Welchen Tieren helfe ich?
Do it yourself: Anleitung für Asthaufen und Steinhaufen
Sowohl auf dem Land als auch in Städten schiessen derzeit Ast- und Steinhaufen wie Pilze aus den Böden. Doch was braucht es, damit diese ökologischen Aufwertungsmassnahmen auch ihren vorgesehenen Zweck erfüllen?
Der grosse Vorteil von Ast- und Steinhaufen ist, dass sie sofort einen Nutzen für die Natur erfüllen. Ganz im Gegenteil zu einer Blumenwiese, die manchmal über Jahre braucht, bis sich ihr tatsächlicher Wert für Wildtiere entfaltet. Zudem gibt es bei einem Ast- oder Steinhaufen kaum etwas, was schief gehen kann. Denn wie auch immer sie gebaut sind: Irgendein Wildtier wird sich immer daran erfreuen. Mit gezielten Überlegungen zum Standort, zu Material und zum Vorgehen können Arten jedoch gezielt angelockt werden.
Asthaufen
Material
Wer einen Garten mit Sträuchern und Bäumen besitzt, beginnt am besten direkt nach dem Jahresschnitt mit dem Bau. Geeignet sind dünne Zweige, Äste und dünne Stämme bis hin zu Wurzelstöcken. Je mehr unterschiedliches Material zum Zug kommt, desto grösser ist letztlich die Vielfalt der geschaffenen Lebensräume im Asthaufen. Ideal ist ein Mix von frischem und schon etwas morschem Holz. Denn es gibt zahlreiche Käfer- und Wildbienenarten, die auf älteres Holz angewiesen sind. Am besten geeignet ist Laubholz, denn das Harz der Nadelhölzer behindert so manch ein Insekt beim Gängebau. Auch ungenutztes Bauholz ist willkommen – allerdings nur, wenn es unbehandeltes Material ist.
Vorgehen
Beim Bau bilden die grossen Hölzer das Fundament, bevor die kleineren Äste an die Reihe kommen. Alles wird so geschichtet, dass möglichst viele unterschiedliche Hohlräume entstehen. Wer weder Zeit noch Platz für solche Konstruktionen hat, macht auch mit einem einfachen Ast-Stapel nichts Falsches. Denn auch darin bilden sich kleine Hohlräume, die zu Wildtier-Wohnungen werden. Je grösser die Hohlräume, desto grösser die Tiere, die sie nutzen. Für einen Igel ist zum Beispiel ein Hohlraum von 30 x 30 x 30 Zentimeter ideal. Die Öffnung nach aussen sollte nur etwa die Grösse einer Faust haben, damit keine Katze hineinschlüpfen kann. Als weiteren Schutz gegen Katzen helfen ein dornige Äste, die über den Asthaufen gelegt werden müssen.
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Grösse
Grundsätzlich gilt: Je höher und breiter ein Asthaufen ist, desto besser. Höher als eineinhalb Meter sollte er jedoch nicht sein, da sonst das Gewicht der Äste die Hohlräume zu stark zusammendrückt.
Standort
Direkt an einer Strasse ist kein guter Standort für einen Asthaufen. Ein Tier wie eine Hausspitzmaus, die viele Fressfeinde hat, muss zudem sicher und versteckt zum Asthaufen huschen können. Wichtig ist also, dass ein Asthaufen nicht isoliert auf einem gemähten Rasen steht, sondern versteckte Durchgänge durch eine nahe Hecke oder hohes Gras bietet.
Manche Wildtiere wie Eidechsen oder Käfer bewegen sich in ihrem Leben kaum 100 Meter weit. Andere sind in verschiedenen Stadien – zum Beispiel als Larve und als ausgewachsener Käfer – auf komplett unterschiedliche Lebensräume angewiesen. Auch aus diesen Gründen sollten sich also weitere Lebensräume wie Kräuterspiralen, Blumenwiesen oder Teiche möglichst nahe des Asthaufens befinden.
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Zudem sollte der Asthaufen an einem windgeschützten Ort mit möglichst viel Sonneneinstrahlung stehen. Wenn das nicht möglich ist, eignet sich auch ein halbschattiger Ort. Dann lockt er eben Tiere an, die es gerne etwas kühler haben. Gerade, wenn ein Teich in unmittelbarer Nähe liegt, bietet es sich an, gezielt Amphibien zu fördern.
Versteck
Der Igel braucht Asthaufen gerne als Tagesversteck. Auch Iltisse, Hausspitzmäuse, Ringelnattern und Amphibien wie Erdkröten oder Bergmolche können ihn sich zunutze machen. Junge Frösche, die frisch aus dem Teich kommen, sind besonders verletzlich und werden schnell gefressen, wenn sie nicht schnell ein Versteck wie einen Asthaufen finden.
Überwinterung
Wenn der Asthaufen gross genug ist, bietet er genügend Isolation, dass ein Igel darin überwintern kann. Dasselbe gilt für diverse Amphibien und Reptilien wie Bergmolche oder Ringelnattern.
