Nach der Sommerdürre wird für Kühe auf vielen Höfen schon das Winterfutter knapp

Die Dürre des Sommers hat vielen Landwirten stark zugesetzt. Auch wenn der Regen zuletzt etwas Entlastung gebracht hat, bleibt das Futter knapp. Simone Barth, Chefredaktorin der Bauernzeitung, die im selben Verlag wie die TierWelt sitzt, hält auf ihrem Hof Milchkühe mit eigener Aufzucht. Sie erklärt, wie sich die Sommerdürre noch jetzt auf ihren Betrieb auswirkt.

Frau Barth, wie geht es Ihrem Rinderbestand?

Im Juli grassierte auf vielen Talbetrieben das Orthobunya-Virus – auch bei uns. Fieber, Durchfall und Milcheinbussen waren die Folge, mit intensiver Betreuung und Homöopathie hatten wir die Lage aber im Griff. Keine Kuh musste geschlachtet werden, einzig eine ältere Kuh hatte einen Abort. Inzwischen haben sich die Tiere erholt und sind wieder vermehrt auf der Weide, weil dort nun wieder etwas Gras wächst. Auch die vielen Kälber, die in dieser Zeit zur Welt kamen, sind gesund.

Wie konnten Sie Ihren Tieren in der Hitze etwas Gutes tun?

Kühe reagieren sehr rasch mit Hitzestress. Deshalb setzen wir jeden Sommer auf mehrere Massnahmen: Lüfter von verschiedenen Seiten, einen selbst eingebauten Deckensprinkler, der rund um die Uhr läuft, und Fussbäder im Laufhof, die die Tiere sehr schätzen. Wichtig sind zudem eine ausreichende Salzversorgung und eine intensive Beobachtung der Tiere. In den kühleren Morgenstunden konnten die Kühe zudem auf der Weide liegen – auch wenn dort über Wochen kaum Gras nachwuchs, tat ihnen das gut.

Was fressen Ihre Tiere derzeit?

Wir füttern schon seit mehreren Wochen die Wintervorräte, denn Raufutter wie Heu ist derzeit generell schwer zu bekommen. Wir konnten deutlich weniger Futter für den Winter produzieren als in anderen Jahren, auch Mais. Trotzdem ist Mais heuer besonders wichtig, damit wir alle Tiere gut versorgen können. Wir mischen ihn mit Stroh aus der eigenen, pestizidfreien Getreideproduktion, was eine Mischung von guter Qualität ergibt. Statt einer Gründüngung – dem Anbau von Pflanzen zur Bodenverbesserung, die nicht geerntet werden – haben wir heuer Zwischenfutter angesät. Damit dies aufgeht, sind wir jetzt auf Regen angewiesen.

Denken Sie darüber nach, längerfristig etwas an Ihrer Strategie zu ändern, um mit kommenden Dürren zurechtzukommen?

Ja. Es braucht schon ein Umdenken, man muss die Strategien anpassen. Wir werden vermehrt auf trockenheitsresistente Pflanzen wie Luzerne, Hirse, Spitzwegerich oder Chicorée setzen. Uns ist eine graslandbasierte, sojafreie Fütterung wichtig – ein Thema auch im IP-Suisse-Programm Wiesenmilch. Zudem halten wir den Rindviehbestand tiefer als in anderen Jahren und ziehen die Kälber in einer Ammengruppe auf, um den Kreislauf auf dem Betrieb stärker zu schliessen; Zukäufe versuchen wir zu vermeiden. Das braucht Mut. Letztlich müssen aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten mitziehen: Eine Landwirtschaft, wie wir sie in der Schweiz haben, lässt sich nur erhalten, wenn wir sie nicht am Ausland messen und bereit sind, dafür einen entsprechend höheren Preis zu bezahlen. Da haben wir alle noch Hausaufgaben.

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