Anhängliche Begleiter
Gesellschafts- und Begleithunde - vom Chihuahua bis zum Riesenpudel
Was haben Riesenpudel und Chihuahua, Französische Bulldogge und Pekinese gemeinsam? Die äusserlich unterschiedlichen Hunde eint das anhängliche Wesen und ihre soziale Ader. Manche Gesellschafts- und Begleithunde werden seit tausenden von Jahren gezüchtet. Ihre Bestimmung: Freude bereiten.
Drei Fellknäuel wuseln über die Wiese, stecken ihre Köpfchen zusammen, hüpfen im Spiel, schiessen einzeln davon. «Nein, Schosshunde sind es nicht», sagt Ines Riesen bestimmt, als sie diesen Begriff hört. Ihre Pekinesen seien Hunde wie alle anderen auch. «Sie kommen abends zu uns ans Sofa, dann nehmen wir sie auf den Schoss und streicheln sie, das haben sie schon gerne.» Auch im Garten des Hauses in Niederönz (BE) zeigen sich die Kleinhunde anhänglich. Die drei Wirbelwinde wieseln begeistert zu ihrer Besitzerin, sobald sie ruft. Gerne lassen sie sich von ihr aufheben, bleiben ruhig unter ihrem Arm oder lassen sich gar auf einem Tisch im Garten in einer Reihe aufstellen.
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Pekinesen sind typische Vertreter der Gesellschafts- und Begleithunde. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI), der Weltverband für Hunderassen, fasst sie in der Gruppe 9 zusammen. Diese Gruppe ist in 11 Sektionen unterteilt (siehe Kasten). Dabei zeigt sich: Aussehen und Grösse der Hunde dieser Gruppe sind völlig unterschiedlich. Während ein Riesenpudel eine Widerristhöhe von 60 Zentimetern hat, liegt diejenige des Chihuahuas höchstens bei 23 Zentimetern. Ein Riesenpudel kann bis zu 32 Kilo wiegen, einChihuahua bis zu 5 Kilo. Trotz der optischen Unterschiede werden sie in der Hundekunde in der gleichen Gruppe geführt.
Gesellschafts- und Begleithunde gemäss Welthundeverband FCISektion 1: Bichons und verwandte Rassen
Sektion 2: Pudel
Sektion 3: Kleine belgische Hunderassen
Sektion 4: Haarlose Hunde
Sektion 5: Tibetanische Hunderassen
Sektion 6: Chihuahueño (Chihuahua)
Sektion 7: Englische Gesellschaftsspaniels
Sektion 8: Japanische Spaniels und Pekinesen
Sektion 9: Kontinentaler Zwergspaniel (Phalène und Papillon) und andere
Sektion 10: Kromfohrländer
Sektion 11: Kleine doggenartige Hunde
«Das ist nicht ungewöhnlich und kommt in anderen Gruppen auch vor.» Wesentlich sei, wofür ein Hund gezüchtet wurde, sagt Hansueli Beer, Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG). Er unterscheidet zwischen Gebrauchshunden, die beispielsweise für die Jagd gezüchtet werden, und Gesellschaftshunden. Diese Unterscheidung zukennen, ist wesentlich.
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Dass Hunde zu Gefährten des Menschen wurden, geht auf ihr Jagdverhalten zurück. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele Hunderassen ursprünglich zur Jagd verwendet wurden. Doch der Reiz des Hundes war vermutlich von Anfang an nicht ausschliesslich praktischer Natur. Er erfreute bald auch durch sein Wesen, seine Treue, seine Anhänglichkeit. Die Entwicklung hin zum reinen Gesellschafts- und Begleithund dauerte tausende von Jahren. Lange waren beide Eigenschaften gefragt, der Jagdtrieb und dieAnhänglichkeit. Das war wohl bei den spanielähnlichen Hunden gegeben, die auf dem europäischen Kontinent durch Ausgrabungen und Felszeichnungen bereits aus einer Zeit vor 10'000 Jahren bekannt sind. Im Mittelalter wurden manche zu reinen Gesellschaftshunden. Dies ist durch Gemälde belegt. Dort sind seit dem 16. Jahrhundert nämlich dem Cavalier King Charles Spaniel ähnliche Hunde abgebildet, meist in Gesellschaft von Königen und adligen Familien. Ihre einzige Aufgabe: Den Blaublütigen Gesellschaft zu leisten. Logischerweise konnten es sich früher nur sie leisten, solche Hunde zu halten.
