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Schweizer Sennenhunde

Die Schweiz ist der Hort der Sennenhunde. Von neun Schweizer Hunderassen sind vier typische Sennen- oder Hofhunde. Bis heute gehören die Wächter und Treiber zu Bauernhäusern und auf Alpen.

Bäri geht ab wie der Blitz. «Gang se ga reiche!», lässt er sich nicht zweimal sagen. Sein Meister steht unten bei der Alphütte, während der Appenzeller Sennenhund wie ein Pfeil das stotzige Bort hochrennt. Weit oben sind als Punkte die Gusti oder Rinder auszumachen.

Bäri mit seinem typischen gekringelten Schwanz geht überlegt vor. Von Anfang an rennt er im Halbkreis hoch, prescht nicht irgendwo mitten in die Herde und versprengt sie. Es dauert nicht lange, und das Vieh springt den Hang hinab. Bäri hat mit hechelnderZunge alle im Blick, webt auf und ab, wieselt im Halbkreis hin und her – und bewirkt, dass alle, als würden sie in einen Trichter trotten, zur Türe der Alphüttehineindrängen. Er bellt und zwickt auch mal einabtrünniges Rind kurz in den Hinterlauf, immer auf der Hut, dass es ihn nicht trifft, wenn es ausschlägt.

Bei Appenzeller Sennenhunden ist das Treiben von Tieren genetisch angelegt. Bäri wirkt oberhalb von Adelboden im Berner Oberland. Dass er aber alsAppenzeller bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr. Entstanden ist die Rasse nämlich im Appenzell. Im Volksmund wird oft auch einfach vom Appenzeller Bläss gesprochen, im Appenzell selber vom Tryberli oder Tryhond.

Ursprünglich geht die Rasse auf Bauernhundezurück. Erstmals wurde ein Vorfahre 1853 in «DasTierleben der Alpenwelt» von Friedrich von Tschudi erwähnt. Bis zum Beginn des 20. Jahrhundert sahen die Hunde verschiedenartig aus. Wichtig war, dass sie Tiere treiben konnten.

Erst nach der Klubgründung wurde 1914 ein Rassestandard festgelegt. Bis heute werden die kurzhaarigen Appenzeller Blässe als Treiber eingesetzt, werden aber auch als Familienhunde geschätzt.

Sennenhunde, ein nationales Kulturgut

Der Appenzeller gehört zu den vier Schweizer Sennenhunde-Rassen. Um jede kümmert sich ein Klub, welcher der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) angeschlossen ist. Neu hat auch Pro Specie Rara die Schweizer Sennenhunde in ein Erhaltungszuchtprogramm aufgenommen. Pro Specie Rara kümmert sich um die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Die SKG und Pro Specie Rara wollen die einmaligen Schweizer Sennenhunde-Rassen bewahren. Es werden deshalb neue Halter und Züchterinnen gesucht, um die genetische Vielfalt einesnationalen Kulturguts zu erhalten.

Schweizer Sennenhunde sind alteingesesseneRassen, die bereits vor 4000 Jahren hier lebten. Das bestätigt auch der Schweizer Hundekundler und Ehrendoktor Hans Räber (1918-2008) in seiner «Enzyklopädie der Rassehunde». Sennenhunde wurden während Jahrtausenden als Wächter, Treiber undspäter auch als Zugtiere gebraucht.

Der ursprünglichste der vier Sennenhunde ist der Grosse Schweizer Sennenhund. Seine Entstehung reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der klassische Hofhund bewacht, hütet das Vieh, zieht Wagen und ist demBerner Sennenhund sehr ähnlich. Er unterscheidet sich von diesem durch die kurzen Haare. Aufgrund seines lieben Wesens wird er auch als Familienhund geschätzt.

Der Grosse Schweizer Sennenhund ist kurzhaarig. Seine Ursprünge reichen viele Jahrhunderte zurück in der Schweiz.
Der Grosse Schweizer Sennenhund ist kurzhaarig. Seine Ursprünge reichen viele Jahrhunderte zurück in der Schweiz.

