Mauergeckos breiten sich in der Schweiz aus – was bei einem Fund zu tun ist

Nebst Zaun- und Mauereidechsen macht sich seit kurzem ein exotisches Reptil in der Schweiz auf Insektenjagd: Mauergeckos, typische Bewohner südlicher Länder, fühlen sich offenbar auch bei uns zunehmend wohl. Reptilienexperte Andreas Meyer von info fauna – karch weiss, woher der Einwanderer kommt und wie wir mit dem Neuling umgehen sollten.

Herr Meyer, in letzter Zeit hört man immer wieder, dass Mauergeckos (Tarentola mauritanica) auch in der Schweiz gesichtet werden. Stimmt das?

Tatsächlich breitet sich der Mauergecko, der ursprünglich im westlichen Mittelmeerraum beheimatet ist, zunehmend nach Norden aus. Im Tessin gibt es bereits etablierte Populationen, die sich erfolgreich fortpflanzen. Doch auch aus anderen Teilen der Schweiz erreichen uns Meldungen – etwa aus dem Genferseegebiet, dem Unterwallis und aus Basel.

Wie kommen die Geckos dorthin?

Woher ein einzelnes Tier genau stammt, lässt sich meist nicht feststellen. Viele dürften jedoch aus dem natürlichen Verbreitungsgebiet in Spanien, Frankreich oder Italien zu uns gelangen. Vermutlich reisen sie vor allem als blinde Passagiere mit mediterranen Pflanzen – insbesondere Olivenbäumen – in die Schweiz und gelangen über Gartencenter in unsere Gärten. Hat sich der Mauergecko an einem Ort erst einmal etabliert, breitet er sich auch aus eigener Kraft weiter aus. Im Tessin dürfte dies längst der Fall sein.

Können die Geckos bei uns überwintern, oder sterben sie?

Mauergeckos können bei uns problemlos überwintern. Viele leben an oder sogar in Gebäuden, wo sie frostfreie Winterquartiere finden. Zudem sind Mauergeckos Klimaprofiteure, denen höhere Temperaturen und milde Winter zugutekommen.

Sind Mauergeckos als Neozoen eine Bedrohung für die einheimische Tierwelt?

Aktuell gehen wir davon aus, dass der Mauergecko kaum negative Auswirkungen auf einheimische Reptilienarten haben wird. Er besetzt hauptsächlich eine ökologische Nische – vor allem an Gebäuden –, die bisher kaum von anderen Arten genutzt wird. Lokal dürfte es jedoch zu Interaktionen und möglicherweise zu Konkurrenz mit der Mauereidechse (Podarcis muralis) kommen. Genaueres wissen wir dazu noch nicht.

Schwieriger abzuschätzen ist der Einfluss des Mauergeckos auf die lokale Insekten- und Spinnenfauna. Mit ihm tritt ein neuer, geschickter Prädator auf, der beispielsweise nachts im Umfeld von Lichtquellen jagt und gewisse Wirbellose beeinflussen könnte. Wie stark dieser Effekt ist und ob er ein Problem darstellt, ist derzeit jedoch völlig unklar.

Was sollte man tun, wenn man einen Mauergecko findet?

Der Mauergecko ist eine eingeschleppte Art und gehört nicht zur natürlichen Reptilienfauna der Schweiz. Angesichts des Klimawandels, der anhaltenden und vermutlich zunehmenden Einschleppungen sowie der selbstständigen Ausbreitung des Mauergeckos ist es jedoch unrealistisch, seine Einwanderung, Etablierung und Ausbreitung einzudämmen oder gar zu verhindern. Unsere Empfehlung lautet deshalb: Die Tiere dort lassen, wo sie sind.

Mauergeckos halten sich am liebsten an sonnenexponierten Mauern auf. (Bild: Andreas Meyer / karch)

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