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Tierschutzverein Schwyz: Sheryl Helbling (22) vom Tierheim Burg über ihren Job und die herrschende Katzenproblematik

Im Tierheim Burg in Seewen leitet die 22-jährige Sheryl Helbling seit einem Jahr die Geschicke des einzigen Tierheims im Kanton Schwyz. Zwischen Kitten, Kastrationsaktionen und grosser Verantwortung meistert sie einen Alltag, der kaum Pausen kennt.

Fast im Minutentakt ändert sich an diesem Januarmontag die Sicht auf das Tierheim Burg in Seewen (SZ). Das Haus, seit 2003 im Besitz des Tierschutzvereins Schwyz, befindet sich am Berg – gerade steht es noch mitten im Nebel, im nächsten Moment über dem Wolkenmeer. Darauf angesprochen, lacht Sheryl Helbling. «Das ist hier oft so – man weiss nie, wie lange man die Aussicht geniessen kann.»

Tierschutzverein Schwyz: Sheryl Helbling (22) vom Tierheim Burg über ihren Job und die herrschende Katzenproblematik
Das Tierheim Burg, gerade knapp vor den Wolken.

Ob mit Fernsicht oder ohne: Das Tierheim Burg ist seit März 2024 der Arbeitsplatz der gelernten Tierpflegerin. Vor einem Jahr übernahm die 22-Jährige dessen Leitung wegen des krankheitsbedingten Ausfalls einer Kollegin und damit einen Job, den die Schwyzerin als sehr abwechslungsreich beschreibt: «Ich organisiere den Transport, mache Tierarzttermine ab, pflege die Tiere, führe Gespräche mit Interessenten, erstelle die Arbeits- und Pflegepläne und erledige Administratives. Die Verantwortung ist riesig!»

Ihr Team besteht aus vier Personen. Bei der Arbeit stets an ihrer Seite ist auch Helblings Hündin Amy. «Sie ist eine Art Ersatz-Mami für unsere Kitten», erzählt ihre Halterin. «Wenn ich sie Amy ins Bett gebe, wärmt sie die Kleinen.»

Tierschutzverein Schwyz: Sheryl Helbling (22) vom Tierheim Burg über ihren Job und die herrschende Katzenproblematik
Hündin Amy ist nicht nur Sheryl Helblings ständige Begleiterin, sondern auch eine Art Ersatzmutter für die jungen Kitten.

Abgesehen von der Tages- und Ferienbetreuung für Hunde spielen Katzen die Hauptrolle im einzigen Tierheim des Kantons. Aktuell wohnen rund 15 Katzen – mehrere davon bereits vermittelt – im Tierheim Burg. «So ist es noch ruhig hier», sagt Helbling. «Doch im Sommer werden hier bis zu 40 Kitten sein.»

Aus traurigem Grund: Im Kanton Schwyz herrscht eine regelrechte Streuner-Problematik. «Insbesondere auf den Bauernhöfen vermehren sich die Katzen sehr schnell», erläutert die Tierheimleiterin. «Viele davon haben Augenentzündungen, Ohrenmilben oder Würmer.»

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Wegen fehlender Behandlung würden diese Krankheiten oft an die nächsten Generationen weitervererbt – was unkontrollierbar schnell gehen kann. «Im Alter von einem halben Jahr ist eine Katze geschlechtsreif. Pro Jahr kann sie sich zweimal vermehren. Deshalb geht es rasant.»

480 Katzen-Kastrationen pro Jahr

Um der Problematik entgegenzuwirken, führt der Tierschutzverein Schwyz regelmässig Kastrationsaktionen durch. Landwirte auf Kantonsgebiet mit grossen Katzenpopulationen, die Hilfe benötigen, können sich bei der Institution melden. «Unsere Tierärztin Katharina Staub organisiert meistens alles selbstständig», schildert Sheryl Helbling. «Zusammen mit einem Freiwilligen-Team besucht sie den Hof. Die Katzen werden mittels Fallen eingefangen und kastriert.»

Die dafür anfallenden Kosten werden zwischen Tierschutzverein, Tierarzt und Halteperson gedrittelt. «So sind die Kosten für die Bauernhöfe relativ klein. Wir helfen gerne, aber man muss sich eben auch melden.» Trotz mehrerer hundert Kastrationen pro Jahr sei die Situation nach wie vor schlimm.

