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Faszination Riesenkaninchen: Alain Rubin aus Utzigen (BE) gewinnt mit Französischen Widdern an der Schweizermeisterschaft

Alain Rubin züchtet seit seinem zwölften Lebensjahr Französische Widder – und das äusserst erfolgreich. An der diesjährigen Schweizermeisterschaft sicherte er sich zwei Siege. Im Interview verrät der Berner, was ihn an der Riesenkaninchen-Rasse fasziniert.

Herr Rubin, Sie haben an der Schweizermeisterschaft der Französischen Widder im Januar mit Ihren Riesenkaninchen zwei Siege und einen zweiten Rang geholt. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Es bedeutet mir sehr viel – für mich fühlt es sich an wie drei Siege. Solchen Erfolg zu haben, ist sehr schön und auch eine Art Lohn für den Aufwand, den eine Zucht mit sich bringt.

Hat einer der diesjährigen Siege Sie besonders überrascht?

Es ist immer überraschend, aber auch sehr schön. Dieses Jahr hatte ich im Vorfeld der Schweizermeisterschaft ein gutes Gefühl. Schliesslich wurde ich für die schönste blaue Häsin ausgezeichnet. Das überraschte mich am meisten, denn ehrlich gesagt hätte ich anderen Tieren von mir eher einen Titel zugetraut.

Sind Sie vor Ausstellungen wie der Schweizermeisterschaft noch nervös?

Meistens läuft es so, dass man die Kaninchen an einem Donnerstag anliefert. Am Freitag werden sie dann bewertet. Beim Transport zum Ausstellungsort bin ich aber noch gar nicht nervös – genauso wenig wie vor Ort, wenn ich die schönen Tiere der anderen Züchter sehe. Richtig nervös bin ich erst am Bewertungstag, dann schaue ich oft aufs Handy. Leute, die vor Ort sind, lassen einen wissen, wie man abschneidet. Wenn lange keine Nachricht kommt, macht mich das noch nervöser. So war es auch dieses Jahr. Am Bewertungstag habe ich gearbeitet, aber am Nachmittag war wohl nicht mehr viel anzufangen mit mir. Irgendwann gegen Feierabend kam endlich die Nachricht. Danach ging es mir besser (lacht).

Zur Person

Alain Rubin (1992) aus Utzigen (BE) ist Landschaftsgärtner und züchtet Französische Widder. 2026 wurde er Schweizer Meister in den Kategorien «Kollektion Schwarz» und «Farbenschlagsiegerin blau». Zudem ist er Vorstandsmitglied in der Gruppe Bern des Schweizerischen Französisch-Widder-Kaninchen-Klubs.

Welches Geheimnis steckt hinter Ihrem Zuchterfolg?

Es ist wichtig, dass man sich mit den Tieren auseinandersetzt – und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem sie geboren werden. Generell braucht es viel Geduld und Zuwendung. Ihre Ernährung sollte man stets im Auge behalten. Wie bei uns Menschen sollte sie ausgewogen und abwechslungsreich sein. Das heisst: nicht nur Kraftwürfel und Heu, sondern auch Grünfutter wie Karotten, Randen oder Fenchel. Zudem gebe ich ihnen gerne Haselzweige, damit sie etwas zum Raffeln haben. Das tut ihren Zähnen gut, denn schliesslich sind sie ja Nagetiere. Und ihr Wasser sollte immer sauber sein – das hilft ihnen auch für die Fellqualität. Das Fell ist sowieso das A und O: Striegeln oder mit der feuchten Hand streicheln hilft, damit sich die toten Haare lösen.

Ganz allgemein gefragt: Was fasziniert Sie an Französischen Widdern?

Sie sind einfach richtig «gmögige Bänzen». Verglichen mit kleineren Rassen sind sie überhaupt nicht schreckhaft oder hyperaktiv, sondern sehr ruhig. Sie sind gemütlich unterwegs und wollen ja nicht zu viel machen. Und ich mag ihre hängenden Ohren.

Was hat Sie dazu bewogen, Französische Widder zu züchten?

