Nach langer Überlegung und Abwägen aller Eventualitäten steht fest: Ein Hund soll zuhause einziehen. Bettchen, Spielzeug, Futter und Leine sind schnell organisiert, die Rasse oder die Entscheidung für einen Mischling ist klar. Nun beginnt die Suche nach dem idealen vierbeinigen Freund.
Online wird man schnell fündig. Pommersche Spitze, Jack Russell, Huskys oder die aktuell beliebten Doodles werden auf den meisten gängigen Kleinanzeigenplattformen mit Tierkategorien angeboten. Doch einen Hund online zu kaufen, ihn gar zu bestellen, ist ein No-Go. Gerade bei sehr kitschigen Welpenbildern, viel zu günstigen Preisen und Inseraten in schlechtem Deutsch sollten die Alarmglocken läuten. Dabei handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um sogenannte «Kamerun-Inserate». Dahinter stecken oft Betrüger aus dem Ausland, meist aus Westafrika. Die herzzerreissende Geschichte hinter den Tieren ist erfunden, die Bilder gestohlen oder KI-generiert – die Tiere selbst gibt es nicht. Das erfährt man jedoch erst, nachdem man für den Hund, den Tierarzt, den Transport und den Zoll bereits im Voraus bezahlt hat, ohne das Tier je zu Gesicht bekommen zu haben.
Viele Online-Plattformen sind sich des Problems mittlerweile bewusst und setzen Art. 76d der Tierschutzverordnung (TSchV) durch. Demnach muss, wer Hunde anbietet, seinen Vornamen, Namen und seine Adresse sowie das Herkunfts- und Zuchtland schriftlich angeben. Doch selbst dann gibt es genügend Schlupflöcher, um Hunde aus unseriösen Zuchten an den Mann und die Frau zu bringen. Zusammen mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat der Schweizer Tierschutz STS daher eine Website lanciert, auf der sich alle vorab über den Kauf eines Hundes informieren können (hundekauf.ch). «Hunde, die über das Internet verkauft werden, stammen oft aus Massenproduktionen», warnt Tierärztin Noemi Hernadfalvi von der Tierklinik Schönbühl (BE). «Sie sind nicht geimpft und schlecht sozialisiert, was ungeahnte Folgen für das spätere Leben des Hundes haben kann.» Solche Tiere bräuchten oft teure Therapien, kämen in der Gesellschaft nur schlecht zurecht und blieben häufiger als andere Hunde eine lebenslange Aufgabe.
Welche Züchter sind seriös?
Für den STS erklärt Noemi Hernadfalvi sodann, wie man seriöse Züchterinnen und Züchter erkennt: «Ein seriöser Züchter wird einem interessierten Käufer gerne die Welpen und die Mutterhündin zeigen.» Bei einem Besuch beim Züchter zuhause kann der Interessent dann auch sehen, wie die Jungtiere aufwachsen. Es lohnt sich, mehrere Züchter zu besuchen und die Aufzuchtbedingungen zu vergleichen. Zudem wollen seriöse Anbieter auch den zukünftigen Halter des Hundes kennenlernen, um sicherzugehen, dass ihr Schützling es dort gut haben wird. Als Qualitätsmerkmal sind viele gute Züchter mit einem von zwei Labels ausgezeichnet: dem goldenen Gütesiegel der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) oder dem Certodog-Züchterlabel.
Nicht nur bei Züchtern, auch in den Schweizer Tierheimen warten zahlreiche Hunde auf ein Zuhause. Immer mehr Hundehalter entscheiden sich daher heute bewusst für einen Hund aus dem Tierheim. Hier braucht es oft etwas Geduld, um das passende Tier zu finden. Dafür profitieren besonders rasseoffene Hundeinteressierte von der Vielfalt der Tiere. Gut organisierte Tierheime achten auf eine sorgfältige Auswahl des zukünftigen Halters und begleiten diesen während und nach der Vermittlung eines ihrer Hunde. Sie geben Auskunft über die Vorgeschichte und das Wesen ihrer Vierbeiner und achten darauf, dass Hund und Mensch gut zueinander passen. Dabei werden seriöse Tierheime nichts schönreden, sondern sagen auch einmal, dass ein Hund unsicher ist oder nichts für Anfänger oder Familien mit Kindern. Bei Probespaziergängen und Kurzaufenthalten im neuen Zuhause lernen sich die zwei- und vierbeinigen Familienmitglieder kennen; oft finden zudem Vorkontrollen durch Mitarbeitende des Tierheims statt. Am Ende wird statt eines Kaufpreises eine Schutzgebühr fällig, die vollumfänglich den Tieren zugutekommt und Kastration, Impfung, Futter und andere Versorgungskosten decken soll.
