Mitten auf der Kantonsgrenze zwischen Bern und Solothurn befindet sich ein besonderer und geschichtsträchtiger Erholungsort: der Inkwilersee. Auf einem Rundwanderweg lassen sich mit etwas Glück viele Tierarten beobachten. Text:
Nur zehn Hektaren gross, höchstens sechs Meter tief, aber rund 13000 Jahre alt: Nicht nur der Inkwilersee selbst, sondern auch seine Geschichte ist bemerkenswert. Entstanden ist das kleine Gewässer am Ende der letzten Eiszeit: Als sich der Rhonegletscher zurückzog, blieb in einer Mulde ein grosser Eisblock zurück. Dieser wurde von Sedimenten überdeckt und schmolz später ab. In der hervorgegangenen Vertiefung sammelte sich Wasser, wodurch sich der Inkwilersee bildete. Rund um das Seeufer entstanden bereits während der Pfahlbauerzeit zahlreiche Siedlungen. Zeugnis davon sind allerhand Gegenstände, die man während Ausgrabungen gefunden hat. Auch unter Wasser wurden die Pfahlbauten 2007 durch Taucher untersucht. Diese fanden verschiedene Werkzeuge und Speerspitzen.
Was den See zu einem besonderen Juwel macht, sind seine zwei Inseln. Auf beiden wurden die Überreste bronzezeitlicher Pfahlbauten entdeckt – was auch der Grund ist, weshalb das «Inseli» – die grössere der beiden – und die Fundstellen am Seegrund seit 2011 zum Unesco-Welterbe «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» gehören.
Paradies für Vogel-Fans
Doch der Inkwilersee droht zu verlanden: Abgestorbene Wasserpflanzen und Algen sammeln sich am Seegrund, so dass sich die Wassertiefe immer mehr verringert. Ohne Gegenmassnahmen wie dem Mähen von Teichrosen und Schlammabsaugungen würde der flache See innert 150 Jahren verschwinden.
Noch sticht er aber durch seine einzigartige Form und seine Fauna und Flora hervor. Insbesondere Vogelbeobachterinnen und -beobachter kommen hier auf ihre Kosten: Nebst üblichen Brutvogelarten wie Haubentaucher, Höckerschwan oder Stockente sind laut dem lokalen Natur- und Vogelschutzverein Etziken (NVVE) auf dem Durchzug und im Winter immer wieder rare Zugvögel zu sehen. So sei die Rohrdommel – die als Brutvogel in der Schweiz als ausgestorben gilt – ein treuer Wintergast am Inkwilersee. Doch auch Nachtreiher, Rallenreiher, Seidenreiher, Silberreiher, Kuhreiher, Purpurreiher, Knäkenten und viele weitere Arten werden regelmässig gesichtet.
Erst seit vier Jahren steht der Inkwilersee vollständig unter Naturschutz: Während die Solothurner Seite des Sees diesen Status bereits seit 1949 geniesst, zog der Kanton Bern 2022 nach und beendete damit kuriose Rechtsverhältnisse. Egal von welchem Kanton aus man startet: Über einen 1,5 Kilometer langen Weg lässt sich der See umrunden. Dabei kommen immer wieder neue Blicke auf den See und seine tierischen Bewohner zum Vorschein. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
Wegweiser
Der Inkwilersee ist am einfachsten zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar. Mit dem öffentlichen Verkehr (Stationen Inkwil, Dorf, oder Bolken, Dorf) und einigen Metern Fussmarsch erreicht man den See problemlos. Mit dem Auto kann man bis in die umliegenden Dörfer fahren; direkt am See gibt es jedoch nur begrenzte Parkmöglichkeiten.

