Gleich zwei Naturfotografen wurden letzte Woche Zeugen eines aussergewöhnlichen Ereignisses im San Juan Island National Historical Park auf der San-Juan-Insel im nordwestlichen US-Bundesstaat Washington. Kevin Ebi und Zachary Hartje wurden Zeugen, wie ein Weisskopfseeadler einem jungen Fuchs das zuvor erbeutete Kaninchen entriss – und diesen in der Luft gleich mittrug. Während Hartje die dramatische Szene filmte und auf Youtube stellte, berichtet Ebi in seinen Blog detailliert von dem Erlebnis.    

Er sei den ganzen Tag schon auf der Insel gewesen, um die jungen Füchse zu beobachten, schreibt Ebi. Bei Sonnenuntergang hätten sie zu jagen begonnen. Einem der Füchslein gelang ein Fang. Stolz wollte es seine Beute davon tragen und spazierte mit dem Kaninchen in der Schnauze über die Wiese. Plötzlich kam mit eimem Schrei pfeilschnell ein Weisskopfseeadler von hinten angeflogen und schnappte sich mit den Klauen das Kaninchen. «Ich dachte, der Fuchs würde das Kaninchen loslassen», schreibt Ebi. «Stattdessen biss er sich mit seinen Zähnen fest und wurde mit in die Luft gerissen.» Es folgte ein «dramatischer Kampf». Schliesslich habe es der Adler geschafft, das Kaninchen in seine rechte und den Fuchs in seine linke Klaue zu transferieren und letzteren schliesslich fallen zu lassen.

In einem Video zeigt Kevin Ebi die ganze Sequenz (Video: Kevin Ebi):

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Bald Eagle Stealing Rabbit from Fox (in Midair) from Kevin Ebi on Vimeo.

 

«Keine Sorge, dem Fuchs geht es gut», schreibt Ebi. Er habe kurz darauf wieder mit den andern Jungfüchsen gespielt. Weder die Füchse noch die Kaninchen sind übrigens auf der San-Juan-Insel heimisch. Das Europäische Wildkaninchen sei um 1890 dorf aufgetaucht, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt ist unklar. Absichtlich wurden aber um 1900 von Siedlern Rotfüchse ausgesetzt, um der Kaninchenplage Herr zu werden. Denn die haben das Landschaftsbild auf der Insel laut Ebi verändert – und das nicht zum Guten. Viele Pflanzen und Tiere seien schon durch sie verdrängt worden.

Weisskopfseeadler hingegen befinden sich in ihrem natürlichen Habitat. Letztes Jahr erregte auf dem benachbarten Vancouver-Island ein Adlerpärchen Aufsehen, das neben seinen eigenen drei Küken einen adoptierten Rotschwanzbussard aufzog («Tierwelt Online» berichtete). Fotograf Kevin Ebi, der schon für ein Buch über die majestätischen Vögel ihr Leben und ihre Gewohnheiten dokumentierte, schreibt, dass das Klauen von Beute bei ihnen keine Seltenheit sei. Er habe bereits beobachtet, wie sie von Krähen, Kanadareihern und anderen Adlern stahlen. Das wusste auch US-Gründervater Benjamin Franklin. Wie er in einem Brief an seine Tochter schrieb, war er nicht glücklich über die Wahl des Weisskopfseeadlers zum Nationalvogel der Vereinigten Staaten: «Er ist ein Vogel von schlechtem moralischen Charakter. Er bestreitet seinen Lebensunterhalt nicht ehrlich.» Franklin hielt indes den Truthahn für einen viel respektableren und mutigeren Vogel.

Kevin Ebi twitterte auf seinem Account @livingwilderness über die Begebenheit:

 

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