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Der Polarfuchs lässt den Ostschweizer Fotografen Stefan Forster seit 20 Jahren nicht los

Stefan Forster hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten Polarbären, Polarfüchse, Wale und Rentierherden vor seiner Kamera gehabt. Im Interview erzählt der Ostschweizer, was für ihn ein gutes Foto ausmacht, wie die BBC auf ihn aufmerksam wurde und weshalb seine besten Bilder im Winter entstehen.

Herr Forster, Sie reisen als Fotograf und Filmemacher seit über 20 Jahren in die entlegensten Regionen Nordeuropas. Wissen Sie noch, wohin Sie Ihre allererste Reise genau geführt hat?

Ja, meine erste Reise führte mich nach Island. Beruflich wusste ich lange nicht, was ich machen will. Eines Tages sah ich im Internet Bilder von einem Berg in Island, die ein österreichischer Wanderer und Hobbyfotograf geschossen hatte. Und als hätten die Engel im Himmel «Halleluja» gerufen, wusste ich: Das will ich auch. So wurde es zu meinem ersten grossen Lebensziel, diesen Berg zu sehen. Ich hüpfte ins Auto und kaufte mir alles, was ich mir mit meinem kläglichen Lohn damals leisten konnte. In Island angekommen, durchlief ich in 18 Tagen das Hochland, bis ich den Berg erreichte. So begann meine Liebe für schöne Landschaften.

Damals waren Sie erst 18 Jahre alt. Waren Sie nervös?

Sehr. Obwohl ich keiner bin, der Heimweh hat – im Gegenteil. Ich war derjenige, der geweint hat, wenn ich von einem Schullager wieder nach Hause musste. Ich habe die besten Eltern und Geschwister, an ihnen lag es überhaupt nicht. Aber ich bin einfach sehr gerne unterwegs. Dementsprechend war es schon eine Nervosität, aber noch viel mehr eine Freude. Das Einzige, was mich am ersten Abend wirklich getroffen hatte, war die Einsamkeit. Damals war Island noch kein bekanntes Reiseziel. Wären mir im Hochland nicht der Goldregenpfeifer und viele andere Tierarten begegnet, hätte ich wohl sehr darunter gelitten. Doch so fühlte ich mich gut.

Abgedrückt im perfekten Moment: Dieser Buckelwal taucht zum Luftholen an die Oberfläche auf. (Bild: Stefan Forster)

Was fasziniert Sie an Fotografie?

Das Schöne ist, eine Momentaufnahme zu kreieren. Mit einer Fotografie kann man Emotionen, Lichtstimmungen, einfach einen kurzen Augenblick, den man gerade erlebt, festhalten. Ich hatte schon immer grosse Probleme, mir Gesichter zu merken. Je mehr ich erlebe, desto schlimmer wird es (lacht). Ein Foto ist für mich daher auch eine Art Notizzettel.

Sie haben sich auf Landschafts- und Tierfotografie spezialisiert. Warum?

Ich vergleiche die Fotografie gerne mit dem Beruf des Mechanikers. Es gibt Auto-, Flugzeug- oder Feinmechaniker – doch diese Berufe haben gar nicht so viel gemeinsam. So ist es auch in der Fotografie: Probiert man alles aus, wird man nie in einer bestimmten Sparte richtig gut werden. Und in einem Bereich richtig gut zu werden, war eigentlich schon immer mein Ziel. Ich hatte 18 Jahre Klavierunterricht, habe aber aufgehört, weil ich gemerkt habe, dass ich nie zu den Top-10-Klavierspielern der Welt gehören werde.

Sie hatten bereits Polarbären und -füchse, Buckelwale, Walrösser und Rentierherden vor der Linse. Welches Tier hat Sie besonders beeindruckt?

Sie beeindrucken mich alle. Alle Tiere in der hohen Arktis haben meinen allerhöchsten Respekt verdient. Doch das Tier, das mich nunmehr seit 20 Jahren verfolgt und von dem ich nicht genug kriegen kann, ist der Polarfuchs. Meine ersten zwei Jungfüchse sah ich in Island, doch die sind schnell davongerannt. Das Spannende an den Polarfüchsen ist, dass sie dich sehen und einschätzen, ob du eine Gefahr bist oder ob du Futter für sie hast.

Ihr Motto lautet: «Geh deinen Weg nicht auf ausgetretenen Pfaden». Was meinen Sie damit?

Eine andere Variante davon würde lauten: «Geh nicht den Weg des geringsten Widerstandes.» Mein grösstes Hobby ist Wandern. Meine schönsten Erlebnisse hatte ich jeweils abseits der gängigen Wanderwege. Für mich bedeutet das Motto daher: Wenn die ganze Welt gerade einen Hype durchlebt, geh einen anderen Weg. Doch mittlerweile ist es schwierig geworden, diese neuen Pfade überhaupt noch zu finden.

