Zehn Kilometer nordwestlich der Stadt Bern befindet sich Meikirch. Die Gemeinde besteht aus mehreren Weilern, ist Heimat von rund 2600 Einwohnerinnen und Einwohnern und vereint viele Attribute, die das Landleben reizvoll machen: eine traumhafte Fernsicht in Richtung Alpen, schöne Landschaften und vor allem Ruhe. Und dennoch ist alles da, was man zum Leben braucht. Im Dorf befinden sich Einkaufsmöglichkeiten, eine Postautostation, Gastronomieangebote und viele wunderbare Bauernhäuser.
In einem davon, mitten im Dorf, leben Anne Meier und Andreas Stämpfli mit ihren Kindern und einer ganzen Horde verschiedener Vierbeiner – darunter Alpakas, Lamas, Kaninchen, Hühner, Schafe, Katzen, Kühe und Kunekune-Schweine. Nicht zu vergessen ist die Berner Sennenhündin Tilda, die alle Besucherinnen und Besucher so freundlich begrüsst, als gehörten sie seit Jahren zum Hof.

Zu begrüssen hat Tilda verschiedenste Menschen – schliesslich betreibt ihre Familie auf ihrem Anwesen, zu dem drei Häuser gehören, seit sechs Jahren ein Bed and Breakfast.
Seit letztem Jahr befindet sich das B&B im ehemaligen Kuhstall. Das liebevoll eingerichtete Gästehaus besteht aus zwei Doppelzimmern, zwei Familienzimmern, zwei grossen Wohnküchen sowie einem Wohnzimmer mit Billardtisch und Dartscheibe.
Gäste haben die Möglichkeit, einzelne Zimmer oder auch das ganze Haus zu buchen, das den Namen «Uelis Stöckli» trägt. «Ueli war Andreas’ Onkel, der früher hier gewohnt hat», erklärt Anne Meier. «Als er starb, hatte ich die Idee, hier ein B&B zu eröffnen.»

Zum Angebot von Uelis Stöckli gehören nicht nur schöne Zimmer. Vor der Eingangstür wartet ein überdachter Sitzplatz mit Blick ins Grüne. Gleich daneben befindet sich das Gehege der Kunekune-Schweine, die mit ihrer neugierigen Art alle Blicke auf sich ziehen.
Wellnessangebote in Form einer Sauna und eines Hotpots stehen den B&B-Gästen gegen einen Aufpreis zur Verfügung – ebenso wie die Möglichkeit, einen Alpaka- oder Lama-Spaziergang zu buchen.
Ein Angebot, das trotz eines weiteren Alpakahofs auf Gemeindeboden rege genutzt wird, wie Anne Meier verrät: «Am Anfang hatten wir Zweifel, ob genügend Menschen kommen würden. Doch unsere Lamas und Alpakas ziehen die Menschen an und sind sicher mit ein Grund, weshalb die Leute unser B&B besuchen.»
Tiere ziehen Gäste an
Ihr Bed and Breakfast habe schon eine ganze Reihe nationaler und internationaler Gäste nach Meikirch gelockt, berichten Anne Meier und Andreas Stämpfli. «Früher, als das Gästehaus noch nicht in Uelis Stöckli, sondern im Haus vis-à-vis war, hatten wir sogar einmal Gäste aus dem Oman», erzählt Meier.
Auch Touristinnen und Touristen aus Afrika und Asien fanden schon den Weg nach Uelis Stöckli. «So lernt man immer wieder andere Kulturen kennen.» Die Unterkunft ist auf verschiedenen Plattformen ausgeschrieben, darunter MyFarm, Booking.com und B&B Schweiz.
Tendenziell seien es eher Leute aus städtischen Gebieten, die sie besuchen, ergänzt Andreas Stämpfli. «Oder jedenfalls Menschen ohne bäuerlichen Hintergrund.»
Das B&B sei mehr Annes Ding, verrät der Bauer, der in Meikirch aufgewachsen ist und Naturabeef aus eigener Mutterkuhhaltung produziert. «Das Ganze war ihre Idee. Ich fragte mich zuerst, wer denn hier seine Ferien verbringen will.»