Die Sache mit den Auslandhunden
Eine weitere Möglichkeit ist, seinen Hund über den Auslandtierschutz zu beziehen. Viele Hundehalter möchten so einem Vierbeiner mit unschöner Vergangenheit ein liebevolles Zuhause schenken. Die Auslandsherkunft ist dabei selten das eigentliche Problem, sondern vielmehr die mangelnde Transparenz und schlechte Vorbereitung. Seriöse Vereine, welche Tiere aus dem Ausland vermitteln, informieren über die Herkunft eines Hundes, ob er aus einem Tierheim, einer Pflegestelle oder von der Strasse kommt, sowie darüber, was über die Vorgeschichte und das Verhalten tatsächlich bekannt ist – und was nicht. Bei einem Vorgespräch sollte zudem erwogen werden, ob der gewünschte Hund zum Halter passt und welche Unterstützung nach der Ankunft im neuen Zuhause nötig sein könnte. Eine Rücknahmeregelung hält fest, was passiert, falls sich der Hund in der neuen Familie nicht wohlfühlt oder es sonstige gravierende Probleme gibt. Bei der Einreise des Tieres müssen die Import- und Gesundheitsanforderungen eingehalten werden. Darum kümmert sich in der Regel ebenfalls der Verein.
Unseriöse Tierschutzvereine, die mit Hunden aus dem Ausland werben, erkennt man oft daran, dass sie die Tiere nur nach Fotos vermitteln, keine klaren Angaben zu Chip, Impfung, Pass und Herkunft machen und kein wirkliches Interesse daran zeigen, in welches Zuhause der Hund kommen soll. Die Tiere werden oft mit emotionalen Geschichten beworben, doch Verkaufshebel wie «Sonst wird er morgen getötet» sind klare Warnzeichen. Sind die Beschreibungen der Hunde zudem etwas zu perfekt («lieb, unkompliziert, kann alles»), sollte man ebenfalls hellhörig werden.
Ob aus seriöser Zucht, aus dem Tierheim oder über einen transparent arbeitenden Tierschutzverein: Ein Hundekauf verlangt Geduld, kritische Fragen und einen genauen Blick auf Herkunft und Haltung. Denn wer sich bewusst entscheidet, gibt nicht nur sich selbst, sondern vor allem dem Hund die beste Chance auf ein gutes und sicheres Zuhause.
Problematische Anbieter erkennen
Wer nach einem Welpen sucht, der sollte auf folgende Warnzeichen achten:
- Welpe wird mit jünger als 10 Wochen abgegeben
- Kein Muttertier vor Ort («ist gerade nicht da»)
- Mehrere verschiedene Rassen gleichzeitig im Angebot
- Verkäufer will sich nicht zuhause treffen
- Gesundheitsunterlagen fehlen oder wirken dubios
- Welpe wirkt ängstlich, apathisch, krank oder ungepflegt
- Preis ist auffällig niedrig oder es wird auf Mitleid gedrückt
- Nur Barzahlung, kein Vertrag
- Hund wird als «super familienfreundlich» beschrieben, obwohl kaum etwas über ihn bekannt ist
- Herkunftsland/Zuchtort wechselt in der Geschichte
- Man darf Haltung, Wurf und Umfeld nicht anschauen
- Es wird Druck aufgebaut («Nur heute abholbar»/«sonst wird er getötet»)
- Anbieter stellt keine Fragen an den zukünftigen Halter