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Ein «Muh» auf Zeit - Kühe vermieten

Auf der Seealp im Alpstein setzt der findige Landwirt Albert Breitenmoser eine ausgefallene Geschäftsidee um: Hier kann man den Sommer über Kühe mieten.

Albert Breitenmoser hat mit seiner Kuhvermietung eine echte Marktlücke entdeckt. Die Nachfrage ist gross. Kein Wunder, schliesslich kann man mit einer «eigenen» Kuh auf Zeit einmal völlig dem Alltag entfliehen, sich als Hobbylandwirt, Senner oder Aussteiger fühlen.

Die Seealp, auf der sich die Alphütte der Familie Breitenmoser befindet, liegt in einem Hochtal am Fusse des Säntis. Sie ist in etwa 50 Minuten Fussmarsch ab Wasserauen zu erreichen. Hier grasen im Sommer etwa 100 Kühe und ebenso viele Jungtiere, die von sieben Bewirtschaftern betreut werden. 19 Kühe davon vermietet Familie Breitenmoser. Doch wie kam der Landwirt aus Eggerstanden überhaupt darauf? «Den Ursprung der Idee hatte ich, als ich 1996 in Ontario,Kanada, zu Besuch auf einer Farm eines damals bekannten Viehzüchters war. Dieser Züchter hat seine Topkühe an wohlhabende Leute verkauft, so wie das oft bei Rennpferden der Fall ist. Die Kühe blieben aber auf der Farm und der Züchter hat sich dann im Auftrag der neuen Besitzer um die Kühe gekümmert. Ganz ähnlich sieht das bei Kühe-mieten aus. Ich sehe das so, dass ich mich während der Mietdauer, also etwa ein bis drei Monate, im Auftrag der Kuhmieter um ihre gemietete Kuh kümmere, sie betreue und mich dafür bezahlen lasse», erzählt Albert Breitenmoser. Dass dieses Projekt gutankommt, sieht man am grossen Liebhaberkreis. «Es kommen alle, Familien, Paare, Singles, aus allen Altersklassen und Bevölkerungsschichten. Oft ist die Kuh-Miete ein Geschenk an jemanden», so der Landwirt.

«Schon 10 Jahre vor ihrem Tod habe ich Selma versprochen, dass sie nie in den Schlachthof muss.»

Der Mietpreis einer Kuh für eine Alpsaison, die von Anfang Juni bis Ende August dauert, beträgt 390 Franken. Im Preis enthalten sind unter anderem der jederzeitige Besuch der Kuh gegen kurze Voranmeldung, Mithilfe beim Melken, ein Besuch in der Käserei, eine Übernachtung in der Alphütte mit einfachem Bauernfrühstück für die ganze Familie, eine Bootsfahrt auf dem romantischen Seealpsee direkt vor der Haustür und ein Erinnerungsfoto des Tieres. Weitere Übernachtungen können gegen Aufpreis dazu gebucht werden.

Wahre Kuhliebe

Es ist jedoch auch nur eine einmonatige Kuhmietung möglich. Einige Liebhaber sind inzwischen zu Dauermietern geworden. «Einer hat schon seit 2007 jedes Jahr dieselbe Kuh gemietet. Ein anderer seit etwa acht Jahren, jeweils für seine Enkel, die sich die Kuh dann bei uns auf dem Talbetrieb selbst aussuchen», sagt Breitenmoser. «Wenn die Alpsaison beginnt, sind dann alle Kühe vermietet.

Ab April/Mai des aktuellen Jahres biete ich den Bewerbern jeweils für den Alpsommer im nächsten Jahr eine Kuh an. Für diese stelle ich jeweils Gutscheine aus als Garantie, dass eine Kuh für sie reserviert ist. Ich informiere die aktuellen Kuhmieter auch immer über den Alpauffahrtstermin und wenn sie möchten, dürfen sie dabei sein. Oft ist dieser Termin aber sehr kurzfristig», so der Landwirt.

Jede einzelne Kuh hat ihren ganz eigenen Charakter, bestimmte Vorlieben und Eigenheiten. «Die Kühe gehören mit einer Ausnahme alle der Rasse Schweizer Braunvieh an. Diese Rasse ist genügsam, hat ein angenehmes Temperament und kann vorzüglich mit den schwierigen Bedingungen auf der Alp umgehen. Im Winter sind die Kühe auf dem Talbetrieb in Eggerstanden in der Nähe von Appenzell. Es gibt einzelne Mieter, die ihre Kuh auch dort mal kurz besuchen», erzählt Albert Breitenmoser. Auf die Frage, ob er selbst eine Lieblingskuh habe, sagt er: «Meine momentanen Lieblingskühe sind Mary, Helena, Meisli, Polly und Hanni. Meine allerliebste Kuh jedoch war die Selma. Sie wurde 19 Jahre und 26 Tage alt. Ich glaube, ich werde es nie mehr zulassen, dass eine Kuh so tief in mein Herz eindringt, wie es die Selma gemacht hat. Schon ca. zehn Jahre vor ihrem Tod habe ich ihr versprochen, dass sie nie in einen Schlachthof muss. Mir kommen heute noch die Tränen vor Wehmut, wenn ich an die schwere Zeit zurückdenke, als ich gesehen habe, dass ich mich von Selma trennen muss. Dies war dann leider am 7. Februar 2020 der Fall. Ich hatte immer enormen Respekt davor, zu erkennen, wann es für ein Tier besser ist, es gehen zu lassen. Ich glaube aber, dass ich diesen Zeitpunkt sehr gut ausmache», so der Landwirt mit dem riesen grossen Herz für Kühe.

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