Mein Vater züchtet seit seiner Jugend Kaninchen. Dadurch kam ich früh mit seinem Hobby in Berührung und half schon als Kind beim Füttern mit. Eigentlich wollten meine beiden Brüder und ich immer Ziegen halten. Unsere Eltern haben sich aber dagegen gewehrt, da wir dafür nicht genug Platz gehabt hätten. Irgendwann besuchten wir eine Kaninchen-Ausstellung. Dort war ein schwarz gescheckter Französischer Widder, der mich so sehr faszinierte, dass ich immer wieder zu ihm ging. Daraufhin hat mich mein Vater gefragt, ob ich nicht lieber Französische Widder anstatt Ziegen halten möchte. Ich sagte zu und bekam kurz darauf mein erstes Paar: einen Bock und eine Häsin. So begann ich mit etwa zwölf Jahren zu züchten.

Wie haben Sie sich das nötige Wissen für die Zucht angeeignet?

Das meiste Wissen hat mir sicher mein Vater mit auf den Weg gegeben. Auch jetzt darf ich mich noch immer an ihn wenden, wenn ich Ratschläge brauche. Viel Know-how erfährt man aber auch im Austausch mit anderen Züchtern.

Wie viel Aufwand bringt die Zucht in Ihrem Alltag mit sich?

Man ist schon angebunden. Ich füttere sie zwei Mal pro Tag, morgens und abends. Das dauert je etwa eine halbe Stunde. Alle zehn bis vierzehn Tage ist Misten angesagt, was den ganzen Feierabend in Anspruch nimmt. Zum Glück kann ich die Tiere an meinem Wohn- und Arbeitsort halten. Wenn ich am Wochenende weg will, muss ich mich mit meinen Eltern absprechen, ob jemand von ihnen Zeit fürs Füttern hat. Das grösste Problem sind Ferien. Bin ich länger als zwei Wochen weg, muss ich jemanden organisieren, der die Ställe ausmistet. An den Aufwand muss man sich also gewöhnen – für mich gehört er aber einfach dazu.

Gibt es ein Riesenkaninchen, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt sogar vier: «Fränzu» war mein allererster, selbst gezüchteter Bock, der auch an den Ausstellungen immer schön punktete. Obwohl das ein paar Jahre her ist, hängt immer noch ein Foto von ihm bei den Ställen. Auch der blaufarbene Bock «Winfried» ist mir in Erinnerung geblieben. Er hatte immer Stroh rund um sein Maul, wenn er nicht gerade schlief. Später gab es «Sven», einen besonders zutraulichen Bock, der beim Füttern immer den Kopf aus dem Stall steckte und gestreichelt werden wollte. Manchmal leckte er mich sogar ab. Ich hatte ihn seit der Corona-Pandemie. Er ist kürzlich verstorben, wurde aber über sechs Jahre alt und damit von all meinen bisherigen Riesenkaninchen am ältesten. Und auch Häsin «Fläckli», die ich immer noch halte, ist sehr zutraulich und deshalb das Lieblingstier meiner Frau.

Was würden Sie Anfängerinnen und Anfängern raten, die sich fürs Züchten interessieren?

Wichtig ist auf jeden Fall, genügend Zeit für die Tiere zu haben und sich mit ihnen identifizieren zu können. Beginnt man mit dem Züchten, sollte man bei schlechten Resultaten an Ausstellungen nicht gerade den Kopf in den Sand stecken. Bis man schöne Tiere hat, die punkten, braucht es etwas Zeit und Erfahrung. Hilfreich ist sicher, einem Züchterverein derselben Rasse beizutreten. Doch es geht ja nicht nur um Zucht und Ausstellungen, sondern auch darum, Zeit mit den Tieren zu verbringen. Nach einem stressigen Alltag geben sie einem viel zurück.

Zucht-Standard Französische Widder

Zur Riesenkaninchen-Rasse Französische Widder gehören insgesamt sechs anerkannte Farbschläge: Weiss Rotauge (gänzlich weiss mit roter Iris), Grau, Eisengrau, Madagaskar (braun mit einem Hauch von Rostfarbe), Schwarz und Blau (grau-blau). Alle anerkannten Farbschläge ausser Weiss Rotauge können auch als Schecken ausgestellt werden. Massgebend für eine gute Punktierung sind verschiedene Bewertungspositionen wie unter anderem Fell, Haltung und Gesundheit. Weitere Informationen zur Rasse und zu den Bewertungspositionen unter fw-ch.ch.

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