ABO

Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden: Als Pferde noch Züge zogen

Bevor moderne Züge durch Europa rollten, zogen Pferde die Wagen auf Schienen. Die Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden war einer dieser frühen Vorläufer des Eisenbahnzeitalters. An die damals revolutionäre Transportmöglichkeit erinnert heute ein Museum in Oberösterreich.

Dank der reichen Vorkommen im Salzkammergut zählte das österreichische Kaiserreich einst zu den wichtigsten Salzproduzenten des Kontinents. Im 19. Jahrhundert erkannte der Staat – also die Habsburgermonarchie – den hohen Wert dieses Rohstoffs und kontrollierte den Salzabbau sowie den Handel weitgehend selbst.

Vom Salzkammergut aus wurde das abgebaute Salz über die Landesgrenzen hinaus transportiert. Dies geschah vorwiegend auf dem Wasserweg oder dort, wo dieser nicht vorhanden war, mit Fuhrwerken. Die Wagen fuhren jedoch auf oft schlechten und wetterabhängigen Strassen, was den Transport langsam und teuer machte.

Der Bedarf nach einer effizienteren Verbindung zwischen Böhmen und dem Donauraum führte schliesslich zum Bau einer der ersten öffentlichen Eisenbahnen des europäischen Kontinents: der Pferdeeisenbahn zwischen Budweis im heutigen Tschechien, über Linz bis nach Gmunden im Salzkammergut. Sie wurde 1832 eröffnet. Für die Pferdeeisenbahn wurden besonders leichte Güterwagen mit Rädern aus Holz gebaut, damit mehr Fracht geladen werden konnte.

Pferde – meist schwere Noriker – zogen die Wagen auf Schienen, was deutlich weniger Kraft erforderte als auf gewöhnlichen Strassen. In der Regel zog ein einzelnes Tier den Wagen; an steilen Stellen wurde ein zweites Pferd vorgespannt.

Vorerst diente die Pferdeeisenbahn dem Transport von Salz und anderen Handelsgütern, später auch der Personenbeförderung. Bei Güterzügen betrug die tägliche Marschleistung eines Pferdes rund 42 Kilometer, bei Personenzügen 30 Kilometer. Rund 40 Jahre war die Pferdeeisenbahn in Betrieb, bis sie mit der Entwicklung der Dampflokomotive an Bedeutung verlor und schliesslich 1872 eingestellt wurde.

Pferdeeisenbahn nacherleben

Dennoch gilt die Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden als bedeutendes Zeugnis der frühen Verkehrsgeschichte. Sie steht für den Übergang von traditionellen Transportformen zur Eisenbahnära und trug wesentlich zur Förderung des wirtschaftlichen Austauschs in Mitteleuropa bei.

Im Ort Kerschbaum im oberösterreichischen Mühlviertel erinnert heute ein Museum an die Pferdeeisenbahn. Es befindet sich in den ehemaligen Stallungen eines Stationsplatzes der Bahn und veranschaulicht sowohl deren Geschichte als auch die Technik hinter dieser aussergewöhnlichen Transportweise.

Dank der Rekonstruktion von Wagen und Gleisen ist dort eine Reise «wie früher» möglich: In Kombination mit dem Museumseintritt kann eine «Pferdeeisenbahn-Nostalgiefahrt» gebucht werden, die Besuchende auf eine Reise zurück ins 19. Jahrhundert entführt – auf Wagen, welche von Pferden gezogen werden.

Weiterlesen