Es ist Kirschblütenzeit – nicht nur in Japan, sondern auch in der Schweiz. Zwischen März und Mai, hier und da etwas früher oder später, erblühen die Kirschbäume in reinem Weiss oder strahlendem Rosa. Neben dem Hang am Rosengarten zum Aargauerstalden ist im Kanton Bern ein weiterer Ort für seine Kirschbäume und deren Kirschen berühmt: In der Thunersee-Region, genauer gesagt zwischen dem Gwattgraben und dem Tellergut, befindet sich die Bäuert Einigen, ein Teil der Gemeinde Spiez. Von ebendieser Bäuert stammt die Kirsche mit dem schillernden Namen Schöne von Einigen. Dank des milden Seeklimas war die Region rund um Spiez und Wimmis von jeher ein begünstigtes Kirschenanbaugebiet; nebst der Schönen von Einigen ist es auch die Herkunftsregion der schwarzen Thomannkirsche, Schüpfkirsche und roter Eigenkirsche.
Gemeinhin auch bekannt als Einiger Plüderkirsche, ist die Schöne von Einigen eine mittelgrosse bis grosse, schwarzbraune, matte, kugelige und herzförmige Frucht. Im mittleren Reifebereich, meistens ab Ende Juni, kann die Kirsche geerntet werden und weisst hierbei ein saftig-süssliches Fruchtfleisch auf. Es ist jedoch sehr weich und locker – daher auch der Spitzname. Wie Dr. Fritz Kobel bereits 1937 in seinem Standardwerk «Die Kirschensorten der deutschen Schweiz» festhält, eigne sie sich für den Transport nicht, weswegen er sie für die Verbreitung nicht empfahl. Für die Zubereitung von Kirschmus ist sie jedoch ideal, wie es in Wimmis schon lange Tradition ist.
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Wimmiser «Chirschmueset»
Jährlich werden Ende Juni oder Anfang Juli in Wimmis dunkle Saftkirschen zu einer jahrhundertealten Delikatesse verarbeitet. Allen voran die Schöne von Einigen. Sie eignet sich aufgrund ihrer Beschaffenheit und Regionalität bestens für die Herstellung des «Chirschmueses». Vier bis sieben Tage lang werden von Dorfbewohnern täglich bis zu 600 Kilogramm verarbeitet – bei Tag und bei Nacht. Hierbei werden die angelieferten Kirschen aus der Region sortiert, in Fässern mit einem überdimensionierten Stabmixer püriert und schliesslich als Saft mit Holzstöcken aus dreieckigen Leinensäcken gestreift. Der gewonnene Kirschsaft wird in einem 300 Liter fassenden Kupferkessel zwischen zehn und zwölf Stunden bei ständigem Rühren gekocht und langsam zu einer schwarzen Masse verdickt. Das schliesslich in Gläser abgefüllte und dadurch lange haltbare «Chirschmueset» wird zum Backen (z.B. für Spitzbuben oder Kuchen), als Brotaufstrich, Beilage zu geschwellten Kartoffeln oder Hausmittel gegen Hals- und Bauchschmerzen genutzt. Gerade bei Diabetikern ist das süssliche und zugleich leicht bitterliche Mus, welches als Naturprodukt ausschliesslich Fruchtzucker beinhaltet, sehr beliebt. Nachdem 2023 aufgrund von regionalem Kirschenmangel das Wimmiser Chirschmueset nicht stattfinden konnte, hofft man dieses Jahr auf Fortsetzung dieser alten Tradition.

