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Im Dunkeln der Nacht

Die Sonne geht unter, der Tag neigt sich dem Ende zu. Für viele Tiere heisst es jetzt: fertig mit Ruhen, raus aus dem Versteck. Mit Einbruch der Nacht beginnt das grosse Suchen – nach einem leckeren Happen, nach einem geeigneten Partner, nach gefährlichen Rivalen. Doch wo ist sie geblieben – die Nacht, die alles in Schwarz taucht?

Stefan Steuri duckt sich, äugt in alle Richtungen, lässt den Blick durch die Bäume schweifen und schüttelt den Kopf. «Nichts zu sehen», sagt der Wildtierpfleger zur Gruppe, die er beim heutigen Vollmond-Spaziergang durch den Tierpark Bern lotst. Der Waschbär zeigt sich trotz Dämmerungseinbruch kurz nach 20 Uhr weder auf einem Ast noch in der Nähe des Wassers, wo Fische ihre Runden ziehen. Auch von den Marderhunden – in der gleichen Anlage untergebracht und ihres Zeichens ebenso dämmerungs- und nachtaktiv: keine Spur.

Einen kurzen, steilen Fussmarsch später vor der nächsten Anlage geht ein Raunen durch die Gruppe. Ein Luchs thront auf einem Baumstrunk – keine zehn Meter weit vom Zaun entfernt. Die grösste Wildkatze Europas mit ihren dunkel gefärbten Haarpinseln auf den Ohrspitzen dreht nur kurz den Kopf in Richtung der Besucher, um sogleich wieder in die Ferne zu spähen. «Wer hat schon einmal einen Luchs im Freien gesehen?», will Stefan Steuri jetzt wissen. Die Hände bleiben unten. «Kein Wunder», sagt er belustigt. «Der Luchs ist dämmerungs- und nachtaktiv, als Einzelgänger unterwegs und im Wald bestens getarnt.»

Auf leisen Pfoten

Für seine Streifzüge durch die Tiefen der Nacht ist der exzellente Jäger bestens ausgestattet. Sein feines Gehör überflügelt das menschliche um ein Vielfaches: Selbst ein leises Rascheln einer Maus nimmt er von weitem wahr. Ebenso nützlich, wenn die Finsternis das Zepter übernimmt, sind die flexiblen Ohren, die er unabhängig voneinander in einem weiten Radius drehen und so seine Beute akustisch exakt lokalisieren kann. Dank seiner lichtempfindlichen Augen erspäht er Rehe und Gämsen selbst aus grossen Distanzen. Und dann die Schnurrhaare, die sogenannten Vibrissen – eine Art Bewegungsmelder, die kleinste Veränderungen bei der Luftströmung registrieren. Auch sie helfen dem dämmerungs- und nachtaktiven Jäger, nach dem Anschleichen der Beute mit grosser Präzision zuzuschlagen.

Die Geschichte des Luchses in der Schweiz, die Stefan Steuri nun im Schnelldurchlauf im sich weiter verfinsternden Wald Revue passieren lässt, ist von vielen düsteren Kapiteln durchsetzt und gipfelt schliesslich Ende des 19. Jahrhunderts in der kompletten Ausrottung dieser grössten wildlebenden Katzenart Europas. Erst in den 1970er-Jahren dann ein Lichtblick: Auf das Ja zu einer Wiederansiedlung folgten erste Auswilderungen. Obwohl der Bestand in der Schweiz heute über 300 Luchse umfasst, ist ein Happy End noch in weiter Ferne: «Die hiesige Population kämpft mit Inzucht, weil sie von einigen wenigen Gründertieren abstammt und stark zerschnittene Lebensräume den genetischen Austausch verhindern», so Steuri. Untrügliche Zeichen dieser genetischen Verarmung sind Missbildungen wie fehlende Ohren, Herzfehler und Krankheiten, die bei den freilebenden Individuen entdeckt wurden.