Einmal Pekinese, immer Pekinese
Ein weiteres Zentrum der Hundezucht entwickelte sich in Asien, ebenfalls im Rahmen kaiserlicher Paläste. Lange bevor in Europa die systematische Hundezucht bekannt war, wurden in Peking genaue Anweisungen gegeben, wie Hunde zu füttern seien. Dabei handelte es sich um die Löwenhunde oder Pekinesen. So wie Odette, Eiko und Essy, die drei Pekinesen von InesRiesen. «Schöne Pekinesen kommen heute aus England», sagt die Spezialistin für die Kleinhunde, die aussehen wie junge Löwen und führt damit auf die Fährte der Pekinesen.
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Vieles ist rätselhaft um die kleinen, pelzigen Begleiter. Eben tollten die drei Pekinesen von Ines Riesen noch draussen herum, jetzt liegen sie in der Küche und schlafen, kein Laut ist von ihnen zu hören. Zeit also für einen kleinen Exkurs in ihre Geschichte.
Der Kynologe Hans Räber erwähnt in seiner zweibändigen Enzyklopädie der Rassehunde, dass in China im Buch «Erh Ya», einer Art chinesischem Diktionär, 500 vor Christus bereits Hunde mit kurzer Schnauze erwähnt wurden. Am kaiserlichen Hof in Peking spielten Pekinesen eine grosse Rolle. Zeitweise sollen in verschiedenen Palästen der Verbotenen Stadt etliche tausend Palasthunde gelebt haben. Sie wurden nie freiwillig nach Europa abgegeben. Erst als englische Truppen in China Dominanz ausübten, führte der Weg des Pekinesen nach Grossbritannien, dem heutigen Patronatsland für diese Rasse.
Die kleinen Hunde mit langem Fell haben auch in der Schweiz ihre Liebhaberinnen und Liebhaber. Eine davon ist Ines Riesen. Ihre Zuneigung zu den Palasthunden begann in der Kindheit. Sie erinnert sich:«Meine Mutter züchtete bereits in den 1940er-Jahren Pekinesen. Ich wollte dann als Kind einen Dackel.» Die Mutter habe klargestellt: «Entweder einen Pekinesen oder keinen Hund!» Seither halte sie mit einem kleinen Unterbruch immer Pekinesen. Es ist nicht so, dass Ines Riesen andere Hunde nicht kennt. Ein Schäfer, eine Deutsche Dogge und ein Yorkshire Terrier lebten ebenfalls in ihrem Haushalt. Sie stellt aber klar: «Wer einmal einen Pekinesen hielt, will immer wieder einen haben.»
Eiko ist wieder aufgewacht. Er tippt mit seinem Pfötchen an Ines Riesens Bein. «Ja, ja, ist ja gut», sagt sie und streichelt ihm über das Köpfchen. «Er ist immer der erste», setzt die Pekinesenliebhaberin nach. Die Wesensart dieser Hunderasse spreche sie an. Sie habe aber aufgrund ihres Alters aufgehört zu züchten. «Ein Pekinese wird zwölf bis 15 Jahre alt», sagt die Präsidentin des Clubs für Peking Palasthunde.
«Man muss den Pekinesen als Hund nehmen. Er ist klein und selbstbewusst.»
Ines Riesen, Niederönz (BE), Pekinesenzüchterin
Der Name der Zuchtstätte von Ines Riesen lautet Göng dian. Eiko und Essy seien die Jungen von Odette. «Wir gingen jeweils zu einem Rüden zum Decken», sagt die Züchterin. Sie habe stets darauf geachtet, dass in der Schweiz mit verschiedenen Rüden gezüchtet werde und nicht nur mit dem am besten prämierten. Eiko sei nicht kastriert. «Junge Rüden decken kaum Geschwister oder ihre Mutter.» Die Tragzeit dauere 63 Tage, im Alter von 20 Tagen begännen die Jungen mit der Futteraufnahme, mit vier Wochen gingen sie erstmals nach draussen. «Ich gab Junge nie vor dem Alter von 15 Wochen ab. Ich liess sie vorher immer gegen Tollwut, Staupe und Zwingerhusten impfen.» Meist haben Pekinesen-Weibchen zwei bis vier Welpen.
