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19 Fragen rund um das Thema Recycling

Wie trenne ich blaues Glas, warum werden Kaffeekapseln separat getrennt und was mache ich mit recycelbaren Plastiksäcken? Viviane Pfister-Weber von Swiss Recycle beantwortet die drängendsten Fragen zum Recycling.

Darf man den Deckel der Mayonnaise beim Recyceln dran lassen?

Nein, der Deckel besteht aus Alu und gehört in die Alu-Sammlung. Fremdstoffe im Altglas müssen aufwendig und in zahlreichen Aufbereitungsschritten aussortiert werden. Das macht das Glasrecycling unnötig teuer und kann zu Ausschussware führen. Um dies zu verhindern, sollte man keine Verschlüsse in den Container werfen.

Wohin mit blauen, roten oder bunten Glasflaschen?

Alle Farben ausser Braun und Weiss können in den grünen Container geworfen werden. Dort verschmutzen sie das Rezyklat am wenigsten.

Wie entsorge ich meine zerbrochenen Keramiktassen richtig?

Keramik, Porzellan und Ton, wie beispielsweise Teller, Tassen, Töpfe, Blumenvasen usw. gehören in die Bauschuttmulde.

Darf man kaputte Trinkgläser und Einmachgläser mit Glasflaschen entsorgen?

Trinkgläser, Glasschüsseln, Spiegel- und Fensterglas sowie Autoscheiben gehören in die Bauschuttmulde oder in den Kehricht, da sie eine andere chemische Zusammensetzung als Verpackungsglas aufweisen. Herkömmliche Einmachgläser können jedoch in den Glascontainer geworfen werden.

Darf man biologisch abbaubare Grünabfallsäcke in den Grünabfall werfen?

Nur biologisch abbaubare Grünabfallsäcke, die mit einem Gitterdruck gekennzeichnet sind, gehören in das Grüngut. Alle anderen vermeintlich abbaubaren Säcke gehören nicht in die Grüngutsammlung.

Was passiert mit Glas oder Aluminium, das im Haushaltskehricht landet?

Alu und Glas, das in der Kehrichtverwertungsanlage landet, wird verbrannt und geschmolzen. Der Wertstoff geht damit verloren. Es ist somit sehr wichtig, Glas und Alu nicht im Kehricht zuentsorgen, sondern in die entsprechende Sammlung zu geben. Nur so kann der Wertstoff wiederverwertet werden.

Was passiert mit Batterien, die im Kehricht landen?

Batterien gehören nicht in den Haushaltsabfall und nicht in die Verbrennung. Von Gesetzes wegen bestehen in der Schweiz für Batterien sowohl eine Rückgabe- als auch eine Rücknahmepflicht. Konsumentinnen und Konsumenten müssen die Batterien bei den vorgesehenen Sammelstellen entsorgen oder in die Verkaufsgeschäfte zurückbringen. Diese sind ihrerseits verpflichtet,Batterien zurückzunehmen. Gebrauchte Batterien und Akkusweisen einen hohen Anteil an wieder verwertbaren Materialien auf. Diese werden im Recyclingprozess zurückgewonnen, wodurch wertvolle Ressourcen erhalten bleiben. Gleichzeitig lässt sich nur so vermeiden, dass Schwermetalle in die Umwelt gelangen.

Braucht es wirklich einen gewissen Anteil an Glas, Metallen usw. im Abfall, um die Betriebstemperatur in Verbrennungsanlagen zu erreichen?

In den KVAs werden weder zusätzliche Metalle und schon gar kein Heizöl gebraucht, um die Abfälle optimal verbrennen zu können. Die Zusammensetzung des üblichen Haushaltsabfalls reicht dafür schon bestens. Mit einem Heizwert von etwa 9 bis 12 Megajoule (MJ) pro Kilogramm brennt der Siedlungsabfall nur leicht weniger gut als trockenes Holz (Wassergehalt 20 Prozent), das über einen Heizwert von 10 bis 15 MJ/kg verfügt. (Quelle: VBSA)

Wohin mit Korkzapfen und was passiert damit?