Die Schönheit des Ortes sehe man wahrscheinlich eher, wenn man nicht hier aufgewachsen sei, entgegnet Anne, die ursprünglich aus der Ostschweiz stammt und früher in der Pflege tätig war. «Ich war mir fast sicher, dass Uelis Stöckli laufen würde. Würde ich nicht hier leben, würde ich hier selbst Ferien machen.»
Ob nationale oder internationale Gäste: Während der Hauptsaison von März bis Oktober verbringen vor allem Familien ihre freien Tage in Uelis Stöckli. Was insbesondere an den vielen vierbeinigen Bewohnern des Hofs liegen dürfte: «Kinder lieben unsere Tiere, und unsere Tiere lieben Kinder», meint Anne lachend. Oft würden die Kinder die Schweine, Hühner oder Kaninchen beobachten – was den Eltern erholsame Momente beschere. «Durch unsere Tiere sind die Kinder beschäftigt!»
Auch abseits der Hauptsaison bleibt Uelis Stöckli nicht leer. «Zwischen November und Februar sind viele Stammgäste bei uns, die wöchentlich für eine Übernachtung kommen. Die meisten wohnen weit weg, arbeiten aber in der Region», erklärt Meier. Viele von ihnen würden die kostenlose Parkmöglichkeit schätzen – zwei Wörter, die in dieser Kombination in der Stadt Bern kaum anzutreffen sind.
Ideal für Familien
Hinter Uelis Stöckli steckt viel Leidenschaft, aber auch viel Arbeit. Der Aufwand sei nicht zu unterschätzen, erzählt Anne Meier. «Letzten Sommer war es sehr anstrengend.» Regelmässige Unterstützung findet sie durch Charlotte, eine Freundin der Familie, die Uelis Stöckli und dessen Gäste betreut, wenn die Gastgeberfamilie selbst in die Ferien fährt und Yara, die älteste Tochter von Anne. Auch Melanie, eine Freundin aus Meikirch, helfe gelegentlich mit.
Allem Aufwand zum Trotz lohnt sich der Betrieb des B&B auch aus wirtschaftlicher Sicht, sagt Andreas Stämpfli: «Landwirtschaftlich wären diese drei Häuser auf der denkmalgeschützten Fläche mitten im Dorf gar nicht mehr nutzbar gewesen. So ist Uelis Stöckli zu einem interessanten Standbein geworden.»
Uelis Stöckli aus Meikirch ist nur eines von 200 Mitgliedern von Agrotourismus Schweiz. Der Verein mit Sitz in Bern betreibt die Buchungsplattform MyFarm.ch. Diese weist schweizweit Eventlokale, Gastro-Angebote, Stellplätze für Camper, Hofläden und eben auch Übernachtungsmöglichkeiten der teilnehmenden Betriebe aus.
Gerade bei Letzteren sei das Angebot sehr breit, verrät Geschäftsführer Philipp Steiner. «Sie können Ferienwohnungen oder -zimmer buchen, sie können aber auch im Baumhaus, in einem Tipi oder Zirkuswagen schlafen!»
Auch altbekannte Übernachtungsmöglichkeiten wie Schlafen im Stroh sind mehrfach zu finden. «Das ist weiterhin recht beliebt, besonders mit Kindern und im Sommer», schildert Steiner.

Weniger bekannt als Schlafen im Stroh sei hingegen die Tatsache, dass viele Höfe – darunter Uelis Stöckli – zahlreiche Wellnessmöglichkeiten anbieten. «Das möchten wir künftig noch stärker kommunizieren!» Daher möchte der Verein vermehrt auch die Nebensaison bewerben, um auf die winterlichen Angebote der Agrotourismus-Höfe hinzuweisen.
Die Zielgruppe der Angebote sind insbesondere Familien. «Auf dem Land hat man viel Platz, man bewegt sich viel und es gibt viele Aktivitäten, was – gerade mit Kindern, aber auch bei Erwachsenen – für tolle Ferien sorgt», erklärt Steiner.
Es sei das Gesamterlebnis, was den Reiz von Ferien auf dem Land ausmache. «Es ist authentisch. Man ist nicht anonym unterwegs wie in einem Hotel, sondern bei den Leuten zuhause. Dabei konsumiert man oft tolle, lokale Produkte und lernt immer mal wieder Neues kennen!»