König des Wohnzimmers
Die Club-Präsidentin sagt: «Man muss den Pekinesen als Hund nehmen. Er ist klein und selbstbewusst, und was er als klein nicht lernt, kapiert er auch später nicht mehr.» Sie sei auch schon mit einem Pekinesen in die Hundeschule gegangen. «Der Hund ging gerne hin und verhielt sich gut mit allen anderen Rassen.» Welpen habe sie ab dem ersten Tag absichtlich wenige Minuten alleine gelassen, um sie an ihre Abwesenheit zu gewöhnen. Ebenfalls habe sie jeweils bei Welpen mit dem Bürsten des Fells begonnen. «Damit sie es kennenlernen.»
Auch Hansueli Beer von der SKG betont, dass die Hundeerziehung wichtig sei, ob für Arbeits- undGebrauchshunde oder für Begleit- und Gesellschaftshunde. Er sagt: «Oft wird die Erziehung bei kleinen Hunden etwas vernachlässigt. Sie hängen in der Leine, bellen andere Hunde an. Gesellschafts- und Gebrauchshunde brauchen eine konsequente Erziehung.» Ob Bernhardiner oder Pekinese, die Grundschule sollten beide Rassen besuchen.
Der Hundeexperte betont: «Grundvoraussetzung für die Hundehaltung ist Zeit. Wenn jemand keine Ambitionen im Hundesport hat, sich einen Begleiter wünscht, der immer bei ihm ist, dann sind die Gesellschafts- und Begleithunde der Gruppe 9 passend.» Dem pflichtet Ines Riesen bei, denn sie streicht heraus, dass ein Pekinese bezüglich Pflege nicht weniger Zeit braucht als ein anderer, grösserer Hund. Die Fellpflege sei sehr wichtig. «Pro Hund und Tag habe ich sicher eine halbe Stunde.»
Das Fell des Pekinesen ist denn auch ein wichtiges Rassemerkmal. Es sind alle Farben erlaubt, ausser getupft und leberfarbig. Dies kommt daher, weil Pekinesen im alten China von Damen im Ärmel getragen wurden und farblich zum Kleid passen sollten. Die Behaarung ist mässig lang und bildet um den Kopf eine Mähne. Der Kopf selbst ist dunkel gehalten, steht im Rassebeschrieb.
Auch kleine Hunde wie Pekinesen brauchen Freilauf. Ines Riesen sagt: «Sie müssen regelmässig raus, um sich zu versäubern.» Wer einen Hund möchte, der seinGeschäft drinnen im Kistchen erledige, der solle sich besser eine Katze anschaffen. «Wir gewöhnten immer auch die Welpen als jung daran, regelmässig nach draussen zu gehen.» Ines Riesen räumt allerdings ein: «Der Pekinese ist ein Hund für Faule, der grosse Wanderer ist er nicht.» Er ist durchaus flink und schnell, doch auf Bergwanderungen möchte er nicht. InesRiesen geht morgens mit ihren Pekinesen eine halbe Stunde spazieren. Am Vormittag können sie in den Garten, dann gehen ihr Mann oder sie abends nochmals eine halbe Stunde raus mit ihnen. Pekinesen spazieren aber auch während zwei Stunden, wenn sie es sich gewohnt sind. Das Entspannende dabei: Sie haben keinen Jagdtrieb.
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Das Reich des Pekinesen ist grundsätzlich die Wohnung. Er ist deshalb der ideale Hund für Stadtbewohnerinnen und -bewohner. Ein Familienhund ist er allerdings nicht. Das unruhige und laute Wesen von Kindern mag er nicht. Der eigenwillige Kleinhund ist loyal, furchtlos, anhänglich, kann sich aber auch distanziert gegenüber Leuten zeigen, die er nicht so mag. Das Treppenlaufen sollte man dem Kleinen ersparen. Ein weiterer Vorteil: Er frisst kein Loch ins Portemonnaie. «Wir füttern unsere Hunde abwechselnd mit Nass- und Trockenfutter, manchmal erhalten sie auch Reis und Teigwaren», sagt Ines Riesen.