In Spitzbergen abgelichtet: ein Polarfuchs. (Bild: Stefan Forster)

Auf Ihrer Website schreiben Sie, pro Reise würden Ihnen gerade einmal zwei bis fünf richtig gute Bilder gelingen. Was macht für Sie ein gutes, gelungenes Foto aus?

Als ich mit der Fotografie begonnen habe, fand ich jedes Bild, das ich gemacht habe, gut. Ich kam mit 2’000 Bildern nach Hause und habe diese alle auf meiner Website veröffentlicht. Doch je länger man fotografiert, desto mehr steigen die Ansprüche. Mittlerweile sind sie so hoch, dass ich pro Reise nur wenige Bilder publiziere. Das sind vor allem Topshots – also Bilder, die ich in einen Kalender packen und einen Monat lang anschauen wollen würde.

Ihre Filmaufnahmen wurden unter anderem in verschiedenen Arte-Dokumentationen, der BBC und in einer Hollywood-Produktion von Warner Brothers verwendet. Gab es je einen Moment, wo Sie sich gedacht haben: «Jetzt habe ich es geschafft»?

Ich arbeite bereits seit über 14 Jahren mit Drohnen. Heutzutage sind sie so weit entwickelt, dass man fast vor einem Polarbären landen kann, ohne dass dieser reagiert. Dieses Filmmaterial habe ich auf meinem kleinen YouTube-Kanal publiziert. Durch die Coronapandemie fiel 2020 von heute auf morgen mein ganzes Business in sich zusammen. Ich musste alle meine Reisen absagen, auch eine geplante Vortragsreihe konnte nicht stattfinden. Meine finanzielle Lebensgrundlage wurde mir innerhalb von ein paar Wochen entzogen. Doch das ging nicht nur mir so. Damals machte sich die BBC auf die Suche nach bereits bestehendem Filmmaterial und stiess schliesslich auf meinen YouTube-Kanal. So kam es, dass ich innerhalb eines Jahres mein Geld nicht mehr mit Reisen, dem Verkauf von Fotos oder Kursen verdient habe, sondern nur noch mit Filmmaterial. Die BBC rettete meine Firma durch die Pandemie. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich war so dankbar und glücklich – und bin es immer noch.

Für die Kamera scheint sich diese Walross-Herde gerne in Pose zu setzen. (Bild: Stefan Forster)

In der Explora Live-Show «Im Reich der Lichter II» werden Sie im Januar und Februar das Publikum auf Ihre Reisen in Island, Norwegen, Grönland, Finnland und Spitzbergen mitnehmen. Können Sie uns eines Ihrer persönlichen Highlights aus Ihren Vorträgen verraten?

Tiere werden bei diesem Vortrag viel Platz einnehmen. Ich versuche, die Show so zu gestalten, dass man sowohl Landschaften aus dem Norden als auch Tiere erlebt und dass die Suche nach der authentischen Heimat der Polarbären den schönen roten Faden bildet. Doch auch Polarfuchs-Geschichten werden eine Rolle spielen. Mein Ziel ist es, dass die Leute zwei Stunden lang begeistert sind und nie ein Gefühl von Langeweile entwickeln.

Wohin wird Sie Ihre nächste Reise im Jahr 2027 führen?

Nach dieser Vortagsreihe geht es wieder nach Spitzbergen. Der Winter ist die schönste Zeit, um diesen Ort zu besuchen. Die Sonne ist tief, das Licht schön und die Tiere haben ihren Winterpelz. Daher entstehen die richtig guten Aufnahmen fast immer in der kalten
Jahreszeit.

Alleine unterwegs: Eisbären können bis zu 70 Kilometer pro Tag wandern. (Bild: Stefan Forster)

Verlosung

Die TierWelt verlost 3 x 2 Tickets für die Show
«Im Reich der Lichter II» mit Stefan Forster.

Wettbewerbsfrage:

Wo entdeckt Stefan Forster Polarbären, die entlang von mächtigen Gletscherfronten wandern?

Kleiner Tipp: Die Lösung finden Sie unter anderem auf der Explora-Website.

So sind Sie dabei: Senden Sie eine E-Mail oder Postkarte mit der Lösung und dem Vermerk «Im Reich der Lichter II» sowie Ihrem Wunschtermin an: Schweizer Agrarmedien AG, Magazin TierWelt, Talstrasse 3, 3053 Münchenbuchsee, oder eine E-Mail an: kontakt@tierwelt.ch

Teilnahmeschluss: 12. November 2026

Die Gewinnerinnen oder die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Keine Barauszahlung. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Mitarbeitende der Schweizer Agrarmedien AG sind nicht teilnahmeberechtigt.

Explora-Live-Show

Ab dem 7. Januar 2027 ist Stefan Forster mit «Im Reich der Lichter II» auf Livetournee in der Schweiz zu erleben. Alle Infos und Tickets auf explora.ch.

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