Der Tierpark Bern will für eine Blutauffrischung unter den freien Wildtieren sorgen: «Unser Zuchtpaar hat seltene Gene und ist Teil eines Auswilderungsprojekts», sagt Stefan Steuri und ruft nun zum Aufbruch. Er schliesst die elektronische Schiebetür zum Seiteneingang des Tierparks auf und gewährt der Gruppe Einlass in jenen Bereich, in dem zu dieser Uhrzeit sonst keine menschliche Präsenz erwünscht ist. Vor dem Becken mit den Seehunden hält er inne. Einige der Tiere sind in Höchstform und geizen nicht mit akrobatischen Einlagen. «Dieser hier schläft gerade», sagt der Wildtierpfleger und zeigt jetzt auf einen Seehund, der reglos am Boden liegt. Eine Pose, die Besucher gelegentlich Alarm schlagen lässt, weil sie das Schlimmste befürchten. Die Publikumslieblinge haben ein ganzes Repertoire an Schlafstellungen: «Sie können auch senkrecht im Wasser in Kerzenposition einen Powernap machen», sagt Steuri und wirft sich in die entsprechende Pose.

Spähen, schleichen, schnuppern

Vor der Anlage der Ziesel dann: kein Rascheln, kein Pfiff, kein Fauchen. Die tagaktiven Nager scheinen die Nachtruhe schon angetreten zu haben. Eine 180-Grad-Drehung später dann wieder ein Volltreffer: Die im Frühling zur Welt gekommenen Elch-Zwillinge staksen auf ihren langen Beinen unter mütterlicher Aufsicht durch die Anlage. Mittlerweile ist es 21 Uhr. Die Lebewesen im Tierpark verwandeln sich in bewegte Silhouetten, eine gespenstische Stille macht sich breit.

Die Europäische Wildkatze in der nächsten Anlage will sich hingegen partout nicht zeigen. «Dieser scheue Einzelgänger legt pro Nacht bis zu acht Kilometer zurück, um Nahrung zu suchen», erzählt Steuri stattdessen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich die einst fast ausgerottete Art in der Schweiz wieder erholt: «Die Population umfasst heute rund 1000 Individuen, die vor allem im Jura unterwegs sind», fährt der 54-Jährige fort und steuert die nächste Anlage an. Die Europäischen Sumpfschildkröten verharren lomplett reglos auf einem Baumstrunk, als wollten sie ihr nachmittägliches Sonnenbad auf immer fortsetzen – Erdrotation hin oder her.

Schon zieht ein anderer Tierpark-Bewohner mit seinem zweisilbigen Ruf die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher auf sich. Seine dumpfe, weittragende Uhu-Litanei unterbricht der majestätische Vogel selbst dann nicht, als die Gruppe dicht unter ihm stoppt. «Er ist dann unterwegs, wenn seine Beutetiere wach sind. Mit seinen lichtempfindlichen Augen, seinem ausgezeichneten Gehör und seinem geräuschlosen Flug kann sich der Uhu im Dunkeln extrem gut orientieren», erklärt der Wildtierpfleger und richtet den Blick nach oben, wo das imposante Tier seinen dicken Kopf jetzt geräuschlos weit nach hinten dreht. Typisch Uhu: «Mit dieser Dreiviertel-Drehung erweitert er sein Sichtfeld, ohne seine Silhouette zu verändern und die Aufmerksamkeit eines Beutetiers auf sich zu ziehen.»

Scharfe Augen und ausgezeichnetes Gehör: Der Wolf ist auch nach Sonnenuntergang ein exzellenter Jäger.
Scharfe Augen, ausgezeichnetes Gehör: Der Wolf ist auch nach Sonnenuntergang ein exzellenter Jäger.

Während der grosse Raubvogel weiter ruft, als müsste ganz Bern um seine Existenz wissen, schreitet die Gruppe zur letzten Station: dem Wolf-Bärenwald, wo ein vorbeitrottender Bär die Pupillen der spätabendlichen Zoo-Besucherinnen und Besucher weiten lässt. Auch die Wölfe lassen sich hinter den Büschen kurz blicken. «Während der Aufzucht der Jungtiere zeigen sie sich nur selten», kommentiert Steuri und wirft die nächste Frage in die Runde: «Stimmt es, dass Wölfe den Vollmond anheulen?» Schulterzucken hier, Kopfschütteln und Mutmassungen da. Er entkräftet diesen Mythos aus Hollywood-Filmen gleich selbst. Dass die Wölfe in Vollmondnächten besonders gut zu hören seien, liege am Licht: «In hellen Nächten sind sie einfach deutlich aktiver als sonst. Ihr Heulen dient aber der Kommunikation: Sie halten so das Rudel zusammen, markieren Reviere oder warnen vor Gefahren.»

