Was anfangs November 2025 in einem Hof in Ramiswil (SO) ans Licht kam, sorgte über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen: Der kantonale Veterinärdienst beschlagnahmte auf einem Hof insgesamt 122 Hunde, 43 Pferde und zwei Ziegen. Die Hunde wurden noch vor Ort euthanasiert, während für die Pferde und Ziegen neue Plätze gefunden werden konnten. 

Über 100 Hunde des Hofs in Ramiswil wurden wegen ihres Zustands eingeschläfert. Der STS bezeichnete den Tierschutzfall als einen der schwerwiegendsten der letzten Jahre. Rückblick
Ramiswil: Ein Tierschutzfall, der Folgen haben muss
Montag, 1. Juni 2026

Unmittelbar nach dem Einsatz beauftragte die zuständige Volkswirtschaftsdirektorin Sibylle Jeker eine externe Untersuchung der Ereignisse. Der nun vorliegende Bericht wurde fristgerecht abgeschlossen.

Die Gutachter kommen zum Schluss, dass die Mitarbeitenden des Veterinärdienstes den Fall mit grossem Engagement und konsequentem Blick auf das Tierwohl bearbeitet hätten. Gleichzeitig habe es sich um einen aussergewöhnlich schwierigen Einsatz gehandelt. Ausschlaggebend seien sowohl die grosse Zahl der Tiere und die besonderen Anforderungen an die gehaltenen Herdenschutzhunde als auch das Verhalten der Tierhalterin gewesen, die den Veterinärdienst laut Bericht wiederholt täuschen konnte.

Der Einsatz Anfang November 2025 sei rasch, professionell und überwiegend verhältnismässig erfolgt. Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass der Veterinärdienst seit Jahren mit einer stetig wachsenden Arbeitsbelastung konfrontiert sei und der Fall deshalb nicht losgelöst von den strukturellen Rahmenbedingungen beurteilt werden könne.

Mehrere Faktoren führten zur Eskalation

Der Bericht macht keinen einzelnen Fehlentscheid für die Eskalation verantwortlich. Vielmehr sei diese das Ergebnis eines über längere Zeit entstandenen Zusammenspiels verschiedener Faktoren gewesen.

Als Hauptursachen nennt der externe Untersuchungsbericht einen hohen administrativen Aufwand im Vollzug, ein ungenügend ausgeprägtes Risikobewusstsein sowie ein zu grosses Vertrauen in die Angaben der Tierhalterin. Insbesondere die Risiken, die von den Herdenschutzhunden ausgingen, seien über längere Zeit unterschätzt worden.

Zudem habe sich der Vollzug wiederholt auf formale Registereinträge, Zusicherungen der Tierhalterin und punktuelle Kontrollen gestützt, obwohl Hinweise bestanden hätten, dass diese Informationen die tatsächlichen Verhältnisse auf dem Hof nicht ausreichend widerspiegelten.

Nicht alle Hunde hätten eingeschläfert werden müssen

Besonders kritisch beleuchtet der Bericht den Entscheid, sämtliche 122 Hunde einzuschläfern. Dabei unterscheiden die Experten jedoch deutlich zwischen verschiedenen Tiergruppen.

Die Tötung von 99 Hunden, die eindeutig als Herdenschutzhunde identifiziert wurden, sei aus heutiger Sicht nachvollziehbar gewesen. Für diese Tiere hätten keine realistischen Unterbringungsmöglichkeiten bestanden. Weder eine Vermittlung noch ein weiterer Einsatz als Herdenschutzhunde seien möglich gewesen. Gleichzeitig hätten erhebliche Risiken für den Tierschutz und die öffentliche Sicherheit bestanden.

Anders fällt die Beurteilung bei den übrigen 23 Hunden aus. Hier sei keine ausreichend differenzierte Triage vorgenommen worden. Deshalb könne nicht gesagt werden, dass deren Euthanasie in jedem Fall alternativlos gewesen sei. Zwei dieser Hunde hätten allerdings aufgrund ihres Gesundheitszustands ebenfalls eingeschläfert werden müssen.

Kanton Solothurn kündigt Konsequenzen an

Für Volkswirtschaftsdirektorin Sibylle Jeker steht fest: «Ein Fall Ramiswil darf nie wieder vorkommen.». Das Volkswirtschaftsdepartement will den Bericht nun vertieft auswerten und daraus konkrete Massnahmen ableiten.

Im Fokus stehen unter anderem die Stärkung des Risikobewusstseins im Veterinärdienst, optimierte Prozesse und Zuständigkeiten, ausreichende personelle Ressourcen sowie eine stärkere Digitalisierung des Vollzugs. Ebenfalls geprüft werden soll, wie sich die rechtliche Unterstützung des Veterinärdienstes verbessern und die Balance zwischen rechtsstaatlichen Verfahrensgarantien und einem effizienten Vollzug stärken lässt.

Die Arbeiten sollen umgehend beginnen. Eine erste Bilanz der umgesetzten Massnahmen stellt das Volkswirtschaftsdepartement für Juni 2027 in Aussicht.