Gemütlich, behäbig, ruhig – diese Attribute charakterisieren auch den Berner Sennenhund. Der lang-haarige Hund ist anhänglich und schätzt den innigen Kontakt zum Menschen. Wer hat es nicht schon auf einem Spaziergang erlebt: Der Berner Sennenhund kommt bellend, dann schwanzwedelnd vom Bauernhaus her hinzu, freut sich über Aufmerksamkeit und lässt einen nicht mehr von dannen ziehen. Um das zu erreichen, setzt er sich auf die Füsse, streckt den Kopf an einem hoch, um sich an Kehle und Hals flattieren zu lassen.

Diese Rasse kristallisierte sich anfangs des 20. Jahrhunderts aus Hofhunden im Kanton Bern heraus. Die Berner Sennenhunde waren Wächter und zogenWägeli mit Milchkannen. In und um Dürrbach imEmmental lebten besonders viele auf Höfen. Deshalb wird auch oft vom Dürrbächler gesprochen. So heimelig wie diese Hunde aussehen, hinter dem liebenswürdigen, bärenhaften Wesen verbergen sich teilweise schwerwiegende Gesundheitsprobleme. Das verschweigen auch langjährige Züchterinnen nicht. Vera Wenger aus Röthenbach im Emmental beispielsweise züchtet diese Rasse seit 30 Jahren. Sie sagt: «Es beschäftigt mich, dass wir oft Hunde im Alter von nur sechs bis sieben Jahren verloren haben.» Sie erwähnt Krankheiten wie die Histiozytose. Dabei handelt es sich um eine aggressive Krebserkrankung, welcher viele Berner Sennenhunde im Alter ab sechs Jahren erliegen.

Fokus auf Charakter und Gesundheit

Vera Wenger sagt, dass diese Krankheit genetischbedingt sei. Sie strebt an, langlebigere Hunde zu züchten und hat darum einen Zuchtrüden aus Ungarnimportiert. Sie hofft, damit frisches Blut in die Linie bringen und so vererbbare Krankheiten ausschlagen zu können. Sie gibt zu bedenken, dass auch derCharakter der Hunde wesentlich sei. «Bei importierten Hunden kennt man ihn zu wenig.» Ihr neuer Rüde verhalte sich bisher aber vielversprechend. Der Weg vom Zentrum der Berner Sennenhunde, dem Emmental, in Richtung Luzern führt durch das Entlebuch. Es handelt sich, trotz der geografischen Verbundenheit, historisch um zwei getrennte Lebensräume. Zwischen dem reformierten Bern und dem katholischen Luzern bestanden früher nicht viele Verbindungen. Das hat auch die Entwicklung des kleinsten aller Schweizer Sennenhunde begünstigt. Der Entlebucher Sennenhund wurde erstmals 1889 erwähnt. Lange wurde er kaum vom Appenzeller Sennenhund unterschieden. Im Gegensatz zum Appenzeller trägt der Entlebucher seine Rute nicht über den Rücken, sondern schwebend. Zu gewissen Zuchtlinien des Entlebuchers gehört sogar eine Stummel-rute. Bereits 1913 fielen vier Exemplare des kleinen Treibhundes mit Stummelschwanz an einer Hundeausstellung in Langenthal (BE) auf. Vier verschiedene Rassen, die zur Schweiz gehören. Was alle eint: die Fellfarben schwarz, weiss und braun.

Grosser Schweizer Sennenhund

Starker Eigenwille, furchtlos, liebenswürdig, kurzhaarig, Widerristhöhe Rüde bis72 Zentimeter, Hündin bis 68 Zentimeter.

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Appenzeller Sennenhund

Lernwillig, bewegungs- und meldefreudig, kurzhaarig, Widerristhöhe Rüde bis 56 Zentimeter, Hündin bis 54 Zentimeter

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Entlebucher Sennenhund

Lebhaft, temperamentvoll, kurzhaarig, Widerristhöhe Rüde bis 52 Zentimeter, Hündin bis 50 Zentimeter.

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Berner Sennenhund

Gutmütig und freundlich, langhaarig, Widerristhöhe Rüde bis70 Zentimeter, Hündin bis 66 Zentimeter.

berner  sennenhund

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