Pekinesen sind heute nicht mehr so verbreitet. «Das schmerzt, aber es ist gut, dass es nie ein Modehund wurde», findet Ines Riesen. Sie ist seit 2017 Präsidentin des Clubs und war es schon einmal anfangs der 1970er-Jahre. «Damals hatten wir 200 Mitglieder, heute noch 25.» Den Schweizerischen Club für Peking Palasthunde gibt es seit 1951. Auch im Patronatsland, in Grossbritannien, sei die Rasse am Zurückgehen.
Hunde nach Kindchenschema
Nicht bei allen Angehörigen der Begleit- und Gesellschaftshunde ist die Entwicklung rückläufig. SKG-Präsident Hansueli Beer stellt gar einen Trend zu kleineren und mittleren Hunden fest. «Es sind alle Rassen der FCI-Gruppe 9 in der Schweiz vertreten», sagt der Hundespezialist. Von einigen gebe es nur wenigeExemplare, so etwa von den haarlosen Hunden wie dem Chinesischen Schopfhund. Bei Pudeln seien dieRiesenpudel am Zurückgehen, Toy-, Zwerg- und Mittelpudel aber hätten Zuwachs. Auch die Rassen Lhasa Apso, Shih Tzu und Havaneser seien in den letzten Jahren aufgekommen, Malteser seien schon immer beliebt gewesen. Ein richtiger Modehund sei die Französische Bulldogge, die ebenfalls zu den Gesellschafts- und Begleithunden gehöre.
Der beliebteste Begleit- und Gesellschaftshund aber ist der Chihuahua. Gemäss Identitas – die IT-Firma erhebt Daten im Tierbereich – lag der SchweizerBestand dieser mexikanischen Kleinhunde 2016 bei 22'820 Tieren und stieg bis 2025 auf 25'799 Hunde an. Im Vergleich dazu nahm die Anzahl Pekinesen in der gleichen Zeitspanne von 2374 auf 1429 ab. DieAnzahl Französische Bulldoggen stieg von 8370 auf15'545 Tiere an. Mit dem Chihuahua, der Französischen Bulldogge und dem Zwergpudel gehören drei Rassen der FCI-Gruppe 9 zu den zehn beliebtesten Hunderassen in der Schweiz. Das hat seinen Preis.
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Der SKG-Präsident Hansueli Beer sagt: «Der Anteil der in der Schweiz gehaltenen Französischen Bulldoggen, die aus kontrollierter Schweizer Zucht stammen, liegt unter fünf Prozent. Der Rest wird importiert.» Die Rassezucht kann auch negative Auswirkungen haben, wenn sie nicht kontrolliert betrieben wird, zum Beispiel Kurzatmigkeit. Mit dieser Problematik ist die Veterinärin Dr. Deborah Rohner konfrontiert. Die Oberärztin für Chirurgie am Tierspital Bern sagt: «Viele Französischen Bulldoggen oder Möpse, ebenfalls Gesellschafts- und Begleithunde, leiden an BOAS, dem brachycephalen obstruktiven Atemwegssyndrom.» Die Ursache dafür ist ihre starke Kurzköpfigkeit oder Brachycephalie. Sie kann zu Atembeschwerden führen. «Der Kopf dieser Hunde entspricht dem Kindchenschema. Sie haben prominente Augen, einen kurzen, runden Schädel, das wird von Menschen als niedlich angesehen und löst den Beschützerinstinkt aus.» Entsprechend diesen Merkmalen würden die Hunde gezüchtet. Dr. Rohner ortet das Problem besonders bei importierten Hunden und ruft dazu auf: «Erwerben Sie keine Hunde vonInternetplattformen! Es gibt seriöse Züchter in der Schweiz.»