Fortpflanzung
Manche Vögel wie der Zaunkönig oder das Rotkehlchen gebrauchen Asthaufen als Kinderstube. Auch Wildbienen und Wespen nisten gerne darin.
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Nahrungssuche
Hausspitzmaus, Blindschleiche, Erdkröte und Bergmolche fressen kleinere Tiere, die in einem solchen Asthaufen Zuflucht suchen. Hausrotschwänze nutzen Asthaufen gerne als Sitzwarte, um nach Beute wie Käfern Ausschau zu halten. Das Holz selbst ist für diverse Totholzkäfer wie den Echten Widderbock ebenfalls eine Nahrungsquelle.
Pflege
Der Pflegeaufwand eines Asthaufens ist überschaubar. Man sollte lediglich darauf achten, dass er nicht vollständig verwuchert und dadurch zu viel Schatten bekommt. Komplett nackt muss er aber auch nicht sein. Denn einzelne Stängel und Äste können Wildtieren helfen, sich bei Gefahr blitzschnell zu verstecken.
Steinhaufen
Material
Etwa 80 Prozent der verwendeten Steine sollten zwischen 20 und 40 Zentimeter gross sein. Bei den restlichen 20 Prozent verhält es sich wie beim Asthaufen: Je unterschiedlicher die Grössen, desto variantenreicher die Hohlräume und umso mehr Tiere finden darin ein Zuhause. Bollensteine wie auch Bruchsteine eignen sich als Baumaterialien. Ideal ist, wenn Steine aus dem Garten genutzt werden können. Auch Dachziegel, Steine eines abgebauten Sitzplatzes oder Backsteine sind in Ordnung. Asphalt und Eternit eignen sich jedoch nicht. Wer nichts Passendes zur Hand hat, wird bestimmt in der nächsten Kiesgrube fündig.
Vorgehen
Wer genügend Platz hat, kann zuerst eine Mulde von etwa einem Meter Tiefe graben. Denn damit kommt man in einen Bereich, der relativ frostsicher ist und damit ein geeignetes Winterquartier für Reptilien und Amphibien wie Bergmolche und Ringelnattern bildet. Ideal wäre, die ausgehobene Erde direkt nordseitig des Steinhaufens liegenzulassen, damit der neue Hügel keinen Schatten spendet. Ist er bewachsen, dient er jedoch wunderbar als Deckung für Tiere, die sich auf dem Weg zum Steinhaufen befinden. Damit starker Regen gut abfliessen kann und die Mulde nicht flutet, ist am Boden eine etwa 15 cm dicke Schicht mit Sand oder feinem Kies empfehlenswert.
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Beim Bau des eigentlichen Steinhaufens kommen zuerst die grossen Steine zum Zug. Ideal ist, wenn das Material so geschichtet werden kann, dass die Form des Haufens nicht kreisrund, sondern möglichst unregelmässig wird. Damit entstehen unterschiedliche Mikro-Klimazonen für die individuellen Präferenzen der Wildtiere. Auch hier helfen ein paar dornige Äste, um Katzen aus der Nachbarschaft zumindest ein bisschen fernzuhalten.
Grösse
Wie beim Asthaufen gilt hier: Je grösser, desto besser. Wer aber weniger Platz zur Verfügung hat, kann auch kleinere Haufen bauen. Zauneidechsen beispielsweise geben sich auch mal mit einem halben Kubikmeter Steinvolumen zufrieden.
Standort
Steinhaufen sind besonders für Reptilien interessant, die Wärme brauchen, um morgens auf Betriebstemperatur zu kommen. Deshalb ist ein sonniger Standort hier essenziell. Wie auch beim Asthaufen ist ein Platz möglichst weit weg von Strassen und nah an weiteren Rückzugsmöglichkeiten ideal für die Wildtiere.
Wo das Land steil ist, bietet sich anstelle eines Steinhaufens eine sogenannte Steinlinse an. Bei dieser werden die Steine die wie Terrassenhäuser in eine Mulde im Gelände geschichtet.
Nutzen
Die Tiere, die sich in Steinhaufen verstecken oder darin jagen, ähneln denen in Asthaufen. Auch hier sind unter anderem Erdkröten, Hausspitzmäuse und Igel zu erwarten. Amphibien, die es auch mal kühl mögen, werden weniger zu sehen sein, dafür aber vielleicht Tagfalter wie der Mauerfuchs oder Reptilien wie Mauereidechsen und Blindschleichen, die sich auf den warmen Steinen sonnen.
Pflege
Ist der Steinhaufen ein bisschen überwachsen, kann das – wie auch beim Asthaufen – durchaus einen Nutzen für die dort hausenden Eidechsen haben. Wichtig ist aber, dass die umliegenden Sträucher keinen Schatten spenden und zurückgeschnitten werden. Um keine Wildtiere zu verletzen, sollte bei diesen Pflegemassnahmen auf Motormäher verzichtet werden.
Noch nicht alle Fragen beantwortet?
Pro Natura bietet im Rahmen ihres Naturgartenprojekts «Bonjour Nature» kostenlose Beratungen an bei Fragen zu Ast- und Steinhaufen oder weiteren Gartenthemen.
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