Die Qual der Wahl

Die Auswahl an Katzenfutter ist riesig, die Versprechen auf den Verpackungen ebenso vielfältig. Doch was steckt tatsächlich im Futterbeutel – und worauf kommt es für die Katze am Ende wirklich an?

Ein Sack Katzenfutter ist schnell geöffnet, der Napf ebenso schnell gefüllt. Was darin steckt, ist allerdings weit weniger schnell ersichtlich. Ein Blick auf die Verpackung und deren Zutatenliste bringt selten die sofortige Gewissheit – zumindest nicht, wenn man nicht weiss, worauf man achten soll. Zu lesen sind: Fleisch, tierische Nebenerzeugnisse, Rohprotein, Rohfett, Mineralstoffe und Zusatzstoffe. Dazu kommen oft Versprechen wie «natürlich», «mit viel Fleisch» oder «getreidefrei». Doch was davon ist für die Katze tatsächlich wichtig? Und wie lässt sich erkennen, ob ein Futter auch wirklich alles bietet, was der geliebte Stubentiger benötigt?

Katzen sind Fleischfresser. Trotzdem brauchen sie weit mehr als möglichst viel Fleisch. Sie brauchen Protein, Fett, Vitamine, Mineralstoffe und weitere Nährstoffe in bestimmten Mengen. Einige davon sind für die Katze besonders wichtig, weil ihr Stoffwechsel auf sie angewiesen ist. Dazu zählt Taurin. Die Aminosäure ist wichtig für die Augen, das Herz und für die Bildung von Gallensäuren. Die Katze kann sie zwar selbst bilden, aber nicht in ausreichender Menge. Daher muss sie Taurin über die Nahrung aufnehmen können. In der Natur macht sie dies über ihre Beutetiere – etwa über Mäuse, die ihr reichlich Taurin bescheren.

Die Mischung macht’s

Auch bestimmte Aminosäuren, Fettsäuren und Vitamine müssen in der Nahrung der Katze vorhanden sein. Es kommt daher nicht auf die einzelne Zutat an, sondern auf die gesamte Rezeptur. Wer ein bestimmtes Futter als Hauptnahrung geben möchte, sollte deshalb zuerst prüfen, ob es sich um ein Alleinfuttermittel handelt. Ein solches Futter ist dafür vorgesehen, den täglichen Nährstoffbedarf der Katze abzudecken. Ein Ergänzungsfuttermittel ist dagegen für die Kombination mit anderen Futtermitteln gedacht.

Ein besonders wichtiger Baustein im Futter ist Protein. Es liefert Aminosäuren für Muskeln, Organe und zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Dabei ist jedoch ein hoher Proteinwert auf der Packung nicht automatisch ein Qualitätsbeweis. Entscheidend ist, welche Proteine enthalten sind und wie gut die Katze sie verdauen sowie verwerten kann. Wer Katzenfutter beurteilen möchte, sollte nicht nur auf eine schöne Verpackung achten, sondern auch einen Blick auf die Rückseite werfen. Dort kann beispielsweise «tierische Nebenerzeugnisse» zu lesen sein – das mag für manche nach vermeintlich minderwertigen Bestandteilen klingen. Tatsächlich können sich dahinter Organe und andere tierische Bestandteile verbergen, die für Katzen wertvolle Nährstoffe liefern. «Nebenerzeugnisse» darf deshalb nicht als Synonym für Abfall verstanden werden. Ähnlich leicht misszuverstehen sind die «analytischen Bestandteile». Sie zeigen, wie viel Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche das Futter enthält. Beim Rohprotein gilt: Katzen brauchen relativ viel davon. Ein hoher Wert ist grundsätzlich positiv, sagt aber noch nichts darüber aus, wie hochwertig die Proteinquellen sind. Dabei darf man die Zahlen von Nass- und Trockenfutter nicht direkt vergleichen: Weil Nassfutter viel Wasser enthält, fällt sein Proteinwert auf der Packung meist deutlich niedriger aus. Beim Rohfett ist nicht grundsätzlich ein niedriger Wert besser. Es liefert Energie und essenzielle Fettsäuren. Bei wenig aktiven oder übergewichtigen Katzen kann ein sehr energiereiches Futter jedoch ungünstig sein. Rohfaser kann die Verdauung unterstützen, sollte aber nicht in grossen Mengen enthalten sein. Der Rohaschewert zeigt, wie hoch der Anteil an mineralischen Bestandteilen ist. Erst der Blick auf die einzelnen Mineralstoffe zeigt, ob ihre Versorgung ausgewogen ist.