Bevor die Finsternis den Tierpark ganz in Beschlag nimmt, endet die Führung. Zumindest fast. Stefan Steuri will den Besucherinnen und Besuchern noch etwas Erhellendes mitgeben, bevor sie im Lichte des Vollmonds den Ausgang ansteuern: «Wir Menschen setzen Kunstlicht mit Sicherheit und Komfort gleich und halten es für unverzichtbar. Doch viele Tiere zahlen einen hohen Preis dafür, dass wir die Nacht zum Tag machen.» Er muss es wissen, ist er doch auch viel in der Dämmerung und bei Nacht unterwegs – in seinem zweiten Job als Ranger im Naturpark Gantrisch.

Dunkelheit als Erlebnis

Für den nächsten Teil der Recherche führt der Weg – zumindest am Telefon – dorthin. Der Naturpark Gantrisch hat vor zwei Jahren das internationale Label «Dark Sky Park» erhalten. Ein Schweizer Novum. Das jahrelange Engagement für Dunkelheit habe sich ausbezahlt, freut sich Projektleiterin Nicole Dahinden. Wie schwarz muss eine Zone in der Nacht sein, damit sie mit diesem Label bedacht wird? «Die Dunkelheit über dem definierten Schutzgebiet von rund 100 Quadratkilometern wurde über zwei Jahre hinweg gemessen», erinnert sich Dahinden. Dabei zeigte sich: Im Naturpark ist es bis zu 42-mal dunkler als über der Stadt Bern und viel dunkler als in vielen Teilen der Welt. Davon profitieren nicht nur Tiere, sondern auch Menschen: «Die Sterne, die Milchstrasse und Sternschnuppen sind im Park besonders gut zu sehen», schwärmt Nicole Dahinden. Viele Besucherinnen und Besucher nähmen hier auf nächtlichen Streifzügen oder bei Führungen die Dunkelheit erstmals richtig bewusst wahr. «Wer diese Erfahrung einmal gemacht hat, ist automatisch sensibilisiert für das Thema Lichtverschmutzung», ist sie überzeugt.

Minimiert: Kunstlicht verkleinert den Jagdraum von Fledermäusen.
Kunstlicht verkleinert den Jagdraum von Fledermäusen.

Damit in der Schutzzone des Naturparks die Nächte stockdunkel sind und bleiben, wurden eigens Bestimmungen für die Beleuchtungen erarbeitet. Sie sind zwar nicht rechtsverbindlich, werden von den sechs Gemeinden in der «Gantrisch Dark Sky Zone» aber freiwillig umgesetzt. In der eigentlichen Schutzzone ist künstliches, stationäres Licht komplett untersagt. Ausserhalb dieses Bereichs werden nur vollständig nach unten abgeschirmte Lampen erlaubt, die warmweisses Licht abstrahlen. Firmen sind angehalten, nach 22 Uhr ihre Schaufensterbeleuchtung abzuschalten. Private erhalten bei Bauvorhaben eine unentgeltliche Beratung zur Vermeidung von Lichtverschmutzung. Der Rückhalt für Dunkelheit in der Bevölkerung ist gross: «Viele Menschen hier wissen mittlerweile gut über die Folgen von Lichtverschmutzung Bescheid», bilanziert Nicole Dahinden. LED-Lampen, welche die ganze Nacht über in privaten Gärten strahlten, seien in der Region praktisch nicht mehr zu sehen.

Das neue Normal

Ein Bild, das sich in anderen Regionen der Schweiz und der Welt so nicht zeigt: Dunkelheit macht sich vielerorts rar. Laut dem Citizen-Science-Projekt «Globe at Night» nehmen die Lichtemissionen am europäischen Nachthimmel jährlich um rund 6,5 Prozent zu. Wer auf unserem Planeten nach Nacht im eigentlichen Sinne sucht, muss lange suchen: Im Mittelland gibt es seit Mitte der 1990er-Jahre keinen einzigen Quadratkilometer mehr, in dem es vollständig dunkel wird. Kunstlicht hellt den Nachthimmel vielerorts so stark auf, dass nur noch ein Bruchteil der Sterne zu sehen ist.

