Beschleunigende Motorräder heulen auf, hochtourige Automotoren kämpfen sich die Passstrasse hoch. Das Dreiklanghorn unseres Postautos klingt da schon viel erfrischender und vermittelt trotz der Verkehrshektik die ersehnte Freizeitstimmung. Aussteigen bei der Haltestelle «Furkapass, Furkablick» bei Galenbödmen, nicht zu verwechseln mit «Furka Passhöhe». Wer die falsche Haltestelle erwischt: Kein Problem, in zehn Minuten zu Fuss hat man die richtige auch erreicht.
Von der Strasse in die Urlandschaft
Trotz des Verkehrs könnte man meinen, der Furkapass sei aus der touristischen Zeit gefallen. Das Hotel Belvédère auf Walliser Seite ist geschlossen, nebenan gibt’s wenigstens eine kleine Buvette, auf der Passhöhe ist gastronomisch gar nichts los. Und beim Hotel Furkablick scheint der alte Hotelbau dem Schimmel und Zerfall überlassen. Immerhin ist dort eine umfassende Sanierung geplant. Dennoch: Einen Startkaffee muss man sich bis auf weiteres noch in den Talorten gönnen.
Schon kurz nach den ersten Schritten wird man von der Gneis- und Granitwelt des Aarmassivs eingenommen und vergisst, dass diese Urlandschaften nur einen Katzensprung von der Passstrasse entfernt liegen. Kein Wegweiser zeigt zum Gipfel, doch Wegspuren, Steinmännchen und einige verblasste Farbmarkierungen helfen bei der Orientierung. Von Galenbödmen bis zu einer Gratlücke auf der Kantonsgrenze Bern–Wallis ist die Wegspur sehr gut. Danach verliert sie sich hin und wieder im Geröll. Sie bewegt sich aber immer in der Nähe des Grates, sodass es bei guter Sicht nicht schwierig ist, die Richtung zu halten. Entsprechend schön sind auch die Weitblicke auf beide Seiten: auf Urner Seite etwa zum Pizzo Lucendro und in die Gotthardregion, auf Walliser Seite ins Goms, durch das Rhonetal hinab und zum Weisshorn am Horizont.
Mehr Notrufe, weniger Tote
Die aktuelle Bergnotfallstatistik 2025 des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) zeigt eine überraschende Entwicklung: Während die Zahl der Rettungseinsätze erneut gestiegen ist, kamen beim klassischen Bergsport so wenige Menschen ums Leben wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr mussten in den Schweizer Bergen knapp 4000 Personen gerettet oder evakuiert werden. Das sind rund elf Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2024. Die Zahl der Todesopfer sank dagegen auf 98 – so tief lag sie zuletzt 2015. Besonders auffällig ist der Anstieg der unverletzten Geretteten. Rund 1500 Personen wurden aus einer Notlage geborgen, obwohl sie keine Verletzungen erlitten hatten. Die meisten hatten sich verirrt, waren erschöpft oder kamen in schwierigem Gelände nicht mehr weiter und konnten deshalb ihre Tour nicht selbstständig beenden. Am häufigsten passierte dies beim Bergwandern und auf Hochtouren. Fast jeder zweite Bergnotfall ereignete sich beim Wandern oder Bergwandern. Dabei bleiben Stürze und Abstürze die häufigste Ursache für Rettungseinsätze. Weshalb jedoch immer mehr Menschen unverletzt gerettet werden müssen, lässt sich laut SAC nicht eindeutig beantworten. Eine mögliche Erklärung ist, dass dank Smartphones und der heute nahezu flächendeckenden Mobilfunkabdeckung früher Hilfe angefordert wird, bevor es überhaupt zu schweren Unfällen kommen kann. Der SAC hält es zudem für möglich, dass manche Berggängerinnen und Berggänger ihre Touren unterschätzen, ungenügend planen oder mit zu wenig alpiner Erfahrung unterwegs sind. Wer an seine Grenzen gerät, alarmiert die Rettung deshalb häufiger schon dann, wenn kein Weiterkommen mehr möglich ist. (Dominic Hoyos)
Hindernisse für die Erinnerung
Auf dem steinigen Weg müssen wir die Aussicht immer wieder im Stillstehen geniessen und beim Wandern auf das Geröll am Boden achten. Blöcke, Platten, grober und feiner Schotter, alles zuweilen auch etwas instabil: Das ist kein Weg, auf dem man gedankenverloren dahinschlendern kann. Manchmal wackelt ein Block, Geröll rutscht unter den Füssen weg, der Schuh bleibt irgendwo hängen. Gefährlich ist es nirgends. Aber der Weg behält uns im Hier und Jetzt, er zwingt uns zum genauen Beobachten der Route, zum Anhalten, wenn wir in die Ferne schauen. Doch wer möchte schon einen glatt planierten Weg auf einen solchen Gipfel? Vielleicht würden wir nur so dahinwandern, mit den Gedanken in einer anderen Welt, und am Schluss könnten wir kaum erzählen, wie es auf unserer Tour ausgesehen hat. Damit wir den Weg und die Landschaft genau wahrnehmen, ist es manchmal nötig, dass wir ein paar Hindernisse überwinden müssen. Ein Weg, auf dem man nie stolpert, bleibt nicht in Erinnerung.