Auch wenn «Zusatzstoffe» aufgeführt sind, ist es kein Grund, eine Packung sofort zurück ins Regal zu stellen. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren. Gerade bei einem vollständig zusammengesetzten Futter können solche Stoffe notwendig sein, damit die gesamte Nährstoffversorgung stimmt. Ein Futter ohne Zusatzstoffe ist deshalb nicht automatisch die bessere Wahl.

Streitpunkt Getreide

Kaum ein Begriff polarisiert beim Katzenfutter so stark wie Getreide. Ihm wird nachgesagt, Katzen unnötig mit Kohlenhydraten zu versorgen, dick zu machen oder Allergien auszulösen. Für gesunde Katzen ist Getreide jedoch nicht grundsätzlich problematisch. Sie können die enthaltene Stärke durchaus verwerten. Bei Trockenfutter hilft sie zudem, die Kroketten zu formen. «Getreidefrei» bedeutet deshalb weder «kohlenhydratfrei» noch automatisch «gesünder». Eine Studie, die sich 77 verschiedene Trockenfutter genauer ansah, zeigte, dass auch getreidefreie Produkte Kohlenhydrate enthielten – etwa aus Erbsen, Linsen, Kartoffeln, Süsskartoffeln oder Tapioka. Im Rahmen der Studie gingen die Forschenden zudem darauf ein, wieso Halter oft zu getreidefreien Produkten greifen: Sie hielten Futtermittelallergien für verbreitet und Getreide für einen möglichen Auslöser. Als Auslöser von Futtermittelallergien werden bei Katzen jedoch vor allem tierische Proteinquellen wie Rind, Fisch oder Huhn beschrieben. Getreidebestandteile wie Weizen oder Mais können zwar ebenfalls Reaktionen auslösen, werden aber seltener genannt.

Scheint der Stubentiger eine Unverträglichkeit oder Allergie entwickelt zu haben, sollte tierärztliche Hilfe aufgesucht werden. So kann etwa mit einer Ausschlussdiät der Auslöser gefunden und die Fütterung gezielt angepasst werden. Natürlich spielt auch die Akzeptanz eine Rolle – schliesslich nützt das beste Futter nichts, wenn die Katze es nicht frisst. Zucker ist dafür jedoch nicht notwendig und liefert keinen essenziellen Nährstoff. Kleine Mengen machen ein Futter für eine gesunde Katze allerdings nicht automatisch ungeeignet. Entscheidend ist vielmehr, dass das Futter alle wichtigen Nährstoffe enthält und zum Alter und Gesundheitszustand der Katze passt. Die gefütterte Menge sollte dabei dem Energiebedarf entsprechen, ohne Übergewicht zu fördern. Und auch der Wassernapf sollte nicht vergessen werden: Gerade bei reiner Trockenfütterung ist ausreichendes Trinken besonders wichtig.

Mythencheck

«Je mehr Fleisch, desto besser.»
Nicht automatisch. Entscheidend ist die gesamte Nährstoffversorgung. Ein hoher Fleischanteil allein garantiert kein ausgewogenes Futter.
«Getreide ist für Katzen ungesund.»
So pauschal stimmt das nicht. Katzen benötigen Kohlenhydrate nicht als essenzielle Nährstoffe, können verdauliche Kohlenhydrate aber verwerten.
«Getreidefrei ist für Wohnungskatzen besser.»
Nicht unbedingt. Für das Gewicht einer Wohnungskatze ist vor allem entscheidend, wie viel Energie sie aufnimmt und verbraucht.
«Rohes Fleisch ist natürlicher und deshalb gesünder»
Rohes Fleisch ist zwar weniger verarbeitet, gesundheitliche Vorteile sind aber nicht belegt. Zudem bestehen Risiken durch Bakterien, Knochen und Nährstoffmängel.
«Selbst gemachtes Futter ist automatisch gut»
Selbst zubereitetes Futter kann geeignet sein, wenn es ausgewogen zusammengestellt wird. Ohne fachkundige Berechnung können jedoch wichtige Nährstoffe fehlen.
«Ohne Zusatzstoffe ist Katzenfutter besser.»
Nicht unbedingt. Auch Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren können als Zusatzstoffe enthalten sein und für eine vollständige Nährstoffversorgung wichtig sein.

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