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Übergewicht verkürzt Lebenszeit von Hunden

Immer mehr Hunde in der Schweiz sind übergewichtig. Viele Halter sind sich dessen aber nicht bewusst. Was Übergewicht bei den Vierbeinern verursachen kann und wie man damit umgeht, erklärt Tierarzt Stefan Schellenberg.

Übergewicht ist nicht nur bei Menschen eine verbreitete Volkskrankheit mit chronischen Folgeerkrankungen. Auch Hunde leiden unter Übergewicht und ihre Zahl nimmt immer mehr zu. In den USA waren laut einer Studie 2022 rund zwei Drittel aller Hunde übergewichtig. In der Schweiz gehen Fachleute davon aus, dass ein Drittel oder mehr Vierbeiner betroffen sind – genaue Zahlen gibt es aber nicht, wie Stefan Schellenberg, Fachtierarzt für Innere Medizin in der Tierklinik Aarau West, auf Anfrage sagt. «Wie bei uns Menschen ist das Problem von Übergewicht bei Hunden aber zunehmend.»

Doch nicht alle Hunderassen seien gleichermassen betroffen, so Schellenberg. «Bestimmte Rassen haben ein höheres Risiko, übergewichtig zu werden, was darauf hindeutet, dass die Genetik eine wichtige Rolle spielt.» Besonders anfällig sind laut dem Fachtierarzt Labrador oder Golden Retriever. Aber auch der Mops, Cocker Spaniel, Dalmatiner, Rottweiler, Dackel oder Beagle neigen zu Übergewicht.

Ab wann ist ein Hund übergewichtig?

Ähnlich wie beim Body-Mass-Index (BMI) des Menschens gibt es für Hunde das Body Condition Scoring (BCS), um herauszufinden, wie viel Überschuss der Vierbeiner hat und wie die Muskel- und Fettmassezusammengesetzt sind. Die Hunde werden anhand ihrer physischen Erscheinung bewertet, abgetastet und erhalten dann eine Zahl zwischen 1 und 9 zugeordnet, wobei 1 bis 3 Untergewicht ist, 4 bis 5 Idealgewicht und 6 bis 9 Übergewicht bis hin zu starker Fettleibikeit.

Um das zu beurteilen, schaut sich der Tierarzt bei einer Untersuchung die Silhouette des Hundes und seinen Körperbau von oben an. Bei Idealgewicht sollte die Taille von oben zwischen den Rippen und demBecken gut sichtbar sein, der Bauch von der Seite gesehen auf der Höhe der Hüfte nach oben aufgezogen. Auch die Rippen tastet der Arzt ab – diese müssen gut ertastbar und nicht versteckt hinter einer Fettschicht liegen. «Man weiss, dass Tierbesitzer im Gegensatz zu den Tierärzten den BCS häufig zu tief einschätzen. Sie stufen normalgewichtige Hunde eher als untergewichtig ein und sind nicht fähig, übergewichtige Hunde zu erkennen», sagt Schellenberg. Das führt dazu, dass viele Hunde über dem Idealgewicht liegen.

Es gibt verschiedene Faktoren, die Übergewichtbegünstigen können. Kastration, das weiblicheGeschlecht und fortschreitendes Alter sind einigeRisikofaktoren. Manchmal können auch Schilddrüsen- oder andere Erkrankungen dahinter liegen. Aber in den meisten Fällen nehmen sie schlicht zu viele Kalorien zu sich, und in diesem Fall müssen die Halter die Ursache für das Übergewicht bei sich selbst suchen. «Solange keine Stoffwechselerkrankung vorliegt, sind nur die Halter schuld daran, denn ein Hund kann sich nicht selbst am Kühlschrank bedienen», so Schellenberg. Oft ist es ein Zusammenspiel von Bewegungsmangel, kalorienreichen Zwischenmahl-zeiten oder Leckerli und falscher oder übermässiger Fütterung. Besonders ältere Menschen neigen dazu, den Hund zu verwöhnen, aber gleichzeitig weniger aktiv zu sein mit ihm.

Übergewicht verkürzt Lebenserwartung

Übergewicht bei den Vierbeinern sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es kann unter anderem zu Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs, Problemen mit den Gelenken oder der Haut führen und die Lebenserwartung des Hundes verkürzen. Eine Studie bei Labrador Retrievern habe etwa gezeigt, dass übergewichtige Hunde im Vergleich zu schlanken Hunden bis zu zwei Jahre weniger lang leben, also statt dreizehn nur noch elf Jahre alt werden.

«Das Beste, was der Halter tun kann, ist Prophylaxe, also schauen, dass der Hund gar nicht übergewichtig wird», so Schellenberg. Idealerweise wird der Hund gemäss seinem Ruheenergiebedarf (RER)* gefüttert. Je nach Aktivität braucht er mehr Energie und kann folglich auch mehr essen, ohne zuzunehmen. Sollte der treue Vierbeiner doch einige Kilos zulegen, kommt der Halter nicht drum herum, die Fütterungsge-wohnheiten zu ändern und die Futterration anzu-passen.

«Zur Gewichtsreduktion sollte immer im Bereich des RER gefüttert werden», so Schellenberg. Es empfiehlt sich, dafür einen Tierarzt oder einen Ernährungsberater herbeizuziehen, um die Futterration individuell anzupassen. Es ist nämlich auch während einer Diät wichtig, dass der Hund genügend Vitamine und Nährstoffe wie Protein, Kalzium oder Magnesium zu sich nimmt. «Wenn zusätzlich auch an der Bewegung etwas geändert wird, kann sich der Erfolg schneller einstellen», sagt der Schellenberg. «Selbst ein paar Minuten Spaziergang pro Tag können von Vorteil sein, nicht nur, um Kalorien zu verbrauchen, sondern auch um die Muskelmasse zu erhalten.»

Bei Tieren, die zum Fressen motiviert sind, könne das Futter auch geworfen werden, damit der Hund es sich holen kann. Aber auch Futterspenderspielzeuge animieren das Tier zu mehr Bewegung.

*Ruheenergiebedarf (RER) = 30 x Körpergewicht (kg) + 70

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