Korkenzapfen werden in einigen Gemeinden separat gesammelt und anschliessend zur Korkmühle gebracht. Dort werden dieKorken zuerst grob geschreddert, sodass ein Granulat resultiert. Dieses Korkgranulat wird je nach Verwendungszweck noch feiner gemahlen und sowohl in der Baubranche als Isolationsmaterial gebraucht wie auch zu Presskork weiterverarbeitet. Gegenstände aus Presskork können beispielsweise eine Pinnwand oder einTopfuntersatz sein.

Warum kann man Kaffeekapseln nicht gemeinsam mit Aluminium recyceln?

Die Alu-Kaffeekapseln bestehen nicht nur aus Alu, sondern auch aus Kaffeesatz. Das Aluminium wird in Schmelzwerken aufbereitet und wieder in den Materialkreislauf gebracht, während aus dem Kaffeesatz Biogas und natürlicher Dünger gewonnen wird. Daher gibt es ein separat organisiertes Recyclingsystem fürAlu-Kaffeekapseln und sie werden getrennt gesammelt.

Welches Plastik kann man recyceln?

Es gibt Kunststoffe, die sich besser rezyklieren lassen als andere. Das liegt an unterschiedlichen Verfahren, aber auch an Zusatzstoffen, die dem Kunststoff beigemischt werden (Additive). Grundsätzlich sind Materialien, die nur aus einem Kunststoff bestehen, besser rezyklierbar als Verbundmaterialien. So sind beispielsweise PET-Getränkeflaschen sehr gut immer wieder recycelbar. Viele Verbundverpackungen können jedoch nicht oder nicht mit rechtfertigbarem Aufwand getrennt und sinnvoll recycelt werden. Hier sind meist Additive beigemischt.

Was passiert mit recyceltem Plastik: Bringt das überhaupt was?

Gesammelter Kunststoff wird zu sogenanntem Regranulatverarbeitet und unter anderem für Kabelschutzrohre verwendet. Zertifizierte Kunststoff-Sammelsysteme weisen über den Verein Schweizer Plastic Recycler (VSPR) ihre Stoffströme aus. Die Rezyklierbarkeit von Verpackungen nimmt glücklicherweise zu (auch dank Vorgaben von der EU). Die vermehrte Rezyklierbarkeit kann nur in konkreten Umweltnutzen umgewandelt werden, wenn auch separat gesammelt und stofflich recycelt wird. Deshalb erarbeiten wir mit Partnern der gesamten Wertschöpfungskette im Projekt Sammlung 2025 an einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft von Verpackungen in der Schweiz. Durch das Recycling bleibenRohstoffe erhalten und CO2-Emissionen werden gesenkt.

Wie trenne ich Tetrapak und was ist das überhaupt?

Getränkekartons wie Tetrapak werden meist für Fruchtsäfte, Rahm und Milch verwendet. Durch ihre Licht- und Sauerstoffundurchlässigkeit verlangsamen sie die Zerstörung bestimmterVitamine. Sie bestehen zu ca. 75 Prozent aus Karton, 20 Prozent aus Polyethylen und 5 Prozent aus Aluminium. Dank demKarton erhalten Getränkekartons ihre Stabilität, die innere Beschichtung von Aluminium schützt den Inhalt und die äussere Beschichtung aus Polyethylen schützt den Karton vor Durchnässung. Getränkekartons werden in einigen Gemeinden, aber noch nicht schweizweit gesammelt. Falls eine Sammlung in der Nähe vorhanden ist, gehört Tetrapak in die Getränkekartonsammlung. (Quelle: getraenkekarton.ch)

Muss ich die durchsichtigen Fenster in Couverts ausreissen, bevor ich sie ins Altpapier lege?

Fenstercouverts können in geringen Mengen ins Altpapier gegeben werden. Das eigentliche Problem dabei sind gar nicht die Fenster aus Kunststoff, denn diese können im Recyclingprozess relativ einfach aussortiert werden. Bedenklich ist jedoch der Leim, der das Fenster mit dem Couvert verklebt. Die Papierfabriken haben sich zwischenzeitlich soweit technisch aufgerüstet, dass Couverts sowohl in der gemischten Papier- und Kartonsammlung wie auch in der getrennten Papiersammlung zugelassen sind.

