Agglo ist in
Nur eine Minderheit der Bevölkerung sieht sich entweder ganz als Städter oder vollkommen als Landbewohnerin. Lediglich jeweils acht Prozent geben an, in einer sehr ländlichen oder vollkommen urbanen Gemeinde zu leben. Die meisten Schweizerinnen und Schweizer nehmen ihre Wohngemeinde als Mischform von städtisch und ländlich wahr. Das oftmals als langweilig verschriene «Dazwischen» der Agglomerationen und Kleinstädte erweist sich als gar nicht mal so öde schweizerische Normalität.
Ungleiche Ansicht
Viele Personen vom Land sind der Meinung, dass ihre Anliegen zu wenig Gehör finden. An den Städterinnen lassen sie kein gutes Haar. Sie schreiben ihnen negative Eigenschaften wie Konsumfreudigkeit, Oberflächlichkeit und Egoismus zu. Umgekehrt machen sich die Städter ein anderes Bild von der Landbevölkerung; diese wird positiv wahrgenommen als gesellig, traditionell, hilfsbereit und sympathisch.
Zwei Drittel
So gross ist der Anteil der befragten Personen, die den Gegensatz zwischen Stadt und Land als gross und relevant wahrnehmen. Die Schweiz scheint also tatsächlich zerklüftet. Zum bereits bekannten Röstigraben kommt nun noch der Stadt-Land-Graben hinzu.
Geringe Belastungsprobe
Nur knapp ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer findet den Graben zwischen Stadt und Land jedoch so gross, dass er unüberwindbar wäre. Als bedrohliche Belastungsprobe für den Zusammenhalt des Landes wird er nicht wirklich wahrgenommen.
Abweichende Abstimmungsresultate
Sichtbar wird der Stadt-Land-Graben jedoch schon, in zunehmendem Masse seit Beginn der 2020er-Jahre. Jeweils am Abstimmungssonntag. Die Abstimmungsresultate von Grossstadt und Land weichen seit rund zwei Jahren zu mindestens 19 Prozent voneinander ab. Die grösseren Städte wurden öfters als der ländliche Raum überstimmt.
Landleben gewinnt
Eine Wohnung in der pulsierenden Grossstadt zu haben, klingt verlockend. Nicht jedoch für die meisten Befragten. Das Leben in der Grossstadt scheint doch nicht so erstrebenswert. Nur gerade 14 Prozent der Studienteilnehmer können sich vorstellen, dauerhaft dort zu wohnen. Die Sehnsucht nach dem ländlichen Leben hat sich durch die Coronapandemie verstärkt. 62 Prozent der Befragten könnten sich gut vorstellen, auf dem Land ihren Wohnsitz zu haben. Gründe dafür sind die Nähe zur Natur, die Grösse des Wohnraums und der Wunsch nach einem eigenen Garten.
Stadt gibt den Ton an
Es gibt aber dennoch Bereiche, wo die Stadt obenauf schwingt. Sie wird nämlich in einigen wichtigen Gebieten als bestimmend wahrgenommen. Die gesellschaftlichen Trends gehen von den Städten aus, der wirtschaftliche Motor sitzt dort und die Digitalisierung wird von diesem Ort aus vorangetrieben. Dies löst in den ländlichen Gebieten Unbehagen vor allem gegenüber grossen Unternehmen aus. Die Landbevölkerung ist der Meinung, dass ihre Anliegen von diesen Unternehmen kaum beachtet werden. Bei deren Werbekampagnen oder neuen Produkten steht eher das urbane Publikum im Fokus.
Gräben überwinden
Die grosse Mehrheit der Befragten findet es wichtig, dass nun fortwährend daran gearbeitet wird, diesen Graben in den Köpfen der Schweizerinnen und Schweizer zuzuschütten. Es sollte eine Brücke zwischen den beiden Lebenswelten entstehen. Aus Sicht der Bevölkerung sind dazu direkte Kontakt- und Austauschmöglichkeiten notwendig. Mögliche Ansätze für ein verbessertes gegenseitiges Verständnis wären Schulbesuche auf dem Bauernhof, jährliche Stadt-Land-Begegnungstage oder Stadtschulwochen.
Die Studie wurde von Fenaco beim Forschungsinstitut Sotomo in Auftrag gegeben: fenaco.com/stadt-land-monitor

