Albert Rösti räumt ein: Der Gewässerschutz in der Schweiz kommt zu langsam voran

15 Jahre nach der Revision des Gewässerschutzgesetzes zieht der Schweizerische Fischerei-Verband eine ernüchternde Bilanz. Die Revitalisierung von Flüssen und die ökologische Sanierung der Wasserkraft kommen nur schleppend voran. Der Verband erhöht den politischen Druck.

Drei von vier einheimischen Fischarten stehen auf der Roten Liste. Sie gelten als gefährdet, vom Aussterben bedroht oder sind bereits ausgestorben. Wie angespannt die Situation für die Fische in der Schweiz ist, zeigte sich besonders im vergangenen Sommer: Hitze, Trockenheit und tiefe Wasserstände kosteten schätzungsweise Millionen Fischen und anderen Wassertieren das Leben. Vielerorts versuchten Fachleute mit Notabfischungen und Umsiedlungen zu helfen. In anderen Gewässern kam jede Hilfe zu spät.

Für den Schweizerischen Fischerei-Verband (SFV) ist die Entwicklung ein deutliches Warnsignal. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des revidierten Gewässerschutzgesetzes zog der Verband am 3. November 2026 in Hotel Bellevue in Bern eine durchzogene Bilanz. Zwar seien mit der Gesetzesrevision von 2011 wichtige Grundlagen geschaffen worden. Die Umsetzung hinke den ursprünglichen Zielen jedoch weit hinterher.

Damals war die Revision wesentlich auf die Volksinitiative «Lebendiges Wasser» des SFV zurückgegangen. Sie brachte unter anderem die gesetzliche Verankerung von Gewässerrevitalisierungen, die Sicherung von Gewässerräumen und die ökologische Sanierung der Wasserkraftanlagen. Doch noch immer sind zahlreiche Flüsse verbaut, Wanderwege für Fische unterbrochen und Restwassermengen ungenügend. Fehlende Ufervegetation verschärft zusätzlich die Auswirkungen steigender Temperaturen.

Wie gross der Rückstand ist, verdeutlichte SFV-Geschäftsführer David Bittner am Jubiläumsanlass: Würde die ökologische Sanierung der Wasserkraft im bisherigen Tempo weitergehen, dauere es noch Jahrzehnte, bis sie abgeschlossen sei. Für die geplanten Revitalisierungen brauche es sogar Jahrhunderte. Für die Fischbestände sei das zu spät.

Rösti: «Heutige Mittel reichen nicht»

Der Jubiläumsveranstaltung des Gewässerschutzgesetzes wohnten zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Behörden, Verbänden und Politik bei. Ehrengast der Veranstaltung war Bundesrat Albert Rösti (SVP). Der Berner leitet seit 2023 das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Damit ist er nicht nur Umwelt-, sondern auch Energieminister.

In einem Gespräch mit Moderatorin Bettina Walch äusserte er sich zu den dadurch generierten Zielkonflikten. «Ich erhalte Rapports von allen Seiten», sagte der 59-Jährige. «Deshalb habe ich mich oft gefragt, weshalb diese Ämterkombination im UVEK besteht.» Er wiege beide Seiten projektweise gegeneinander ab.

Rösti räumte ein, dass die bisherigen Anstrengungen punkto Revitalisierung der Gewässer und ökologische Sanierung der Wasserkraftanlagen nicht reichten.

Derzeit würden jährlich rund 17 Kilometer Gewässer revitalisiert. Damit die vorgesehenen Massnahmen rechtzeitig umgesetzt werden könnten, müsse das Tempo auf 50 Kilometer pro Jahr steigen. Die Finanzierung bleibe allerdings eine Herausforderung, denn diese müssen vom Parlament bewilligt werden.

Die ökologische Sanierung der Wasserkraftanlagen wird momentan über einen zweckgebundenen Zuschlag von 0,1 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) auf die Stromübertragungskosten finanziert. Die nötigen 4 Milliarden Franken könnten aber so nicht erreicht werden, so der Bundesrat. Mittelfristig sei für ihn eine Erhöhung des Netzzuschlagsfonds denkbar – zu hohe Erwartungen wolle er aber nicht wecken.

Für 2027 stellte Rösti an der Jubiläumsveranstaltung eine Revision des Gewässerschutzgesetzes an, die unter anderem den Schutz der Zuströmbereiche verbessern und die Abwasserreinigung von problematischen Rückständen verstärken soll, in Aussicht.

Parlamentarische Gruppe «Fische» gegründet

Neben der Finanzierung kamen am Jubiläumsanlass auch die unterschiedlichen Interessen von Naturschutz, Landwirtschaft und Energieproduktion zur Sprache. Während die Wasserkraft für eine sichere Stromversorgung wichtig sei, dürfe die ökologische Aufwertung der Gewässer nicht aufgeschoben werden. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen betonten deshalb die Bedeutung einer Zusammenarbeit über die einzelnen Fachbereiche hinaus.

Für den SFV sind die kommenden 15 Jahre entscheidend. Der Verband fordert, die geplanten 4’000 Kilometer Gewässer bis spätestens 2060 statt erst 2090 zu revitalisieren. Zudem sollen die Gewässerräume bis 2030 ausgeschieden und die ökologischen Sanierungen der Wasserkraft grundsätzlich ebenfalls bis 2030 abgeschlossen sein. Ausreichende Restwassermengen und ein wirksamer Schutz besonders bedrohter Fischarten gehören ebenfalls zu den zentralen Anliegen.

Der Verband will seinen politischen Druck verstärken. Eine Task Force prüft mögliche weitere Schritte, darunter auch eine neue eidgenössische Volksinitiative. Zudem soll eine «Parlamentarische Gruppe Fische» gegründet werden, um den Anliegen der Fischerei im Bundeshaus mehr Gewicht zu verleihen.

Naturnahe Gewässer mit beschatteten Ufern, vielfältigen Lebensräumen und kühlen Zuflüssen sind nicht nur für Fische wichtig. Sie können auch dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zurückzuhalten und die Folgen von Hitze und Trockenheit abzufedern. Die Revitalisierung von Flüssen ist damit zugleich eine Massnahme zum Schutz der Biodiversität und zur Anpassung an den Klimawandel.

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