Ruchlose Jägerin
Gottesanbeterinnen erobern die Schweiz
Kaum ein anderes Insekt vereint Eleganz und Bedrohlichkeit so eindrücklich wie die Gottesanbeterin. Hinter ihren vermeintlich zum Gebet gefalteten Vorderbeinen verbergen sich Jagdwaffen, die mit blitzschneller Effizienz zuschlagen. Der Siegeszug der Fangschrecken hat aber andere Gründe.
Viele kennen Gottesanbeterinnen nur aus Terrarien oder Dokumentarfilmen. Dabei haben sie längst weite Teile der Schweizer Natur erobert. Besonders verbreitet sind sie in den warmen Regionen rund um den Genfersee, im Rhonetal, im Tessin und im Grossraum Basel. Am wahrscheinlichsten trifft man die grazilen Jägerinnen im Spätsommer an, wenn sie ausgewachsen sind. Wer sie entdecken will, muss dennoch viel Geduld mitbringen.
Denn zwischen Zweigen und Blättern, wo sie gerne ihrer Beute auflauern, sind die Insekten perfekt getarnt. Ihnen selbst entgeht dank zwei grossen Facettenaugen und drei weiteren kleinen Äuglein gar nichts. Ob Grillen, Falter, Wespen oder Heuschrecken: Was der Gottesanbeterin zu nahe kommt, landet in den dornenbesetzten Fangarmen, die sofort zuschnappen. Dieser sogenannte Fangschlag dauert keine sieben Hundertstelsekunden und ist sechsmal schneller als der Lidschlag eines menschlichen Auges. Fest eingeklemmt in den Fangarmen erwartet die Opfer ein grausames Ende: Sie…
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