Anpassungsfähig wie ein Steinmarder müsste man sein: Der Allesfresser gilt als neugierig, verspielt und intelligent. Er merkt sich, wo Nahrung und ein warmer Unterschlupf zu finden sind. Da dies oft in der Nähe des Menschen der Fall ist, zählt der Steinmarder als Kulturfolger – als Art, die dem Menschen folgt und von ihm profitiert. Ob in Garagen, auf Dachböden oder in Scheunen: Dem kleinen Opportunisten reichen Öffnungen von nur wenigen Zentimetern, um es sich in einem Innenraum gemütlich zu machen. Dieser Anpassungsfähigkeit hat der Steinmarder sein grosses Verbreitungsgebiet zu verdanken, das über weite Teile Eurasiens bis in die Mongolei und die Himalaya-Region reicht. In Mitteleuropa ist er die häufigste Art der Familie der Echten Marder. Auf der Roten Liste geniesst er einen ungefährdeten Status – ganz im Gegensatz zu verwandten Marderarten wie dem Iltis oder dem Mauswiesel. Der Steinmarder indes kennt wenige natürliche Feinde: Fürchten müssen sich insbesondere junge oder kranke Tiere vor Füchsen, seltener vor Greifvögeln, aber insbesondere vor uns Menschen.
Marderschäden in Millionenhöhe
Wer schon einmal Steinmarder unter seinem Dach hatte, dürfte wissen, dass die nachtaktiven Einzelgänger nicht nur unangenehme Gerüche, sondern auch ganz schön Krach veranstalten können – insbesondere während der Paarungszeit im Hochsommer. Doch schlimmer als der verursachte Radau dürfte oft der materielle Schaden sein, den sie anrichten können. Laut einer Schätzung der Versicherung AXA Schweiz verursachen Marder landesweit Schäden von rund 40 Millionen Franken pro Jahr. Nebst der Zerstörung der Isolierung oder des Dämmmaterials auf dem Estrich, was die Heizkosten in die Höhe treiben kann, machen Marder sich besonders gerne über Autos her: Ihr Motorraum bietet ihnen ein ideales Versteck; das Herumnagen an Schläuchen und Kabeln liegt in der Natur der Tiere. Auch Haustieren wie Meerschweinchen, Kaninchen, Ziergeflügel oder Hühnern kann ein Steinmarder gefährlich werden.
Damit liegt das Konfliktpotenzial zwischen Mensch und Steinmarder auf der Hand. Doch was tun, wenn man plötzlich einen allesfressenden Mitbewohner auf dem eigenen Grundstück hat?
Völlig falsche Massnahmen hatte letztes Jahr ein Mann in Winterthur ergriffen: Um einen Steinmarder loszuwerden, welcher im Frühjahr auf seinem Dachstock eingezogen war, installierte der Hausbesitzer ein Tellereisen – eine Falle, die seit Jahren verboten ist, in diesem Fall aber zuschnappte. Wie der Tages-Anzeiger berichtete, erlitt der Marder eine blutende Verletzung, mehrere Knochenbrüche und renkte sich ein Bein aus. Der verständigte Jagdaufseher erlöste das Tier schliesslich. Durch dieses Vorgehen verstiess der Zürcher gleich dreifach gegen das Gesetz: einmal gegen das Tierschutzgesetz, da er das Tier gequält hatte, und doppelt gegen das Jagdgesetz, weil er innerhalb der Schonzeit, die vom 15. Februar bis zum 31. August dauert, mit dem Tellereisen eine verbotene Falle eingesetzt hatte. Als jagdbare Art dürfen Steinmarder nämlich gemäss Jagdgesetz ausschliesslich von jagdberechtigten Personen gefangen und getötet werden. Die Konsequenz für den Hausbesitzer: eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 50 Franken sowie eine Busse von 2000 Franken.

Hundehaare, Essig oder Urin?
Private Hausbesitzende, die unter den ungebetenen Gästen leiden, können jedoch verschiedene Massnahmen ergreifen. Entscheidend dabei ist, dem Tier den Zugang ins Haus oder in die Garage zu verunmöglichen. Ist der Marder jedoch bereits drin, muss er vertrieben werden, ehe bauliche Massnahmen zum Zuge kommen. Für die Vertreibung von Steinmardern gibt es kein Patentrezept, verschiedene Hausmittel können jedoch helfen. Das Auslegen von Hundehaaren, WC-Steinen oder Essig kann einen Steinmarder fernhalten. Einige Ratgeber setzen dabei sogar auf menschlichen Urin. Dieser soll, in Schalen auf dem Estrich verteilt oder über den kalten Motorblock des Autos gegossen, dank seines Ammoniakgeruchs abschreckend auf die Tiere wirken.
Auch akustische Signale können die gewünschte Wirkung erzielen: Häufig genannt wird beispielsweise das Deponieren eines tagsüber laufenden Radios auf dem Estrich, welches das nachtaktive Tier in seinem Schlaf stört. Auch im Handel erhältliche Marderschrecks können den Steinmarder durch unangenehme Reize verjagen – ohne ihm ernsthaft zu schaden. Eine kostengünstigere Variante sind Wasserflaschen, die um das Auto oder auf dem Dachboden deponiert werden und Marder unter anderem durch Reflexionen irritieren und auf Abstand halten sollen. Unter Fachpersonen ist dieser Trick allerdings umstritten.
Wer mit den kleinen Allesfressern auf dem eigenen Grundstück nicht mehr weiter weiss, sollte die örtliche Jagdgesellschaft kontaktieren, um sich über die Situation beraten zu lassen.