Wieso ufert das nächtliche Lichtermeer immer mehr aus, wieso machen wir die Nacht zum Tag und fluten Gärten, Strassen und Siedlungen mit Licht? Gemäss Fachleuten ist die starke Lichtverschmutzung der fortschreitenden Verstädterung geschuldet, aber auch dem Vormarsch moderner Beleuchtungsmittel. Bei LEDs zeigt sich ein sogenannter Rebound-Effekt: Weil sie so energieeffizient und günstig sind, werden sie umso länger und grossflächiger eingesetzt.

Dass die Nacht immer heller wird, fällt kaum noch auf – besonders in dicht besiedelten Regionen empfinden wir Kunstlicht als normal. Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der eidgenössischen Forschungsanstalt WSL zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Helligkeit in der Nacht für angemessen hält. Und: Obwohl über 80 Prozent der Befragten die Folgen künstlicher Beleuchtung für die Umwelt kennen, treffen die wenigsten konkrete Massnahmen.

Gefährdete Ökosysteme

Längst bekannt und belegt ist: Die Folgen von Nächten, die ihrer Dunkelheit beraubt werden, sind gravierend. Künstliche Beleuchtung in der Nacht bringt die innere Uhr durcheinander – auch die des Menschen. Wird die Nacht zum Tag, kann die Melatonin-Produktion sinken und der Schlaf-Wach-Rhythmus aus dem Takt geraten. Dauerbeleuchtung gefährdet die Gesundheit und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- und chronische Erkrankungen.

Eva Knop, Professorin an der Universität Regensburg und der Universität Zürich, zählt zu den renommiertesten Forschenden in Sachen Lichtverschmutzung. Vor zehn Jahren gelang es Knop erstmals nachzuweisen, dass künstliches Licht zu einem deutlichen Rückgang der Bestäubung bei Nacht führt. Neue Befunde zeigen: Die tagsüber aktiven Insekten können das Ausbleiben der nächtlichen Bestäuber nicht wettmachen. Und sie ändern ihr Bestäubungsverhalten ebenso.

«Lichtverschmutzung beeinträchtigt nicht nur die Bestäuber, sondern auch den Fortpflanzungserfolg der Pflanzen», hält die Forscherin fest. So hat nächtliches Kunstlicht insbesondere zur Folge, dass Pflanzen früher keimen und blühen. Dies kann zu einem «Mismatch» führen: Die «Fahrpläne» von Pflanzen und Bestäubern passen nicht mehr zueinander. Was Eva Knop ebenso bewiesen hat: Bei gewissen Pflanzen verschiebt sich der Zeitpunkt für das Öffnen und Schliessen der Blüte. Zum Beispiel bei der Moschusmalve – einer Art, deren Blüten tagsüber aufgehen und nachts schliessen. Mit Kunstlicht jedoch öffnen sich ihre Blütenblätter morgens durchschnittlich zwei Stunden früher als gewöhnlich. Bei der in der Nacht blühenden Acker-Waldnelke hingegen verzögert sich bei Lichtverschmutzung das Schliessen der Blütenblätter um mehr als eine Stunde. «Die Auswirkungen des Zuviels an Licht sind komplex und je nach Art sehr unterschiedlich», gibt Eva Knop zu bedenken. Gewisse Arten profitieren auch vom Nonstop-Tag-Modus. Doch ein Grossteil leidet still und verschwindet unmerklich.

Weil in der Nacht die Lampen im Garten, auf dem Sportplatz oder auf dem Partyareal teils ohne Unterlass glimmen, verenden massenweise Insekten. Und selbst jene, die den Lichtexzess überleben, nehmen Schaden: Sie brauchen beim Umkreisen der Lichtquellen so viel Energie, dass die Partnersuche und die Eiablage auf der Strecke bleiben. Der Rückgang an Insekten wiederum hat weitreichende Konsequenzen: Pflanzen bilden weniger Samen, der landwirtschaftliche Ertrag geht zurück und auch insektenfressende Tiere wie Igel, Vögel, Frösche und Eidechsen haben das Nachsehen.

das internationale Label «Dark Sky Park» erhalten.
Hier funkeln besonders viele Sterne: Der Naturpark Gantrisch hat für seine überdurchschnittlich hohe Nachtdunkelheit das Label «Dark Sky Park» erhalten.