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Der oberste Schweizer Hündeler, Hansueli Beer, erklärt, was die SKG tut, um Brachycephalie zu vermeiden: «Bei den Französischen Bulldoggen muss mit jedem Hund, der in die Zucht gebracht wird, eine Zulassungsprüfung absolviert werden.» Hier werde geprüft, ob er richtig atme, wie er auf Umweltreize und andere Hunde reagiere. «Er muss zudem einen Belastungstest absolvieren. Ein Veterinär oder eine Veterinärin prüft die Atemgeräusche und die Herzfrequenz des Hundes, nachdem er eine gewisse Strecke absolvieren musste.» Auch für Pekinesen werde die gleiche Zulassungsprüfung vorgeschrieben, ebenso ein Test bezüglich Patellaluxation, einer Kniegelenkserkrankung, die angeboren sein kann, ergänzt die Pekinesen-Züchterin Ines Riesen.
Problemzone kleiner Kopf
Dr. Deborah Rohner sieht als Treiber der steigenden Beliebtheit der Französischen Bulldoggen die Sozialen Medien. «Sie befeuern die Popularität der Rasse, was oft dazu führt, dass Leute unüberlegt und ohne Kenntnisse Tiere aus unseriösen Zuchten erwerben.»
Wer von einer kontrollierten Schweizer Zucht Hunde kauft, muss warten, teilweise lange, denn die Nachfrage nach Gesellschafts- und Begleithunden ist grösser, als dass sie hiesige Züchterinnen decken könnten. Doch gerade das Warten hilft, sich richtig auf einen Hundekauf vorzubereiten. «Hunde auf Autobahnraststätten zu erwerben oder von so genannten Schweizer Zuchtstätten, die dann doch einen ausländischen Pass für das Tier mitgeben, ist der falsche Weg», sagt die Veterinärin Deborah Rohner. Viele Leute würden aus Mitleid einen solchen Hund kaufen und würden damit den unkontrollierten Welpenhandel nur noch mehr anfeuern.
«Seriöse Züchter möchten, dass ihre Hunde gesund sind und machen bei Belastungstests mit», sagt Deborah Rohner. Sie rät, sich an eine Tierärztin oder einen Tierarzt zu wenden, wenn man eine gewisse Rasse im Blick habe. «Sparen beim Hundekauf im Ausland rächt sich. Eine Operation gegen Kurzatmigkeit kostet um die2000 Franken.» Bei einer Operation würden zum Beispiel die Nasenlöcher vergrössert und das Gaumensegel gekürzt, erklärt Dr. Deborah Rohner. Sie gibt zu bedenken: «Dem einzelnen Tier bringt dies Hilfe, doch es ist nicht nachhaltig, denn das Problem entsteht durch Zucht auf extreme äussere Merkmale.» Bis zu 50 Prozent der Französischen Bulldoggen in der Schweiz seien operiert.
In der Fachwelt sei Brachycephalie seit mehr als zehn Jahren ein Thema, sagt Dr. Deborah Rohner. Wie kommt es dazu, gerade bei Rassen, deren Entstehung weit in die Geschichte zurück reicht? Deborah Rohner: «Auf alten Bildern fällt auf, dass die Schnauze der betroffenen Hunderassen früher länger war.» Es gehe aber nicht einfach nur um die Nase, auch die Schädellänge sei ausschlaggebend. Die Tierärztin betont, dass die Rassenklubs eine grosse Verantwortung hätten. «Es braucht ein Umdenken. Bei der Französischen Bulldogge beispielsweise ist im Rassestandard vorgeschrieben, dass die Nase nicht länger als ein Sechstel der gesamten Kopflänge sein darf. Ob das gesunde Hunde sind, bezweifle ich.» Dr. Rohner betont aber auch: «Wir arbeiten gut mit Züchterinnen, Züchtern und den Rasseklubs zusammen, damit die Rassen gesünder werden.» Der Weg führe über seriöse Züchterinnen und Züchter. «Diese sind ernsthaft daran interessiert, dass ihre Hunde gesund sind.» Sie nähmen Tiere, die ein gesundheitliches Problem hätten, aus der Zucht. «Man kann allerdings immer Pech mit einem Hund haben, gleich welcher Rasse», gibt die Tierärztin zu bedenken.
