Mitten im Atlantik, rund 1400 Kilometer von Europa und 1930 Kilometer von Nordamerika entfernt, liegen die Azoren. Die aus neun vulkanischen Inseln bestehende portugiesische Inselgruppe ist ein Rückzugsort für alle, welche Ruhe und die Weite des Ozeans schätzen. Erreichbar sind die Hauptinseln per Flugzeug vom portugiesischen Festland aus.
Das ozeanisch-subtropische Klima sorgt für milde Winter und angenehm warme Sommer. Die Temperaturen liegen im Winter durchschnittlich bei 17 Grad, im Sommer bei etwa 25 Grad. Das berühmte Azorenhoch garantiert allerdings keinen dauerhaften Sonnenschein: Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit bilden sich häufig Wolken, die ebenso rasch wieder verschwinden.

Zusammen mit Madeira, den Kanaren und den Kapverden gehören die Azoren zur biogeografischen Region Makaronesien und gelten als Biodiversitäts-Hotspot. Rund 70 Pflanzenarten kommen ausschliesslich hier vor, darunter der Azoren-Lorbeer (Laurus azorica) und die Azorenglockenblume (Azorina vidalii). Wie auf vielen isolierten Inseln setzt jedoch auch hier die Ausbreitung invasiver Arten der einheimischen Flora zu. So verdrängt zum Beispiel die Australische Klebsame (Pittosporum undulatum) zunehmend den heimischen Lorbeer. Auch die charakteristischen Hortensien (Hydrangea macrophylla) wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts aus Ostasien eingeführt und breiten sich seither stark aus.
Ein Hauch von Atlantis
Seit der Antike ranken sich Sagen um die geheimnisvollen Inseln im Atlantik. Gelegentlich werden die Azoren auch mit der Legende von Atlantis in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich wurden die Inseln ab etwa 700 n. Chr. von Siedlern aus Norwegen besucht, die Vieh mitbrachten. Genetische Untersuchungen zeigen zudem, dass die Hausmäuse auf den Azoren von Populationen aus ehemaligen Wikingergebieten abstammen. Vor der Ankunft des Menschen war der endemische Azoren-Abendsegler (Nyctalus azoreum) das einzige einheimische Landsäugetier. Heute leben unter anderem Kaninchen, Frettchen und Igel auf den Inseln. Rehe, Hirsche, grosse Raubtiere oder giftige Tiere fehlen hingegen.

Paradies für Wal- und Vogelfreunde
Ihre grösste Attraktion entfalten die Azoren jedoch im und auf dem Meer. Zwischen Juni und Oktober lassen sich bei Tauchgängen Mantas, Teufelsrochen, Mondfische und verschiedene Haiarten beobachten. Vor Faial und Pico liegt die legendäre Princess Alice Bank, ein Hochseeberg, der für grosse Barrakudaschwärme bekannt ist. Die Banco Dom João de Castro vor São Miguel beeindruckt mit vulkanischen Unterwasserlandschaften sowie Delfinen und Grossfischen. Wer lieber an der Oberfläche bleibt, kann an einer Whale-Watching-Tour teilnehmen. Mehr als 20 Wal- und Delfinarten leben rund um die Inseln oder ziehen saisonal vorbei. Die beste Reisezeit dafür ist von April bis Oktober, besonders auf Pico, Faial und São Miguel.
Auch Vogelbeobachter kommen auf ihre Kosten. Neben rund 30 heimischen Brutvogelarten, darunter der endemische Azorengimpel (Pyrrhula murina), ziehen die Azoren zahlreiche Zugvögel und regelmässig auch amerikanische Irrgäste an. Insgesamt wurden bisher rund 400 Vogelarten nachgewiesen. Die Azoren beherbergen einen der weltweit wichtigsten Brutbestände des Sepiasturmtauchers (Calonectris diomedea). São Miguel und Graciosa eignen sich besonders zur Beobachtung endemischer Arten. Auf Graciosa brütet zudem die äusserst seltene Monteiro-Sturmschwalbe (Oceanodroma monteiroi). Terceira ist bekannt für Möwen und Watvögel, Flores und Corvo für amerikanische Singvögel wie Kronenwaldsänger (Setophaga coronata), Grünmantel-Waldsänger (Setophaga virens), Weisskehlammer (Zonotrichia albicollis), Rotflügelstärling (Agelaius phoeniceus) und Bobolink (Dolichonyx oryzivorus).

Krater, Steilküsten und Wasserfälle
Neben ihrer Tierwelt begeistern die Azoren mit spektakulären Vulkanlandschaften, wobei jede Insel ihren eigenen Charakter besitzt. Wer nur eine Woche Zeit hat, konzentriert sich am besten auf São Miguel. Zu den Höhepunkten zählen der Vulkankrater Sete Cidades mit seinem blau-grünen Doppelkratersee, der Kratersee Lagoa do Fogo sowie die Thermalquellen von Furnas.
Die Inseln sind per Fähre oder Flugzeug miteinander verbunden. Aufgrund der teils grossen Distanzen
sollte für Inselwechsel genügend Zeit eingeplant werden. Ob über oder unter Wasser, zu Fuss oder vom Aussichtspunkt aus – die Azoren gehören zu den eindrucksvollsten Naturdestinationen Europas. Wer sich auf die Langsamkeit und Abgeschiedenheit der Inseln einlässt, entdeckt eine aussergewöhnliche Naturwelt, die ihresgleichen sucht.
Weitere Highlights der Azoren:
Monte Pico (Pico): Mit 2351 Metern der höchste Berg Portugals; die umliegenden Lavastein-Weinberge gehören zum UNESCO-Welterbe.
Algar do Carvão (Terceira): Begehbarer Vulkanschlot.
Horta Marina (Faial): Berühmter Hafen für Atlantiksegler mit bunt bemalter Hafenmauer.
Poço da Ribeira do Ferreiro (Flores): Spektakulärer Wasserfallkessel mit zahlreichen Wasserfällen und üppiger Vegetation.
Caldeirão (Corvo): Gewaltiger Vulkankrater mit mehreren kleinen Seen.
Furna do Enxofre (Graciosa): Vulkanhöhle mit unterirdischem See.
Barreiro da Faneca (Santa Maria): Rötliche Tonlandschaft, die an eine Marslandschaft erinnert.