Tierschutzverein Schwyz: Sheryl Helbling (22) vom Tierheim Burg über ihren Job und die herrschende Katzenproblematik
Hündin Amy ist nicht nur Sheryl Helblings ständige Begleiterin, sondern auch eine Art Ersatzmutter für die jungen Kitten.

Das Ziel ist klar: «Jedes Jahr so viele Katzen zu kastrieren, dass irgendwann keine solchen Aktionen mehr nötig sind.» Ob dies realistisch ist, sei schwierig abzuschätzen, meint die Tierheimleiterin. «Man weiss ja nicht genau, wie viele Streuner es gibt. Aber ich würde mir wünschen, dass wir in einigen Jahren nur noch fünf Katzen kastrieren müssen. Und nicht mehr 480, so wie 2025.»

Im Zuge der Aktionen bringen die freiwilligen Helferinnen und Helfer immer wieder ungewollte Katzen ins Tierheim Burg, wo sie untersucht, gepflegt und im besten Fall wieder vermittelt werden. Rufen Interessenten an, stellt das Tierheim schon per Telefon sehr konkrete Fragen. «Wenn sie danach noch immer interessiert sind, laden wir sie ein. Vor Ort machen wir den Vertrag und die Besucher dürfen, wenn es passt, die Tiere gleich mitnehmen.» Die Anforderungen sind – verglichen mit anderen Tierheimen – weniger streng. So finden viele der Samtpfoten auch ausserhalb des Kantons ein neues Zuhause.

Ausgleich mit Wohnmobilen

Im Tierheim Burg zeigt Sheryl Helbling die liebevoll eingerichteten Katzenzimmer, stellt ihre Schützlinge vor und streichelt einige davon. Am Ende des Tages werden es weniger sein. «Später haben wir noch einen Abholtermin.»

Gerade zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn seien solche Abschiede nicht einfach gewesen, erzählt die 22-Jährige. «Die Schwierigkeit ist, dass du eine Bindung zu den Tieren aufbauen musst, damit du sie kennenlernst und weisst, ob es ihnen gut geht. Doch zu eng darf sie nicht sein, weil man sonst zu emotional wird, wenn sie gehen.»

«Ich spürte, dass ich die Verantwortung einer Tierhaltung brauche und will.»

Ihre Lehre als Tierpflegerin absolvierte die Schwyzerin im Tierheim an der Ron (LU). Dass sie mit Tieren arbeiten möchte, wusste sie schon früh. Mit dem Bauernhof des Grossvaters und der Familienkatze war sie von Kindsbeinen an von Tieren umgeben. «Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich richtig für einen Hund ‹gestürmt›». Als ihre Eltern zustimmten, absolvierte sie die Hundeschule und trieb Sport mit ihm. «Ich spürte, dass ich die Verantwortung einer Tierhaltung brauche und will.»

Nebst Hündin Amy, Katzen und Hühnern hält die Tierheimleiterin privat ein Pferd, zu dem sie während ihren Mittagspausen fährt. «Ich bin von morgens ab 5:30 Uhr bis abends um 21 Uhr ständig auf den Beinen. Das ist manchmal körperlich anstrengend.»

Ihren Beruf vom Privatleben abzugrenzen, bezeichnet Helbling als ihre grösste Schwierigkeit. Ausgleich gibt ihr die 20-Prozent-Stelle im Geschäft ihrer Eltern, einer Reparaturstätte und Garage für Wohnmobile. «Dort mache ich Putzarbeiten und betreue einen Zubehörshop. Ein Tag Abwechslung pro Woche tut mir sehr gut.» An den anderen Tagen geniesse sie aber auch wieder die Verantwortung, welche die Tierheimleitung mit sich bringt.

Die familiäre Atmosphäre im Tierheim Burg sei toll, schwärmt die Schwyzerin. Und ergänzt: «Das Schönste ist, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Und dass ich Amy bei mir haben kann.» Sie geht nach draussen und wirft ihrer Hündin ein Spielzeug auf die Wiese, die nun wieder im Nebel liegt.

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