Darf ich Pizzaschachteln in die Kartonsammlung geben?

Entgegen der gängigen Meinung, dass Pizzakartons in die Kartonsammlung kommen, gehören diese in Wahrheit oftmals in den Kehricht. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: So erschweren zum Beispiel Öl- und Fettrückstände beziehungsweise die starke Verschmutzung des Wertstoffes das Recyclingverfahren. Zudem wird diese Art von Verpackung häufig mit einer fettabweisenden Beschichtung überzogen. Unbeschichtete und saubere Pizzaschachteln, also ohne Fett- und Ölflecken oder Essensresten, hingegen dürfen in die Kartonsammlung. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Pizza nicht direkt auf dem Karton liegt, sondern auf einer zusätzlichen Einlage.

Was gehört absolut nicht ins Altpapier und warum?

Backpapier oder Blumenpapier sind beschichtet und gehören daher nicht ins Altpapier. Sie stören sonst den Recyclingprozess, da sie eine Beschichtung enthalten.

Was passiert mit Kleidern aus der Altkleidersammlung?

Die angelieferten Alttextilien werden in einem Sortierwerk von Hand und auch mit einem computergestützten System sortiert. Damit wird eruiert, welche Textilien für welchen Verwendungszweck gebraucht werden können. Die noch tragbare Kleidung wird in zahlreiche Länder weiterverkauft. In vielen Abnehmerländern sind gebrauchte Textilien eine qualitativ hochwertige Alternative zu billig produzierten Textilien. Zudem schaffen diese vor Ort wertvolle Arbeitsplätze, zum Beispiel in der Umarbeitung sowie im Handel. In der Sammlung befinden sich auch immer wieder Kleidungsstücke und Textilien, die leider nicht mehr intakt sind und nicht weiterverwendet werden können. In verschiedenen Putzlappenproduktionen werden diese defekten Baumwoll- und Baumwollmischgewebe zu Putzlappen geschnitten und verarbeitet.

Wie viel Gramm Edelmetalle kann man aus alten Elektronikgeräten holen?

In den letzten zehn Jahren konnte die folgende Menge anEdelmetallen aus EE-Geräten zurückgewonnen werden: 196 000 Tonnen Eisen (entspricht 19 Eiffeltürmen), 15 500 TonnenAluminium, 16 600 Tonnen Kupfer (entspricht 106 KKL-Dächern), 55 000 Tonnen verwertbare Kunststoffe, 1600 Kilogramm Gold (entspricht 410 000 Eheringen), 8300 Kilogramm Silber. Im Jahr 2021 konnte während eines Jahres ca. 1 Tonne Edelmetalle wie Gold, Silber und Palladium zurückgewonnen werden. (Quelle: SENS eRecycling)

Wo steht die Schweiz beim Recycling iminternationalen Vergleich?

Ein internationaler Vergleich ist im Bereich Recycling nicht so einfach. Die Schweiz wird immer wieder als Weltmeisterin im Recycling bezeichnet. In gewissen Statistiken der OECD schaffen wir es aber nicht auf die Topränge. Grund ist, dass es keine einheitliche Berechnungsmethode gibt. Viele Länder berechnen ihre Quoten anhand des gesamten gesammelten Materials, andere wie die Schweiz zählen hingegen nur das effektiv recycelte Material. Ein klassischer Fall von Äpfeln mit Birnen zu vergleichen. Fakt ist: Die Schweiz gehört zum Beispiel bei Glas, PET oder Alu sicher zu den Spitzenländern. Insgesamt sind wir sicher ein Vorbild in Sachen Recycling.

*Viviane Pfister-Weber ist Leiterin Kommunikation bei Swiss Recycle, dem Dachverband der Schweizer Recycling-Organisationen und das Kompetenzzentrum für Recycling undKreislaufwirtschaft in der Schweiz.

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