Kaum sinken im Herbst die Temperaturen, scheinen sie überall zu sein: Wanzen sitzen auf sonnenwarmen Hausfassaden, krabbeln über Fensterrahmen und zwängen sich durch kleinste Spalten ins Gebäude. Besonders häufig begegnet man dabei der Grauen Gartenwanze. Sie ist in der Schweiz heimisch und sucht vor dem Winter einen trockenen, frostgeschützten Unterschlupf.
Mit einer Körperlänge von rund 14 bis 16 Millimetern gehört die Graue Gartenwanze zu den grösseren heimischen Wanzenarten. Ihr graubraun gemusterter Körper tarnt sie hervorragend auf Baumrinde. Auffällig sind der abwechselnd hell und dunkel gezeichnete Hinterleibsrand sowie die geringelten Fühler. Gerade diese Merkmale helfen dabei, sie von der ähnlich aussehenden Marmorierten Baumwanze zu unterscheiden.
Letztere stammt ursprünglich aus Ostasien und hat sich in der Schweiz stark ausgebreitet. Anders als die einheimische Graue Gartenwanze kann sie in Obst- und Gemüsekulturen erhebliche Schäden verursachen. Eine genaue Bestimmung lohnt sich deshalb.
Warum kommen Wanzen ins Haus?
Wanzen dringen nicht in Gebäude ein, weil sie dort Nahrung suchen. Sie brauchen lediglich ein geeignetes Winterquartier. In Mauerritzen, Rollladenkästen, Estrichen oder hinter Fensterrahmen sind sie vor Frost, Nässe und Fressfeinden geschützt.
Im Winter fallen die Tiere in eine Ruhephase. Wird es im Haus warm, können sie jedoch wieder aktiv werden und durchs Zimmer krabbeln. Fortpflanzen wollen sie sich dort nicht. Auch Lebensmittel, Textilien und Holz lassen sie in Ruhe.
Für Menschen und Haustiere sind die meisten dieser Wintergäste ungefährlich. Sie stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Auf grobes Anfassen reagieren viele Arten allerdings mit einem stark riechenden Abwehrsekret. Daher stammt auch der umgangssprachliche Name Stinkwanze. Werden die Tiere zerdrückt, können zudem Flecken auf Wänden, Vorhängen oder Möbeln zurückbleiben.
Diese Wanzen trifft man bei uns
Neben der Grauen Gartenwanze kann sich auch die einheimische Grüne Stinkwanze im Herbst an Gebäuden zeigen. Im Sommer ist sie kräftig grün gefärbt, vor dem Winter wird ihr Körper häufig bräunlich. Dadurch ist sie in trockenem Laub besser getarnt.
Die Beerenwanze ist an ihrer rotbraunen Färbung und den auffälligen schwarz-weiss geringelten Fühlern zu erkennen. Sie saugt an verschiedenen Pflanzen und kann Beeren einen unangenehmen Geschmack verleihen. Zu einer ernsthaften Gefahr für den Garten wird sie gewöhnlich nicht.
Besonders auffällig sind Feuerwanzen. Die rot-schwarzen Tiere versammeln sich oft zu Dutzenden oder sogar Hunderten am Fuss von Linden, Robinien und Malvengewächsen. Ins Haus zieht es sie normalerweise nicht. Sie überwintern bevorzugt geschützt unter Laub, Rinde oder Steinen. Trotz ihres massenhaften Auftretens richten Feuerwanzen an gesunden Pflanzen kaum Schaden an.
Nicht jede Wanze ist ein Schädling
Weltweit sind Zehntausende Wanzenarten bekannt. In der Schweiz leben mehrere Hundert. Manche saugen Pflanzensaft, andere ernähren sich räuberisch von Blattläusen, Milben oder kleinen Raupen und können damit sogar bei der natürlichen Schädlingskontrolle helfen.
Wer im Herbst eine Wanze an der Wand entdeckt, muss deshalb nicht gleich um seine Pflanzen fürchten. Meist handelt es sich lediglich um ein harmloses Insekt auf der Suche nach einem Winterquartier. Draussen darf es dieses gerne finden – im Wohnzimmer muss es trotzdem nicht bleiben.
Heimisch oder eingewandert?
- Graue Gartenwanze: einheimisch, graubraun, Flügelenden dunkel gepunktet
- Grüne Stinkwanze: einheimisch, im Sommer grün, im Herbst oft bräunlich
- Beerenwanze: einheimisch, rotbraun, auffällig geringelte Fühler
- Feuerwanze: einheimisch, rot-schwarz, häufig in grossen Gruppen am Boden
- Marmorierte Baumwanze: aus Ostasien eingeschleppt, kann Obst und Gemüse schädigen
Bei der Grauen Gartenwanze sind die durchsichtigen Flügelenden gepunktet, bei der ähnlich aussehenden Marmorierten Baumwanze dagegen dunkel gestreift. Weitere Unterschiede zeigen sich unter anderem an Fühlern und Schildchen. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