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Geduld beim Hundekauf
Pekinesen würde sie kaum in der Klinik sehen, sagt Deborah Rohner. Ob sie weniger unter brachycephalen Problemen leiden oder einfach selten sind, sei jedoch schwierig abzuschätzen. Auch beim Cavalier King Charles Spaniel sei BOAS kaum ein Thema. «Bei dieser Rasse zeigt sich eher ein Problem wegen der Schädelform. «Die Hirnflüssigkeit kann nicht richtig abfliessen, was zu starken Schmerzen und neurologischen Problemen führen kann.» Auch bei dieser Rasse achten Züchter des Schweizer Clubs darauf, sie nicht zu übertypisieren. Die Züchterin Gunilla Kühni aus Konolfingen (BE) streicht heraus: «Der Club hat ein strenges Gesundheitsprogramm.» Cavalier Spaniels könnten bis 15 Jahre alt werden.
Wer einen Gesellschafts- und Begleithund sucht, sollte sich also Zeit lassen und sich erkundigen. Der Hunde-Verbands-Präsident Hansueli Beer gibt zu bedenken: «Gerade bei dieser Hundegruppe sind lange nicht alle Züchter Mitglieder der SKG.» Wer also eine Französische Bulldogge, einen Pekinesen oder einen Cavalier King Charles Spaniel aus einer Schweizer Zucht erwirbt, kann nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Hund aus kontrollierter Zucht stammt. Wer sicher gehen will, findet Züchterinnen über die Rasseklubs oder durch die Tierärztin.
Die drei Pekinesen Odette, Eiko und Essy haben es sich in der Küche gemütlich gemacht, nicht ohne immer mal wieder bei ihrer Besitzerin vorbeizuschauen, um Streicheleinheiten und kleine Aufmerksamkeiten abzuholen. Hunde, die viel Freude bereiten, ihre Besitzerin immer wieder zum Schmunzeln bringen und ein freudiges Lachen auf die Gesichter draussen zaubern, wenn sie mit den drei Fellbündeln auf dem Trottoir geht.
Mit dem Wort Schosshund kann auch der oberste Hündeler der Schweiz, Hansueli Beer, nichts anfangen. «Der Begriff ist für kleine Hunde unpassend. Ein Schosshund ist für mich so ein Paris-Hilton-Effekt. Sie hat ihren Chihuahua dauernd auf dem Arm oder in der Tasche.» Leute würden sich dann an solchen Personen orientieren. «Das ist aber keine hundegerechte Haltung.» Auch wenn es Gesellschafter und Begleiter sind, wollen sie draussen herumtollen, schnüffeln und springen. So wie Odette, Eiko und Essy, die drei Pekinesen von Ines Riesen.
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Gute Begleiter und Gesellschafter
Sie sind anhänglich, lieb, manchmal auch eigensinnig. Der Jagdtrieb ist gering oder gar erloschen. Gesellschafts- und Begleithunde haben viele Vorteile. Zeitaufwand, Auslauf und Erziehung sind bei ihnen genau so ernst zu nehmen wie bei allen anderen Rassen. Eine Auswahl.
Tibet Spaniel
Entgegen dem Namen hat der Tibet Spaniel nichts mit den Spaniels gemeinsam. Seine Abstammungsgeschichte geht auf etwa 1000 vor Christus zurück. Er ist Teil der kleinen asiatischen Hunde, und es scheint eine enge Verwandtschaft zwischen dem Tibet Spaniel und dem Pekinesen zu bestehen. Die Rasse entstand in den abgelegenen tibetischen Klöstern. Ihre Aufgabe bestand darin, Besucher zu melden. Die wetterfesten und scharfsinnigen Hunde gelangten zuerst nach Grossbritannien. Sie sind freundlich und sehr eigenständig.
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Pudel
Die Rasse gibt es in den vier Grössen Grosspudel, Kleinpudel, Zwergpudel und Toy-Pudel. Erstmals wurde sie durch den Zürcher Conrad Gessner (1516–1565)erwähnt. Die Verantwortung für den Rassestandard hat gemäss der FCI Frankreich. Es kann aber auch sein, dass die Rasse in Deutschland entstanden ist. Ursprünglich waren Pudel für die Wasservogeljagd gezüchtet worden. Durch die Weiterzucht hat der Pudel seine jagdlichen Instinkte weitgehend verloren. Er apportiert aber noch immer gerne.
