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Warum Katzen kratzen und was dahintersteckt

Manche Möbel scheinen Katzen geradezu magisch anzuziehen. Doch hinter dem Kratzen steckt keine Zerstörungswut, sondern ein ganz natürliches Verhalten. Warum Katzen ihre Krallen wetzen, was sie dabei bevorzugen und wie sich ihre Vorlieben gezielt in die richtigen Bahnen lenken lassen.

Ein Kratzen ist aus dem Wohnzimmer zu hören und es ist klar, wer dafür verantwortlich ist. «Leo, aus!» Leo ist zwar kein Hund, aber ein schlauer Kater. Er vernimmt den Unmut und miaut, als würde er seine Unschuld beteuern wollen. Doch die Kratzspuren und ausgefransten Fasern zeigen einen eindeutigen Tatbestand. Was bei uns Menschen als Vandalismus gelten würde, ist für die Katze unverzichtbar – Zerstörungswut steckt dabei keineswegs dahinter. Das Kratzen dient der Krallenpflege. Indem die Katze dabei die äusseren, abgenutzten Hornschichten ablöst, hält sie ihre ausfahrbaren Krallen scharf. Gleichzeitig dient das Kratzen der Kommunikation: Über sichtbare Kratzspuren und Duftstoffe aus Drüsen an den Pfoten markiert die Katze ihre Umgebung und signalisiert damit: Das hier gehört zu meinem Revier. Der Veterinär und Fachmann für Tierverhalten Gary M. Landsberg beschrieb bereits 1991, dass das Kratzen auch dem natürlichen Dehnverhalten dient: Dabei streckt die Katze ihre Vordergliedmassen und dehnt die Muskulatur.

Eine 2025 in der Fachzeitschrift «Applied Animal Behaviour Science» veröffentlichte Studie stellt zudem eine weitverbreitete Annahme infrage: Demnach ist häufiges Kratzen nicht automatisch ein Zeichen von Stress. Die Forschenden beobachteten vielmehr, dass Katzen besonders oft an ihren Ruheplätzen sowie im Wohn- und Schlafzimmer kratzten – also an Orten, die sie mit Schlaf, Komfort oder positiven Begegnungen mit ihren Menschen verbinden. Nach Ansicht des Forschungsteams dürfte Kratzen deshalb häufig eher mit positiven Gefühlen als mit Stress zusammenhängen.

Egal ob drinnen oder draussen

Ob eine Katze Freigang hat oder nicht, spielt dabei keine Rolle: Gekratzt wird überall. Deshalb sollten ihr auch zu Hause geeignete Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Nimmt sie sich stattdessen immer wieder Sofa oder Stuhl vor, kann dies mehrere Gründe haben. Vielleicht fehlt eine passende Alternative oder die Oberfläche ist schlicht besonders verlockend. Denn Katzen bevorzugen beim Kratzen strukturierte und raue Materialien. In der Natur erfüllt vor allem Baumrinde diese Ansprüche. Zum Leidwesen vieler Katzenhalterinnen und Katzenhalter müssen zu Hause jedoch oftmals die Möbel herhalten. Bieten sie senkrechte Flächen, stehen stabil und besitzen eine raue Struktur, lassen sich die Krallen darin besonders gut einhaken.

Welche Materialien Katzen besonders zum Kratzen verleiten, haben Forschende ebenfalls untersucht. In drei Tierheimen liessen sie die Tiere zwischen den Stoffen Chenille, Wildlederimitat, Kunstleder und wasserabweisendem Grosgrain-Stoff wählen. Dabei zeigte sich eine klare Vorliebe für Chenille, einen weichen, aber griffig strukturierten Polsterstoff. Kunstleder und Grosgrain waren dagegen deutlich weniger gefragt. Entscheidend scheint vor allem, dass die Krallen genügend Halt finden und beim Kratzen sichtbare Spuren hinterlassen können. Zu diesem Ergebnis kam eine 2023 im «Journal of Applied Animal Welfare Science» veröffentlichte Studie.

Zum Kratzen gern

Welcher Polsterbezug beim nächsten Einrichten besser gemieden werden sollte, lässt sich daraus allerdings nicht mit Sicherheit ableiten. Dafür gibt es bislang noch zu wenige Studien. Zudem unterscheiden sich die Vorlieben von Katze zu Katze und hängen auch von ihrer Umgebung ab. Kater Leo etwa hatte ganz bestimmte Favoriten: Die Esstischstühle mit Lederbezug, der Bürostuhl aus Kunstleder und das Sofa mit strukturiertem Polsterstoff trugen deutliche Spuren seiner Vorliebe. Durchgesessen und stark strapaziert mussten die Möbel schliesslich ersetzt werden. Obwohl die neuen Stücke jeweils am selben Platz stehen, werden sie nicht mehr bekratzt. Es liegt daher nahe, dass dies mit dem glatten Mikrofaserbezug von Stühlen und Sofa zusammenhängt – für Krallenpflege und Markierung scheint er deutlich weniger attraktiv zu sein.

Ausgiebig wie eh und je wird dagegen am Kratzbaum gekratzt. Dieser sollte in keinem Katzenhaushalt fehlen – schon den eigenen Möbeln zuliebe. Noch besser sind mehrere Kratzmöglichkeiten an verschiedenen Standorten, damit die Katze ihrem natürlichen Bedürfnis nachgehen kann. Die meisten Kratzbäume sind mit Sisal umwickelt, einer robusten Naturfaser mit grober Struktur. Sie bietet den Krallen den nötigen Widerstand: Die Katze kann sich darin einhaken, kräftig daran ziehen und gleichzeitig ausgiebig strecken und dehnen. Auch Kratzbäume mit Flächen aus Weide, Korbgeflecht oder Bananenblättern werden von vielen Katzen gerne angenommen.

Und dann gibt es noch Kratzpappe: Viele Katzen können dem rauen Karton kaum widerstehen. Allerdings ist der Kratzspass oft von kurzer Dauer. Die Fasern werden schnell herausgerissen, verteilen sich auf dem Boden und die Pappe muss regelmässig ersetzt werden. Einfachen Kratzbrettern fehlt zudem häufig die nötige Stabilität oder Höhe, damit sich die Katze beim Kratzen ausgiebig strecken kann. Ihre Berechtigung haben sie dennoch: Je mehr geeignete Kratzmöglichkeiten zur Auswahl stehen, desto grösser ist die Chance, dass Sofa, Stühle und Co. verschont bleiben.

Ein Kratzbaum nach Katzenwunsch

- Material wählen – Einen stabilen Holzstamm oder Holzbalken auf einer schweren Bodenplatte befestigen, damit der Kratzbaum nicht kippt. - Kratzfläche bauen – Sisalseil straff um den Stamm wickeln und Anfang sowie Ende sicher befestigen. - Höhe einplanen – Der Kratzbaum sollte so hoch sein, dass sich die Katze beim Kratzen vollständig strecken kann. - Standort wählen – Am besten in der Nähe von Schlafplätzen, Durchgängen oder im Wohn-bereich aufstellen, wo die Katze gerne kratzt. - Sicherheit prüfen – Nichts sollte wackeln oder kippen. Schrauben, Klammern oder andere genutzte Befestigungen dürfen nicht hervorstehen.

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