Licht aus!

Wenn Garten- und Strassenbeleuchtungen, Flutlichter von Sportanlagen, Fassaden oder Weihnachtsgirlanden um die Wette strahlen, geraten ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Lichtverschmutzung verändert Artengemeinschaften und führt zu einem Verlust der Biodiversität.

«Rund die Hälfte aller Arten ist darauf spezialisiert, in der Nacht aktiv zu sein», führt Eva Knop weiter aus. Eine Störung der Tag-Nacht-Zyklen geht zulasten überlebenswichtiger Prozesse wie Keimung, Paarung, Überwinterung und Migration. Auch physiologische Regenerationsprozesse, die im Dunkeln stattfinden, bleiben auf der Strecke – selbst bei tagaktiven Tieren.

Die Liste der Tiere, denen die Lichtverschmutzung schadet, ist lang: So führt die Beleuchtung von Schlaf-orten lichtscheuer Fledermausarten wie dem Braunen Langohr dazu, dass sie nicht oder erst viel später ausfliegen. Die Tiere nehmen folglich weniger Nahrung auf und zeugen weniger Nachkommen. Auch Amphibien bezahlen einen hohen Preis für Kunstlicht: Bei Grasfröschen, Erdkröten, Unken und Molchen stört es die Orientierung – geraten sie in einen Lichtkegel, werden sie zur leichten Beute für Fressfeinde. Bei vielen Fischen wiederum gerät das Wander- und Paarungsverhalten durcheinander.

Obwohl sich die Forschung noch nicht lange mit Lichtverschmutzung auseinandersetzt, ist mittlerweile hinreichend belegt: Für eine intakte Tierwelt und gesunde Pflanzen braucht es Dunkelheit. «Die einfachste und effektivste Massnahme heisst: Licht abschalten», sagt Eva Knop. Auch Lukas Schuler, Präsident von DarkSky Switzerland, ist überzeugt: «Alle können einen Beitrag gegen Lichtverschmutzung leisten.» Ob unnötiges Licht ausgeschaltet, ein Bewegungsmelder installiert oder grelles Licht gedimmt wird: Jedes Weniger an Licht ist ein Mehr an Natur. Und ein Ja zum Zauber der Nacht.

Irritiert: Kröten brauchen die Dunkelheit, um zu wandern.
Kröten brauchen die Dunkelheit, um zu wandern.

Schlaflos im Nistkasten

Kohlmeisen verbringen weniger Zeit auf ihren Eiern, wenn es viel Lichtverschmutzung gibt. Dies geht aus einer Studie der Schweizerischen Vogelwarte hervor. Besonders betroffen sind Kohlmeisen in der Stadt: Sie zeigen sich nachts umso unruhiger, je heller ihre Neststandorte erleuchtet sind. Im Vergleich zu im Wald lebenden Artgenossen schlüpfen i deutlich weniger Junge. Laut der Vogelwarte wirkt sich nächtliches Kunstlicht auch auf Zugvögel aus, die sich an den Sternen orientieren und auf ihrer Reise auf einen sternenklaren Nachthimmel angewiesen sind. Sie werden durch beleuchtete Hochhäuser oder andere exponierte Lichtquellen von ihrem Flugweg abgebracht, umkreisen sie desorientiert oder stossen mit ihnen zusammen. Oft mit tödlichen Folgen. Von Anfang Februar bis Ende Mai und von Mitte Juli bis Ende November, wenn der Vogelzug in Mitteleuropa in vollem Gang ist, empfiehlt die Vogelwarte, das Licht jeweils zwischen 22 Uhr und Sonnenaufgang auszuschalten – besonders auf Passübergängen, an Binnengewässern oder in Hochhäusern. Zudem sollten Jalousien bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen werden.

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