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Nicole Aebli sorgt für die Wildvögel im Tierpark Zürich

Nicole Aebli arbeitet als Rangerin im Sihlwald. Als ausgebildete Feldornithologin beobachtet sie sehr genau, was im Wildnispark umherflattert.

*Dieses Interview erschien in der gedruckten Ausgabe Nr 15/2022 vom 28. Juli 2022

Frau Aebi, In dunklen Wäldern leben in der Regel weniger Vogelarten als in Sumpfgebieten. Wie viele lassen sich im Sihlwald entdecken?

Aus dem Schweizerischen Brutvogelatlas wissen wir, dass im Sihlwald 33 Arten beobachtet wurden. Da für den Atlas jedoch nur auf einem Quadratkilometer Stichproben genommen werden, sind es sicher noch einige mehr.

Welche Vogelart begegnet Ihnen bei ihrer Arbeit am häufigsten?

Ganz klar der Buchfink. Der häufigste Vogel der Schweiz ist auch bei uns sehr zahlreich. Meisen haben wir natürlich auch sehr viele.

Welche Meisenarten fliegen durch den Sihlwald?

Kohlmeisen, Tannen-, Sumpf-, Blau- und Haubenmeisen. Schwanzmeisen ebenfalls. Aber dieser Namensvetter gehört nicht zur Familie der Meisen.

Der Waldlaubsänger ist noch sehr selten im Sihlwald.
Der Waldlaubsänger ist noch sehr selten im Sihlwald.

Die Vogelwelt ist mannigfaltig und sehr divers. Doch welches ist Ihr Lieblingsvogel?

Der Waldlaubsänger. Er baut kunstvolle, kugeligeNester am Boden. Im Sihlwald habe ich ihn allerdings erst ein einziges Mal gehört, obwohl er Buchenwälder eigentlich mag. Auf der Roten Liste wird diese Vogelart als verletzlich eingestuft. Den Kuckuck habe ich hier interessanterweise auch noch nie gehört, obwohl der Sihlwald ein gutes Habitat für ihn sein könnte.

Wen oder was würden Sie als typischen Sihlwaldvogel bezeichnen?

Den Buntspecht und den Schwarzspecht. Im Sihlwald hat es deutlich mehr Totholz als in anderen Wäldern im Mittelland. Hier finden sie nicht nur viele Bäume für die Nahrungssuche, sondern auch für den Bau von Bruthöhlen. Buntspechthöhlen haben übrigens einen runden Eingang, Schwarzspechthöhlen sind länglich. Nun hoffe ich, dass sich dereinst auch der Weissrückenspecht im Sihlwald wohlfühlen wird.

«Für viele Vögel sind die Borkenkäfernester ein Eldorado.»

Was braucht es dafür?

Weissrückenspechte brauchen noch mehr Totholz als Schwarz- und Buntspechte. Bei der letzten Totholz-inventur von 2017 erreichte der Sihlwald rund 50 Kubikmeter pro Hektare. Dieser Wert ist mittler-weile sicher höher, denn der Hitzesommer 2018 und Burglind haben nochmals zahlreiche geschwächte Fichten zum Absterben gebracht.

Und der Mittelspecht?

Der mag vor allem Eichen, die bei uns kaum wachsen. Aber für viele Vögel sind die neuen Borkenkäfernester im Sihlwald ein Eldorado. Den Dreizehenspecht könnten sie ebenfalls anlocken. Letztes Jahr wurde er hier zweimal beobachtet.

Hängen Sie auch Nistkästen auf?

Jein. Beim Besucherzentrum haben wir Nistplätze für Schleiereulen eingerichtet. In der Kernzone des Sihlwalds, wo sich die Natur ungestört entwickeln sollte, haben wir dagegen in Absprache mit dem örtlichen Vogelschutzverein alle abgehängt. In der Naturerlebniszone haben wir rund 30 belassen, kaputte werden jedoch nicht ersetzt. Im Naturwaldreservat Sihlwald finden sich genügend natürliche Nistmöglichkeiten. Insbesondere die Spechthöhlen werden auch von anderen Tieren genutzt.

Zum Beispiel?

Kleiber, Waldkauz, Hohltaube, aber auch Siebenschläfer, Fledermäuse, Wespen und Hornissen.

Wo hat es gute Beobachtungsplätze?

Beim Hochwachtturm sieht man oft Mauersegler. Von hier aus sind auch die Schnabellücken einsehbar, im Herbst eine Vogelzugroute. Im Frühling, wenn die Blätter noch nicht ausgetrieben haben, lohnt sich der Aufstieg zu den «Borkenkäfernestern» am Langrainweg, Höhe Bähnliweg. Hier lassen sich viele Spechte, Baumläufer und Kleiber entdecken.

Welchen Einfluss haben unsere Freizeitaktivitäten auf die Vogelwelt?

Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass die Vogeldichte und der Artenreichtum in unmittelbarer Nähe von Wegen deutlich geringer ist als in 50 Metern Entfernung. Das zeigt, wie wichtig es ist, auf den Wegen zu bleiben, um die Bestände und mögliche Neubesiedlungen eines Gebiets nicht zu stören.

Sihlwald – ein Park von nationaler Bedeutung

Der Sihlwald befindet sich rund 15 Kilometer vor den Toren Zürichs. Seit der Jahrtausendwende wird er nicht mehr bewirtschaftet und verwandelt sich langsam in eine Wildnis. 2010 hat er als erstes Gebiet der Schweiz vom Bund das Label «Naturerlebnispark ¬ – Park von nationaler Bedeutung» erhalten. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist er ein spannender Forschungsstandort. Hier wurden Arten gefunden, die man bereits für ausgestorben hielt. Eine Sammlung von fast 300 Forschungsarbeiten findet sich auf www.wildnispark.ch/wissen, darunter hat es auch zahlreiche Untersuchungen zum Thema «Vögel».

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