Der Sommerflieder (Buddleja davidii) war lange Bestandteil eines jeden vermeintlich insektenfreundlichen Gartens. Doch der im Spätsommer blühende Busch verwildert rasch, bildet in der Natur dichte Bestände und verdrängt einheimische Pflanzen, insbesondere in empfindlichen Ökosystemen wie Auen oder auf Brachflächen.

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) bietet hier eine nicht weniger attraktive Alternative. Im Frühsommer bildet er süss duftende Blütendolden, die zahlreiche Insekten anlocken, darunter Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge oder den Admiral. Die Raupe desHolunderspanners (Ourapteryx sambucaria) ist gar auf die Pflanze spezialisiert, und auch der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) – die grösste und sicher spektakulärste Schwärmerart – nutzt den Holunder als Futterpflanze. Sobald im August die schwarzen Früchte reif sind, wird der Holunder zu einem Paradies für Vögel. 62 Vogelarten wurden als Nutzer der Beeren nachgewiesen, wobei sich auch Säugetiere wie Sieben- und Gartenschläfer die Früchte schmecken lassen. Nicht zuletzt können Blüten zu Sirup und die Beeren zu Gelee verarbeitet werden.

Ähnlich wie der Holunder produziert auch der Gemeine Liguster (Ligustrum vulgare) im Frühsommer Blüten, die Insekten von nah und fern anziehen. Nicht nur Schwebfliegen und Käfer lieben die Pollen und den Nektar, auch Wildbienen und Schmetterlinge wie der spezialisierte Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri) fliegen die Blüten an. Die Beeren sind für Menschen leicht giftig und sollten nicht verzehrt werden, dienen im Winter jedoch als wertvolle Nahrungsquelle für über 20 Vogelarten.

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Als krautartiger Strauch mit hübschen rosa Blüten wurde das aus dem Himalaya stammende Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) im 19. Jahrhundert auch in Europa als Zier- und Honigpflanze zum Hit. Allerdings macht die Staude ihrem Namen alle Ehre: Die Samen verbreiten sich über eine explosionsartig aufspringende Kapsel mehrere Meter weit von derUrsprungspflanze weg. Gerade auf nährstoffreichen Böden fühlt sich das Drüsige Springkraut sehr wohl, breitet sich rasch aus und verdrängt heimische Pflanzen. Während das Springkraut ansonsten harmlos wirkt, fordert der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) trotz für Insekten attraktiver, riesiger Blütendolden seine Opfer: Die stark giftige Pflanze löst bei Hautkontakt im Zusammenspiel mit Sonnenlicht heftige, verbrennungsähnliche Symptome aus.

Als Alternative bietet sich Mädesüss (Filipendula ulmaria) an. Die krautige Pflanze mit ihren an Ulmen erinnernden Laubblättern bildet im Sommer rispenförmige, weisse Blütenstände, die vor allem bei Wildbienen auf grosse Gegenliebe treffen. Die Pflanze dient Raupen von über einem Dutzend Schmetterlingsarten als Futterpflanze, darunter dem Schönbär (Callimorpha dominula) und dem Mädesüss-Perlmuttfalter (Brenthis ino).

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Wer es lieber gelb statt weiss mag, ist von den nordamerikanischen Goldruten (Gattung Solidago) fasziniert. Die üppig blühende Pflanze beschränkt sich jedoch schon längst nicht mehr auf Gärten, sondern breitet sich als konkurrenzfähige Pionierin auf vielen Brachflächen und an Wiesenrändern aus. Sie produziert sehr viele Samen und ist daher nur schwer aufzuhalten. Dabei verdrängt sie einheimische Pflanzen und verändert ganze Lebensräume.

Dabei ist die einheimische Grossblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) mit einer Wuchshöhe von bis zu zwei Metern nicht weniger beeindruckend. Zwischen Juni und September zieht sie mit ihren grossen, gelben Blüten vor allem Wildbienen an. Die Raupen zweier Mönchsfalterarten (Gattung Cucullia) sind gar auf die Königskerze als Futterpflanze spezialisiert.

Auch der ebenfalls gelb blühende Rainfarn (Tanacetum vulgare) zieht Insekten geradezu magisch an. Ganze 81 Wildbienenarten wurden an seinen Blüten gezählt, zudem eine Vielzahl von Schwebfliegen,Käfern und Schmetterlingen. Auch hier gibt es mit den Raupen des Rainfarn-Mönchs (Cucullia tanaceti) und des Rainfarn-Blütenspanners (Eupithecia millefoliata) zwei auf die Futterpflanze spezialisierte Schmetterlingsarten. Den getrockneten Blättern sagt man jedoch den gegenteiligen, wenn auch praktischen Effekt nach, dass sie Motten vertreiben sollen.

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Als Heckenpflanze war der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) als Alternative zur Thuja lange aus keinem Garten wegzudenken. Seit man jedoch weiss, dass Vögel die Beeren und damit auch die Samen über weite Distanzen verbreiten und der Kirschlorbeer besonders an Waldrändern anfängt, dichte Bestände zu bilden und heimische Pflanzen zu verdrängen, gilt er als verpönt und sein Verkauf ist verboten. Einheimische Alternativen gibt es genügend.

Der Gemeine Liguster übernimmt nicht nur die Aufgabe einer Bienenweide, sondern eignet sich mit seinen dicht stehenden Ästen auch gut als Sichtschutz in Hecken. Er ist schnittverträglich und damit fast beliebig formbar, zudem schnellwachsend und kann durch Stecklinge vermehrt werden. Im Herbst wirft er allerdings – im Gegensatz zum Kirschlorbeer – sein Laub ab.

Wer eine immergrüne, heimische Alternative sucht, wird bei der Eibe (Taxus baccata) fündig. Sie gehört wie die Thuja zu den Nadelhölzern und bildet kugelige Zapfen. Ihre Beeren werden von 24 Vogelarten und einigen Kleinsäugern gefressen. Zusammen mit der ebenfalls immergrünen Stechpalme (Ilex aquifolium) – einer weiteren Alternative – bildet sie in Hecken ein wichtiges Nist- und Schutzgehölz für Vögel. Die Blätter und Beeren beider Pflanzenarten sind giftig, sodass man kleine Kinder und neugierige Haustiere davon fernhalten sollte.

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