Ein monströser Pfeil, der auf eine Tonne deutet, ein zweigeteilter Abfallbehälter, der zu einer Abstimmung zwischen Burger und Pizza auffordert, oder lustig dekorierte Mülltonnen: Wer im vergangenen Sommer in Picknick- und Freizeitzonen gewisser Deutsch- und Westschweizer Städte und Gemeinden unterwegs war, könnte solche Objekte gesehen haben. Allerdings waren die Installationen nicht nur Dekoration, sondern dienten einem ganz bestimmten Zweck: Littering zu reduzieren.
Es ist eine von mehreren Methoden, welche das Schweizer Kompetenzzentrum gegen Littering (IGSU) gemeinsam mit der Hochschule für Angewandte Psychologie (FHNW) im Rahmen der mehrjährigen grossen Schweizer Littering-Studie eingerichtet hat. Dabei soll die Frage beantwortet werden, welche Massnahmen am besten gegen Littering wirken.
«Picknick- und Freizeit»-Zonen waren das erste von insgesamt drei Settings, welche die Studie unter die Lupe nahm. Zu diesem Zweck wurden die Objekte während zehn Wochen auf 26 öffentlichen Plätzen in Bern, Chavannes-près-Renens, Genf, Luzern, Olten, Regensdorf, Romanshorn, Yverdon-les-Bains und Zürich angebracht. Laut IGSU wecken die Ergebnisse dieses ersten Feldexperiments Hoffnung: Die eingesetzten Massnahmen reduzierten das Littering in den entsprechenden Picknick- und Freizeitzonen um rund ein Drittel. Dieser positive Effekt habe sogar noch zwei Wochen nach dem Abbau angehalten.
Massnahmen-Kombi am effektivsten
Die in der Studie eingesetzten Methoden werden in Sensibilisierungs- und situationsspezifische Massnahmen unterschieden. Letztere erzielten in den ersten Feldexperimenten den grösseren Erfolg. «Besonders effektiv waren auffällige Pfeile neben Abfallkübeln oder solche mit witzigen Sprüchen, Recyclingstationen mit der Möglichkeit, PET, Alu oder Restmüll zu trennen, sowie Abfallkübel mit Gamification-Elementen», teilt IGSU mit.
Diese Massnahmen hätten zu einer Littering-Reduktion von 31 bis 38 Prozent geführt. Auch Sensibilisierungsmassnahmen wirkten, allerdings etwas weniger stark, so das Kompetenzzentrum: Persönliche Gespräche und Plakate hätten das Littering um 26 bis 32 Prozent gesenkt.
Eine Kombination aus beiden Massnahmetypen zeigte sich in der Studie als besonders erfolgsversprechend: Der gleichzeitige Einsatz von persönlichen Sensibilisierungsgesprächen und Abfallkübeln mit witzigen Sprüchen führte zu einer Littering-Reduktion von 49 Prozent. Das lasse darauf schliessen, dass sich die Wirkung beim Einsatz beider Massnahmen verstärkt.
Zuversichtliche Gemeinden
Man setze seit vielen Jahren gemeinsam mit Städten, Gemeinden und Schulen sowohl auf situationsspezifische als auch auf sensibilisierende Massnahmen, betont IGSU-Geschäftsleiterin Nora Steimer. «Nun wissen wir, dass beide Massnahmetypen zu einer deutlichen Reduktion von Littering führen. Auf dieser Grundlage können wir in Zukunft unsere Massnahmen in Picknick- und Freizeitzonen optimal planen, damit wir dem Littering effektiv und effizient entgegenwirken können.»
Die teilnehmenden Gemeinden und Städte zeigen sich über die Resultate dieser ersten Feldexperimente zufrieden. So betont etwa Clivia Lugt, Projektleiterin bei der Stadt Yverdon-les-Bains (VD): «Diese Feldstudie hat uns gezeigt, dass sichtbare und originelle Massnahmen die Nutzung von Abfallkübeln fördern können. Sie hat zudem deutlich gemacht, wie wichtig eine klare Kommunikation über die Funktionsweise der getroffenen Massnahmen ist, insbesondere wenn diese von den üblichen Entsorgungsgewohnheiten abweichen.»
Auch Ursula Bernhardt, Stadträtin in Romanshorn (TG), berichtet von überwiegend positiven Rückmeldungen. «Gleichzeitig gab es auch kritische Stimmen, die einzelne Elemente als übertrieben oder optisch unschön empfanden. Das zeigt: Die Interventionen sind aufgefallen und haben Diskussionen ausgelöst. Wir sind zuversichtlich, dass die Studie einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und der Umwelt fördert und so langfristig zu weniger Littering führt.»
Laut den alljährlichen IGSU-Umfragen hat sich die Littering-Situation in der Schweiz seit 2015 stetig entspannt. Verglichen mit 2024 stören sich in der letzten Umfrage allerdings wieder mehr Personen ab der Situation in ihrem Befragungsort sowie in der gesamten Schweiz. Im Rahmen der grossen Schweizer Littering-Studie werden weitere Feldexperimente durchgeführt: dieses Jahr in Verpflegungszonen rund um Take-aways, 2027 entlang von Überlandstrassen.

