Frau Hegi, am 31. Januar fand der 4. Galgo Walk in Zürich statt. Wie haben Sie den Anlass erlebt?

Es war sehr friedlich. Rund 500 Personen und ungefähr ebenso viele Hunde haben teilgenommen. Wenn eine Gruppe mit solch vielen Hunden durch die Stadt läuft, generiert das natürlich ziemlich viel Aufmerksamkeit. 

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Was hat sich seit der ersten Durchführung des Galgo Walks 2023 in der Schweiz verändert? 

Es hat sich sehr viel verändert. Der erste Anlass im Jahr 2023 entstand sehr spontan. Damals hatten wir uns im Spätherbst 2022 entschieden, den Galgo Walk zu organisieren. Bis Februar blieb wenig Vorlaufzeit. Doch als wir die Veranstaltung publik gemacht hatten, gab es sehr viele Reaktionen. Schliesslich haben etwa 250 bis 300 Menschen teilgenommen. Für die erste Durchführung war das super. Danach konnten wir uns jedes Jahr punkto Teilnehmerzahl und Aufmerksamkeit steigern.

Wie viel Zeit fliesst für New Graceland in die Organisation des Galgo Walks? 

Unmittelbar nach dem Galgo Walk tauschen wir uns jeweils aus und besprechen, ob wir ihn nächstes Jahr wieder durchführen. Falls ja, kommen Fragen zum Durchführungsort und zum Datum zur Debatte. Es muss ja ein Datum nahe am 1. Februar – dem Welt-Galgo-Tag – sein. Bis im Sommer gibt es dann diesbezüglich nicht so viel zu tun – ausser, die Bewilligung einzuholen, was immer eine Sache für sich ist. Ab dem Sommer wird der Anlass dann präsenter. Dann beginnen wir mit der Evaluation und Bestellung von Verkaufsartikeln. Mit der Werbung für den Galgo Walk legen wir jeweils Ende Jahr los. 

Über 80 weitere Städte in Europa führen jedes Jahr rund um den 1. Februar Galgo Walks durch. Wie stehen Sie im Austausch mit ähnlichen Vereinen aus dem Ausland?

Wir haben eine Whatsapp-Gruppe, in der Vertreterinnen und Vertreter aller deutschen und österreichischen Städte drin sind. Auch die Präsidentin von Plataforma NAC, dem Verein, der in Spanien die Galgo Walks ins Leben gerufen hat, ist Teil der Gruppe. Dort tauschen wir uns übers Jahr immer wieder aus – sei es zum Durchführungsdatum zu Berichterstattungen und auch zur aktuellen Lage in Spanien. Das funktioniert sehr gut.

Über den Galgo Walk Der Galgo Walk ist eine internationale Protestaktion, die um den Welt-Galgo-Tag am 1. Februar stattfindet, um auf das Leid spanischer Jagdhunde aufmerksam zu machen. Der Name «Galgo»-Walk steht dabei stellvertretend für alle spanischen Jagd- und Arbeitshunde, die vom Gesetz im Stich gelassen wurde. Da der Galgo neben dem Podenco eine der am stärksten betroffenen Rassen ist und in den letzten Jahren eine Lobby aufbauen konnte, macht ihn das zum Botschafter und Namensgeber der Protestmärsche in ganz Europa, Grossbritannien und neu auch in den USA, Mexiko und Australien. An den Galgo Walks sind alle willkommen – ob mit oder ohne Hunde.

Wie hat sich die Situation der Galgos in Spanien über die Jahre verändert?

Es ist nach wie vor sehr schlimm. Die spanische Jagdszene verändert sich derzeit aber stark. Die Jäger haben Mühe, Nachwuchs zu finden, denn die traditionelle Hasenjagd ist «altväterisch». Früher führten Jäger und Tierschutzorganisationen einen regelrechten Krieg in Spanien. Mittlerweile versucht man, mehr zusammenzuarbeiten. Regional bestehen aber sehr grosse Unterschiede. Früher quälten die Jäger ihre Hunde, brachen ihnen die Beine, schmissen sie in Brunnen oder hängten sie auf. Mancherorts bringen die Jäger heute ihre Hunde, wenn sie sie nicht mehr wollen, in Auffangstationen oder Perreras (Tötungsstationen). Doch das ist leider noch immer die Ausnahme. Für die meisten ist es einfacher, ihre Hunde einfach auszusetzen. Eine weitere wichtige Veränderung brachte das Gesetz: 2023 hat Spanien ein neues Tierschutzgesetz verabschiedet. Dieses ist eigentlich fortschrittlich, denn ein Haustier ist als fühlendes Wesen akzeptiert worden und hat vor dem Gesetzgeber annähernd dieselben Rechte wie ein Mensch (beispielsweise bei einer Scheidung). Doch 2024 hat es die spanische Jagdlobby leider geschafft, Jagd- und Gebrauchshunde davon auszunehmen. Somit sind nicht nur Jagdhunde, sondern auch Therapie, Arbeits- und Blindenhunde vor dem spanischen Gesetz komplett schutzlos. Insofern wird zwar mehr Tierschutz betrieben, doch das Gesetz und der Tierschutz hat sich in eine negative Richtung verändert.

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Anfang Jahr konnten Sie 13 neue Hunde bei New Graceland aufnehmen. Wie retten Sie Galgos und andere Jagdhunde aus spanischen Tötungsstationen?

Wir haben eine Partnerorganisation in Madrid und eine andere in Andalusien, denen wir vertrauen und mit denen wir schon lange zusammenarbeiten. Dabei handelt es sich um privat organisierte Auffangstationen. Sie haben wiederum Kontakt direkt zu den Jägern oder den Tötungsstationen. Die Vereinspräsidentin von Madrid ist Anwältin, die mit den staatlichen Perreras gut vernetzt ist. Staatliche Organisationen in Spanien müssen die Hunde herausgeben, wenn ein Jäger nach einem Hund fragt. Sie wissen also, dass die Gefahr besteht, dass ein anderer Jäger die Hunde wieder mitnimmt. Daher sind viele seriöse Stationen daran interessiert, dass die Hunde schnell aus den Tötungsstationen herauskommen, damit sie sie nicht ins nächste Elend geschickt werden müssen. Daher melden sie sich dann bei unserer Partnerorganisation. Diese holen sie dort heraus und bringen sie zu ihrem eigenen Shelter, wo die Hunde aufgepäppelt und gepflegt werden. Manche sehen sehr schlimm aus. Von diesem Shelter aus werden dann etwa alle sechs bis acht Wochen Transporte nach Deutschland oder zu uns in die Schweiz organisiert. 

Über den Verein New Graceland Der Verein New Graceland wurde 1999 in Sigigen (LU) von drei Frauen gegründet, die sich für den Tierschutz engagieren wollten. Ein entscheidender Moment war die Aufnahme von 40 Greyhounds im Jahr 2002. Die Hunde mussten wegen der Schliessung einer der letzten Hunderennbahnen in Italien vor dem sicheren Tod gerettet werden. In Spanien finden Hunderennen nach wie vor statt. Seit 2023 organisiert New Graceland alljährlich den Galgo Walk, um auf das Leid von spanischen Jagd- und Arbeitshunden aufmerksam zu machen.