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Papillon
Der Papillon gehört zu den Kontinentalen Zwerg-spaniels, die viel älter sind als der Cocker Spaniel, der nicht zu den Gesellschafts- und Begleithunden gezählt wird, wohl aber der bekannteste Spaniel ist. Frühste Hinweise auf den Papillon finden sich in einer Kirche in Assisi in Italien auf einem Gemälde des MalersAmbrogio Giotto di Bondone (1266–1337). Trotzdem gibt die FCI als Ursprungsländer Frankreich undBelgien an. Die Varietät Phalène sieht gleich aus, hat aber Hängeohren. Der Papillon ist lebhaft, verspielt und hält auf Wanderungen problemlos mit.
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Französische Bulldogge
Die Bezeichnung «Bolldogge» oder «Bonddogge» taucht erstmals um das Jahr 1500 auf. Diese Hunde wurden in Grossbritannien für Stier- und später für Hundekämpfe gezüchtet. Ab 1858 war beides verboten, und damit änderte sich das Zuchtziel. Die Hunde kamen nach Frankreich, das heute als Ursprungsland gilt. Dort wurden sie zu Gesellschaftshunden. Sie haben einen freundlichen Charakter und einen grossen Bewegungsdrang. Mitglieder des der SKG angeschlossenen Schweizer Clubs und andere seriöse Züchter achten auf gesunde Hunde, die nicht an Atemproblemen leiden.
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Coton de Tuléar
Einer Erzählung nach soll der Coton de Tuléar aus der Nähe der südmadagassischen gleichnamigen Stadt stammen. Hunde mit langem, weissem Fell waren im Besitz reicher Franzosen, die sich dort niedergelassen haben. Er wird zu den Bichon-Rassen gezählt wieBichon Frisé, Bologneser, Malteser und Havaneser. Als Ursprungsland gilt Frankreich. Wie alle Bichon-Rassen hat auch der Coton de Tuléar ein freundliches Wesen und ist stark menschenbezogen. Er benötigt vielBeschäftigung und Herausforderung und ist nicht gerne allein.
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Chihuahueño (Chihuahua)
Der Chihuahua stammt aus Mexiko oder den südlichen USA, obwohl es offenbar auch im alten Ägypten und in Malta Zwerghunde gegeben haben muss, was Ausgrabungen und Zeichnungen zeigen. Ab 1860 gelangte ab und zu ein Chihuahua nach Grossbritannien. Die Rasse fasste im 20. Jahrhundert in Europa richtig Fuss. Es gibt den Chihuahua in allen Farben sowie lang- und kurzhaarig. Er ist lebhaft, wachsam und mutig. Aufgrund der geringen Grösse haben manche Hundegesundheitliche Probleme, beispielsweise eine offene Fontanelle.
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Cavalier King Charles Spaniel
Auf britischen Gemälden des 16. Jahrhunderts wurden bereits Cavalier King Charles Spaniels in Gemeinschaft mit Königsfamilien abgebildet. Sie sind stets munter, lieb, fröhlich und anhänglich. Ein Cavalier freut sich über lange Spaziergänge und Wanderungen. Es gibt ihn in den vier Farbschlägen Ruby, Tricolour, Black and Tan und Blenheim. Diese englische Rasse unterscheidet sich vom King Charles Spaniel durch eine längere Nase und ist etwas grösser. Der Cavalier King Charles ist nicht schwer zu erziehen und sehr folgsam.
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Belgische Zwerggriffons
Belgische Züchter begannen die planmässige Zucht der Belgischen Griffons um 1800. Indem fremde Rassen in belgische Strassenhunde eingekreuzt wurden, entstanden die drei Zwergrassen Brüsseler Griffon, Belgischer Griffon und Brabanter Griffon. Der Brabanter ist kurzhaarig, bei den anderen beiden gibt es rauhaarige und weizenfarbige Varianten. Griffons sind anhänglich. Die grossen Persönlichkeiten sind zudem sehr wachsam, liebevoll und menschenbezogen. Ausser dem Brabanter haben alle einen Schnauz. Die Rasse wird in der Schweiz nicht oft gehalten.
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