Nieswurz oder Taubnesseln. Sie können sich über den Winter etablieren und blühen bereits im kommenden Jahr. Auch Zwiebelgewächse sollten jetzt gesetzt werden. Mauerbienen beispielsweise sind sehr früh im Jahr unterwegs und schätzen Blüten von Scilla und Traubenhyazinthen, beides Zwiebelgewächse mit schönen Blüten im Frühling. Wer den Garten geschickt mit Winterjasmin, Krokus, Lungenkraut, Blauregen, Lavendel, Salbei, Kreuzblume und Feuerdorn anpflanzt, sorgt für ein durchgehendes Blütenangebot von Februar bis Oktober.

Dafür wäre die Blauschwarze Holzbiene viel zu gross. Es handelt sich um die grösste Wildbiene Europas, die grosse, nektarreiche Blüten schätzt. Diese grünschwarz in der Sonne schillernden Insekten mit tiefem Brummen sind langlebig, beide Geschlechter überwintern in Holzhöhlen, Felsenspalten oder unter Wurzel-geflecht. Haben sie sich einmal angesiedelt, bleiben sie dem Garten treu.

Nur die Hummelköniginnen überwintern

Hummeln sind soziale Insekten. Sie zählen auch zu den Wildbienen. Über den Sommer leben sie in einem etwa 600-köpfigen Staat mit einer Hummelkönigin. Die Arbeiterinnen brummen von Blüte zu Blüte. Anders als Honigbienen sind sie auch bei kühlen Temperaturen und bei bedecktem Himmel unterwegs. Auch darum haben Wildbienen eine grosse Bestäubungsleistung. Sie fliegen früh im Jahr und summen noch lange, wenn Honigbienen schon in ihren Waben sitzen.

Wenn dann die kalte Jahreszeit hereinbricht und keine Blüten mehr vorhanden sind, hat für die alte Hummelkönigin und ihr Volk die letzte Stunde geschlagen. Doch sie haben vorgesorgt. Die vielen herangezogenen jungen Königinnen suchen sich im Herbst einen Überwinterungsplatz. Vorher füllen sie sich mit Nektar auf. Deshalb sind sie dankbar für Spätblüher im Garten wie Kreuzblume und Feuerbohnen. Die Hummelköniginnen überwintern in kleinen Tunneln im schattigen Erdreich, in Mauerritzen oder unter Wurzeln. Auch Laubhaufen suchen sie sich dazu aus.

Einen Garten mit Charakter

Werden die Bedürfnisse der Wildbienen im Garten berücksichtigt, erhält er zusätzlichen Charakter. Wurzelstöcke, Laub- und Asthaufen sowie dürre Stängel, die in kalten Nächten Raureif ansetzen, verleihen dem Garten auch in der vegetationsarmen Zeit Struktur und erzeugen zauberhafte Bilder. Königskerzen etwagedeihen mit Vorliebe auf sandigen Flächen. Ideale Stellen, wo Wildbienenarten Gänge graben können, wenn da auch noch Totholz und Steine liegen. Die Königskerze sollte im Herbst, wenn sie verdorrt ist, nicht zurückgeschnitten werden. Der dicke, markhaltige Stängel wird von Wildbienen als Lege- oder Überwinterungsplatz genutzt. Auch Beifuss und Kerbel sind Gartenpflanzen mit markigen Stängeln, die stehen gelassen werden sollten. Werden lange Brombeer- und Himbeerruten zurückgeschnitten, um sie im Zaum zu halten, bieten die angeschnittenen Stängel Unterschlüpfe und Nistmöglichkeiten für Wildbienenarten. So können sie leichter das Mark herausnagen, so dass sich ein Hohlraum bildet, in welchem sie Futterdepots und die Brut unterbringen können.

Knickt doch ein Stängel um oder muss weggeräumt werden, ist das kein Unglück. Er kann im Garten verbleiben, auf einem Asthaufen, auf dem Sandboden oder an einer trockenen Stelle an der Hauswand. Warum Laub und Altholz mühsam aus dem Garten schaffen und abtransportieren, wenn es doch so wertvolle Unterkünfte bietet? Othmar Ziswiler, Leiter Gärtnerischer Detailhandel der Branchenorganisation Jardin Suisse sagt: «Wildbienenschutz ist keine Frage der Gartengrösse, sondern der Gestaltung.»

Wichtige Wildbienen

Die Forschungsanstalt für biologischen Landbau (FiBL) weist auf aktuelle Erkenntnisse hin, die zeigen, dass Wildbienen bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen eine entscheidende Rolle spielen. Wildbienen übernähmen den grössten Teil der Bestäubungsleistung, teilt das FiBL mit. Insgesamt summen 615 verschiedene Arten in der Schweiz, inklusive der Hummeln.

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