Tierhaarallergie: Machen Hund und Katze allergisch – oder schützen sie davor?

Tierhaare sind mehr als lästige Begleiter auf Sofa und Kleidung. Sie können Allergene verbreiten – und zugleich Teil eines Umfelds sein, das möglicherweise vor Allergien schützt. Wie passt das zusammen? Ein Blick auf die Forschung zeigt die positiven und negativen Seiten von Tierhaaren.

Fluch oder Segen?

Sie kleben am Pullover, sammeln sich unter dem Sofa und tauchen zuverlässig dort auf, wo man sie am wenigsten gebrauchen kann. Wer mit Hund oder Katze lebt, lebt auch mit deren Haaren. Was den einen nicht stört und zur Haltung von Tieren wie selbstverständlich dazugehört, hat für den anderen womöglich gesundheitliche Konsequenzen.

Zunächst ein verbreitetes Missverständnis: Bei einer «Tierhaarallergie» reagiert der Körper meist nicht auf das Haar selbst. Verantwortlich sind Proteine aus Speichel, Hautschuppen, Talg oder Urin. Sie gelangen auf Fell und Haut und verteilen sich von dort in der Wohnung. Das Haar ist also vor allem Transportmittel.

Machen Haustiere allergisch?

Ob das Zusammenleben mit Hund oder Katze die Entstehung von Allergien fördert, lässt sich erstaunlicherweise nicht eindeutig beantworten. Eine grosse europäische Analyse von mehr als 77’000 Mutter-Kind-Paaren fand keinen generellen Zusammenhang zwischen Katzen- oder Hundehaltung in den ersten Lebensjahren und einem erhöhten Asthmarisiko im Schulalter. Auch eine Sensibilisierung gegen die Tiere trat nicht grundsätzlich häufiger auf.

Andere Untersuchungen kommen allerdings zu abweichenden Ergebnissen. Eine Metaanalyse von 60 Studien mit rund 1,87 Millionen Kindern fand einen statistischen Zusammenhang zwischen Hunde- beziehungsweise Katzenhaltung und einem leicht erhöhten Asthmarisiko.

Mini-Bauernhof im Wohnzimmer

Im Gegensatz dazu weist eine schwedische Studie darauf hin, dass ein Haustier gar Allergien vorbeugen könnte. Sie fand bei Kindern den sogenannten «Mini-Farm»-Effekt: Je mehr Hunde und Katzen während ihres ersten Lebensjahres im Haushalt lebten, desto seltener traten später allergische Erkrankungen auf.

Vermutlich sind dafür jedoch nicht die Haare selbst verantwortlich. Hunde und Katzen bringen vielmehr eine Vielzahl von Mikroorganismen in die Wohnung und erhöhen so die mikrobielle Vielfalt, mit der das noch junge Immunsystem in Kontakt kommt. Der Mechanismus erinnert an den bekannten Bauernhofeffekt.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Ob Tierhaare Fluch oder Segen sind, lässt sich auch wissenschaftlich also nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Einerseits tragen Fell und Hautschuppen Allergene durch die Wohnung und können bei sensibilisierten Menschen Beschwerden auslösen. Andererseits gibt es Hinweise darauf, dass das frühe Zusammenleben mit Tieren das Allergierisiko unter bestimmten Umständen sogar senken könnte. Ein Haustier ist daher weder pauschaler Allergieauslöser noch bewährte Allergieprophylaxe.

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