Von «Dragun» bis Drachenkraut – die volkstümlichen Übernamen des Estragons geben einen ersten Einblick in seine sagenumwobene Vergangenheit. Sogar der wissenschaftliche Name Artemisia dracunculus leitet sich vom lateinischen «dracunculus», dem «kleinen Drachen», ab. Schon die antiken Griechen sahen im Estragon magische Kräfte. Ob das Kraut allerdings tatsächlich Schlangen und Drachen fernhält, bleibt dem Reich der Legenden überlassen.
Die ältesten Hinweise über die Nutzung des Estragons stammen aus dem China des zweiten Jahrtausends vor Christus. Erst viel später gelangte das Kraut über Handelsrouten nach Westeuropa, wo es ab dem Mittelalter in Kloster- und Bauerngärten kultiviert wurde. Besonders in Frankreich entwickelte sich eine ausgeprägte Tradition im Umgang mit Estragon. Bis heute ist er eine der tragenden Komponenten der «Fines herbes» und unverzichtbar für die Sauce Béarnaise. Sein Geschmack verbindet süssliche, leicht bittere und anisartige Noten, die besonders gut mit Ei, Geflügel, Fisch und mildem Gemüse harmonieren. Auch zum Aromatisieren von Essig, Senf oder eingelegtem Gemüse eignet sich Estragon gut.
Würze mit Charakter
In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Estragon vor allem zur Förderung der Verdauung eingesetzt. Bitterstoffe und ätherische Öle sollen den Appetit anregen und können bei Völlegefühl oder leichten Magenbeschwerden unterstützend wirken.
Beim Anbau lohnt sich ein genauer Blick auf die Sorte. Der französische Estragon gilt als aromatisch hochwertig. Man kann ihn aber nur durch Stecklinge oder Wurzelteilung vermehren. Der russische Estragon ist robuster und kann aus Samen gezogen werden. Geschmacklich bleibt er aber deutlich zurückhaltender.
So gedeiht er im Garten
Estragon bevorzugt sonnige, warme Standorte und lockere, gut durchlässige Böden. Staunässe verträgt er schlecht, mit Trockenperioden kommt er besser klar. Als mehrjährige Pflanze wächst er über Jahre am gleichen Standort, sollte jedoch regelmässig zurückgeschnitten werden, um vital zu bleiben. In raueren Lagen empfiehlt sich ein leichter Winterschutz durch Tannäste.
Steckbrief
Wissenschaftlicher Name: Artemisia dracunculus Blütezeit: Juni bis September Standort: Sonnig, warm, durchlässiger Boden Giessen: Mässig, eher trocken als zu feucht Vermehrung: Teilung (französischer Estragon), Aussaat (russischer Estragon)

