Vogelzug
Aufbruch in den Süden
Wenn die Tage kürzer werden, kommt Bewegung in die Vogelwelt. Millionen Zugvögel verlassen ihre Brutgebiete und überqueren auf dem Weg in den Süden auch die Schweiz. Wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort steht, kann jetzt spannende Zugbewegungen beobachten.
Der Herbst macht sich derzeit bemerkbar, am Himmel herrscht reger Betrieb: Rauch- und Mehlschwalben, Mauersegler, verschiedene Drosseln, Finken undweitere Arten brechen zu ihren Winterquartieren auf. Manche ziehen tagsüber gut sichtbar über die Landschaft, andere legen einen grossen Teil ihrer Strecke nachts zurück. Gerade dieser Nachtzug bleibt für uns meist unsichtbar: Die Vögel orientieren sich unter anderem an den Sternen und ziehen oft in grosser Höhe über die Schweiz hinweg. Die Schweizerische Vogelwarte erforscht den Vogelzug deshalb mit verschiedenen Methoden – unter anderem mit Radar.
Den Zug live verfolgen
Wie intensiv der Vogelzug gerade ist, lässt sich auf dem Vogelzug-Radar der Schweizerischen Vogelwarte verfolgen. Der Radar steht beim Besuchszentrum in Sempach und registriert Flugbewegungen ab einer Höhe von etwa 50 Metern. Auf der Seite von ornitho.ch sind die aktuellen Messungen der vergangenen Stunden sowie die Zugintensität von Tag und Nacht abrufbar. Auch die Flugrichtungen lassen sich nach Monaten anzeigen. Wer selbst auf Beobachtungstour geht, kann seine Sichtungen auf www.ornitho.ch melden. Die Plattform sammelt Beobachtungsdaten aus der ganzen Schweiz und macht sie für verschiedene Auswertungen zugänglich. So entsteht über die Jahre ein immer genaueres Bild davon, wann und wo welche Arten unterwegs sind.
Besonders interessant sind im Herbst Orte, an denen sich die Flugrouten bündeln. Dazu gehören verschiedene Alpenpässe und Bergkämme. Ein traditionsreicher Beobachtungsort ist der Col de Bretolet im Wallis. Dort untersucht die Vogelwarte den Herbstzug bereits seit Jahrzehnten. Die spezielle Lage führt dazu, dass sich dort ziehende Vögel konzentrieren; insbesondere bei passenden Wetterbedingungen kann der Zug eindrücklich sein. Auch wer nicht in die Berge fährt, kann Glück haben. Feuchtgebiete, Seen, Flussufer und offene Landwirtschaftsflächen sind wichtige Rastplätze. Im Herbst können sich dort Schwalben, Pieper, Drosseln oder Finken sammeln. Besonders eindrücklich sind grosse Starenschwärme, die sich vor dem Weiterzug zu Hunderten oder gar Tausenden zusammenschliessen.
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