Der 3026 Meter hohe Gipfel mit dem Kreuz ist schon von Weitem zu sehen. Aber wirklich erst von ganz oben ist auch ein Blick auf die hintere Seite möglich. Die gegenüberliegende Kette der spitzen Gelmerhörner findet ihren Abschluss im breiten Tieralplistock. Auf unserer Seite setzt sich der zackige Grat über das Gross Furkahorn und das Sidelhorn fort und wird gekrönt vom Galenstock mit seiner Gletscherhaube. Dazwischen liegt das silberne Band des Rhonegletschers. Während der Eiszeiten wuchs er mit seinen Nebenarmen zum grössten Eisstrom der Alpen an. Fast bis auf Gipfelhöhe füllte er das Rhonetal aus. Während der Kleinen Eiszeit im 19. Jahrhundert stiess er noch einmal bis in die Talsenke bei Gletsch vor. Nun zieht er sich stetig zurück. Der See an der Gletscherzunge wird jedes Jahr grösser, die Klimaerwärmung frisst das Eis je länger, desto schneller auf.
Variante zum Rhonegletscher
Wem die wackeligen Partien im Gipfelbereich nicht zu viel waren, der kann im Abstieg eine Variante wählen. Von der erwähnten Gratlücke folgt man weiterhin dem Grat, der teils mit Wegspur, teils weglos zum Furkastock abfällt, wo ein paar militärische Anlagen stehen. Dort wendet man sich zur Walliser Seite, wo es zunächst nach einem steilen Abhang aussieht. Doch sofort ist eine gute Wegspur zu finden, die an den Weidehängen entlangführt und bald auf den markierten Bergwanderweg trifft, der zur Haltestelle Belvédère leitet. Auf diesem Weg sind der Rhonegletscher und der Gletschersee von oben aus der Nähe zu sehen. Jetzt entdeckt man auch die riesigen Planen, die den Bereich des Gletschers abdecken, unter dem die künstlich angelegt Eisgrotte liegt. Geradezu unheimlich mutet es an, wenn man den riesigen Bach sieht und hört, der während des halben Jahres Tag und Nacht aus dem Gletschersee über die Felsen zu Tale strömt.
Kompakt
Ausgangs- und Endpunkt: Von den Bahnhöfen Andermatt oder Oberwald mit dem Postauto bis Haltestelle «Furkapass, Furkablick». Je nach Kurs bis «Furka Passhöhe» und auf der Strasse in zehn Minuten zu Fuss zum Hotel Furkablick. Wanderzeit und Schwierigkeit Die Wanderzeit beträgt 3 Std. 15 Min. T3+, verblasste weiss-blau-weisse Markierungen. Im unteren Teil gute Wegspur, oben undeutliche Spuren. Lockeres Geröll, welches vorsichtiges Gehen verlangt. Route Von der Haltestelle Furkablick auf dem Bergwanderweg in Richtung Sidelenhütte, aber noch neben den Truppenunterkünften auf eine deutliche, aber nicht markierte Wegspur nach links abbiegen. Sie steigt die Hänge etwa westnordwestwärts an. Bald vereinigt sie sich mit einer anderen Wegspur und steigt weiter in Richtung Furkastock. Nach circa 120 Metern wieder rechts abbiegen. Diese Verzweigung ist nicht sehr deutlich. Oberhalb der Verzweigung ragt ein rötlicher Felsblock aus dem Gelände, der zur Orientierung dienen kann. In mehreren Kehren auf die Gratlücke zwischen P. 2800 und P. 2815. Links um P. 2815 herum in einen Sattel und auf immer schwächerer Wegspur durch mehr Geröll und Blockfelder etwa der Kantonsgrenze folgen bis auf den Gipfel. Variante Von der Gratlücke zwischen P. 2800 und P. 2815 weiter über den Grat absteigen bis zum Furkastock (wenige Wegspuren). Nach Westen weiter, wo bald eine deutliche Wegspur die Hänge abwärts traversiert zum markierten Bergwanderweg und zur Haltestelle «Belvédère Furka». Klein Furkahorn–Belvédère 1 Std. 40 Min. Karten Swisstopo-Wanderkarte 1:50000, 255T Sustenpass Oder Swisstopo-Landeskarte 1:25000, 1231 Urseren Einkehren und Übernachten Buvette neben dem ehemaligen Hotel Belvédère, im Eingangsgebäude zur Eisgrotte Rhonegletscher. Hotel Tiefenbach, Urner Seite des Furkapasses mit gleichnamiger Haltestelle. Weitere Informationen: andermatt.ch und goms.ch

