Enten aus dem Norden bringen mit ihrem Prachtgefieder Farbe auf Schweizer Seen

Der Winter ist farbenfroh – auf dem Wasser. Entenarten aus dem Norden treffen auf Schweizer Seen ein. Erpel fallen durch ihr spektakuläres Prachtgefieder auf. Eine Übersicht zu besonderen Wintergästen.

Im Winter ist die Schweiz ein Entenland. Viele Arten fliegen im Herbst aus dem Norden und Nordosten auf hiesige Gewässer. Eine interessante Zeit bricht an, zum Beispiel am Neuenburgersee.

Die linke Mauer des Broyekanals bei La Sauge (VD) führt weit in den See hinaus. Der Herbstwind peitscht das gräuliche Seewasser auf, Wolken fegen am Firmament, Wellen klatschen an das Gestein. Ein Gefühl, als wäre man auf einem Schiff. Linkerhand der Mauer schwimmen im Flachwasser Spiessenten. Ein Blick auf die Männchen zeigt, warum sie so heissen: Ihre Schwanzfedern sind spiessartig verlängert. Die Tatsache, dass die Art auf antiken ägyptischen Malereien dargestellt wurde, weist darauf hin, dass sie auch viel weiter zieht. Die Schweiz gehört zum nördlichsten Ziel dieser Zugvögel aus der Tundra Sibiriens, aus dem Innern Russlands und von Küstengebieten des Nordpolarmeeres. Im Frühling kehren sie mit schnellem Flügelschlag dorthin zurück.

Es sind immer die Erpel, welche die Blicke auf sich ziehen. Sie tragen extravagantes Gefieder, so dass sie einfach bestimmt werden können. Die unscheinbar braun gesprenkelten Weibchen gleichen sich innerhalb unterschiedlicher Arten. So ist es zum Beispiel auch bei den Löffelenten, die zwischen den Spiessenten im Flachwasser links der Kanalmauer nahe des Schilfgürtels im Schlick schnäbeln. Nur die Erpel sind mit rötlichbraunen Flanken und grün schillerndem Hals wahre Farbwunder. Auch diese attraktiven Enten brüten nicht in der Schweiz, sondern in Russland. Individuen dieser Art ziehen ebenfalls im Winter bis nach Afrika, sogar bis zum Äquator! Und auch bei dieser Art weist die deutsche Bezeichnung den Weg zum Namen: Mit dem löffelartigen Schnabel filtern sie winzige Nahrungspartikel aus dem See.

Löffelenten sind farbenfroh und ihr Schnabel macht dem Namen alle Ehre. (Bild: Shutterstock)

Offenes Wasser und Nahrungsgründe

Weit draussen im See schwanken kleine Punkte auf den Wellen. Mit dem Fernglas entpuppen sie sich als Reiherenten, die häufigste Entenart, die im Winter auf Schweizer Gewässern beobachtet werden kann. Die weiss-schwarzen Erpel und die dunkelbraunen Enten tragen verlängerte Federn am Hinterkopf, wie ein Reiher. Die Ausbreitung der Wandermuschel trägt dazu bei, dass diese Tauchentenart gerne in die Schweiz fliegt. Um die 100000 überwintern hier. Allerdings sind in den letzten Jahren immer weniger gekommen, dies wohl wegen dem milderen Klima. Dadurch bleiben viele Gewässer im Norden offen, so dass die Enten nicht mehr so weit fliegen müssen. Wenige Paare bleiben ganzjährig in der Schweiz und brüten.

Nebst den kleinen, schwarzen Reiherenten schaukeln viele Tafelenten auf den Wellen. Auch sie gehören zu den Tauchenten, die bei Gefahr lieber in den Fluten verschwinden, als dass sie wegfliegen. Gemäss der Schweizerischen Vogelwarte stammen einige dieser Wintergäste aus den entlegensten Gebieten Sibiriens.

Die Farben der Kolbenenten-Erpel sind fast zu üppig für den Schweizer Winter. Die Schnäbel leuchten korallenrot, das Kopfgefieder rostrot und die Brust glänzt schwarz. Diese exotisch anmutenden Enten tauchen und gründeln den Armleuchteralgen nach. InfoFlora, die Stiftung zur Dokumentation von Wildpflanzen, schreibt, dass es sich bei diesen Algen um die letzten Überlebenden eines Stamms handle, von welchem über 400 Millionen Jahre alte Fossilien bekannt sind. Die Algen sehen aus wie Wasserpflanzen. Schweizer Seen sind besonders wichtige Überwinterungsgewässer für Kolbenenten. Nicht alle fliegen im Frühling wieder Richtung Norden und Osten. Wenige bleiben hier, besonders auch auf dem Neuenburgersee.

Krickenten sind zierlich und rasten manchmal auch auf Flussbänken. (Bild: Shutterstock)

Die Zwerge unter den Wintergästen sind die Krickenten. Vielleicht gerade, weil sie so klein sind, sind sie auch besonders vorsichtig und halten Abstand zu Beobachtern. Sie können im Winter ebenso an Flüssen beobachtet werden, zum Beispiel an der Aare nahe von Bern. Dort ruhen sie manchmal am Morgen früh auf Flussbänken. Zur Brut fliegen sie wieder nach Sibirien.

Zur Balz im Prachtkleid

Im Vergleich mit den anderen Entenarten verhält sich die Knäkente antizyklisch. Erpel fallen durch den weissen Streifen über dem Auge auf. Letzte Exemplare dieser Art ziehen jetzt gerade weg, überwinden die Sahara und verbringen den Winter in den Gewässern der Sahelzone. Östliche Populationen zieht es bis nach Indien, manche erreichen sogar Australien. Wenn sie im nächsten Jahr zurückkehren, kündigen sie den Frühling an. Dann verraten die Erpel, warum sie so heissen. Ihre Balzrufe klingen hölzern, eben wie «Knäk!».

Generell bilden Entenerpel ein prächtiges Gefieder aus, weil sie sich jedes Jahr neu um ein Weibchen bemühen. Das Prachtkleid beweist ihre Fitness und macht sie für Weibchen besonders attraktiv. Jetzt beginnt die Paarfindungsphase. Ab dem neuen Jahr dann werden sie intensiv balzen und sich verpaaren. Ab März fliegen sie oft bereits als Paar ins Brutgebiet zurück.

Reiherenten haben einen Federschopf am Kopf. (Bild: Shutterstock)

Enten benötigen zur Brut Gewässer mit vielen Inseln, Sumpf- und Schilfzonen sowie Überflutungsflächen. Deshalb sind die Weibchen auch alle unauffällig braun befiedert. Im Schilf fallen sie kaum auf. Das Südufer des Neuenburgersees ist weitgehend schilfbestanden. Ansonsten sind die meisten solcher Gebiete aber zerstört worden. Mit den Juragewässerkorrekturen etwa wurde das Seeland trockengelegt, ein früher ideales Gebiet für Wasservögel. Auch deshalb verbringen viele Arten hier nur noch die Winterzeit oder brüten lediglich in geringer Anzahl. Die Tundra des Nordens und Ostens ist hingegen naturbelassen und oft menschenleer.

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