Seit Jahrtausenden nutzt der Mensch Lehm als Baustoff – sogar die Chinesische Mauer besteht zu grossen Teilen aus Lehm. Auch in Mitteleuropa war der Baustoff lange beliebt, da er gut isoliert und starken Regenfällen standhält. Fachwerkhäuser sind schöne Beispiele für die Verwendung von Lehm und werden heute noch mit dem Baustoff saniert und renoviert. Mit dem Aufkommen der Industrialisierung und der Produktion von Backsteinen und Beton ging Lehm vergessen. Heute ist er aber als umweltfreundliche Alternative zu Beton wieder gefragter, wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) mitteilt.
Zusatzstoffe für mehr Festigkeit
Die Wissenschafterin Ellina Bernard vom «Beton & Asphalt»-Labor der Empa etwa untersuche derzeit, das Potential von Lehm als nachhaltigen Baustoff. Im Vergleich zu Beton, soll er deutlich weniger CO2 freisetzen und ist nahezu unbegrenzt verfügbar und wiederverwertbar, wie die Anstalt weiterschreibt. Zwar könne der Lehm nicht bei allen Bauten Beton ersetzen, aber bei nicht-tragenden Konstruktionen oder auch als tragende Wände von Wohnhäusern wäre er durchaus eine Alternative. Man sei aber noch nicht so weit, das Material verwenden zu können. Der Lehm lasse sich nicht so einfach in den Griff bekommen. Er setze sich überall auf der Welt anders zusammen und verunmögliche so eine standardisierte Herstellung. Andererseits werde derzeit noch Zement beigemischt, um den Lehm stabiler zu machen.
Bernard forsche nun an einem alternativen Zusatzstoff, der den Lehm stabiler macht und habe mit diversen vielversprechenden Rezepturen bereits hohe Druckfestigkeit erreicht. Der Schweizer Nationalfonds fördert ihr Engagement mit einem «Ambizione»-Grant. Dieser Grant wird an herausragende junge Forscher mit einem eigenständigen Projekt vergeben, die ihr Doktorat bereits abgeschlossen haben.

