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Zoomies: Wenn die Energie explodiert

Sprintet der eigene Hund wie Usain Bolt durchs Quartier, dann ist das nicht nur ein Fitnesstraining erster Güte, sondern auch ein probates Mittel, um überschüssige Energie loszuwerden. Nur in seltenen Fällen erfordern solche Zoomies weitere Abklärungen.

Neuschnee und die Welt ist nicht mehr, was sie einmal war. Verständlich, dass bei Mensch und Tier die Freude an der weissen Pracht zuweilen überschwappt: Ist die Tür erst einmal offen, gibt es kein Halten mehr. Der Hund rennt los, um dann wie von Sinnen im Kreis, im Zickzack oder in Achten mit rasanten Drehungen durch den Neuschnee zu stürmen. In einem Tempo, als ob es um Olympiagold oder einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde ginge. FRAP (Frenetic Random Activity Periods) lautet der wissenschaftliche Begriff für solche plötzlichen, meist kurzen Energieausbrüche, die bei Hunden wie auch bei Katzen auftreten. Längst machen auch andere Namen unter «Hündelern» die Runde. Ob «Zoomies», «verrückte fünf Minuten» oder «Mad Half-Hours»: Mit explosiven Energieschüben ist bei Fellnasen überall und jederzeit zu rechnen. Sie enden in der Regel ebenso abrupt, wie sie begonnen haben.

Im grünen Bereich

«Zoomies sind etwas ganz Normales und meist ein Ausdruck purer Freude», sagt Hundetrainer Roman Huber. Es sei eine Möglichkeit, Dampf abzulassen und eine Art Ventil für überschüssige Energie. Was Huber im Alltag mit seinen Hunden feststellt: Zoomies treten in der kälteren Jahreszeit etwas häufiger auf. «Vermutlich, weil wir dann mehr Zeit drinnen zubringen und sich Energie anstaut.» Auch die Situationen, in denen Hunde von ruhig zu hyperaktiv wechseln, könnten unterschiedlicher nicht sein: Mal geschieht es nach einem Besuch beim Tierarzt oder Hundecoiffeur, mal nach dem Baden. «Das Ruhigsitzen unter Kontrolle begünstigt solche Energieausbrüche», mutmasst Huber. Doch auch die Rückkehr eines Familienmitglieds führt zuweilen zu ungestümen Energieschlaufen im trauten Heim. Ebenso scheinen Zeit und Biorhythmus eine Rolle zu spielen: In den Abendstunden und nach dem Schlafen und Essen treten Zoomies gehäuft auf.

Auch das Alter fällt ins Gewicht: «Bei jungen Hunden gehören diese wilden Speeds in Dauerschleife einfach dazu. Bedenklich ist eher, wenn sie in dieser Lebensphase ausbleiben», hält der Hundetrainer und Fachautor fest. Nach der Adoleszenz werden Zoomies zwar seltener, verschwinden aber nicht gänzlich. Und das sei gut so, meint Huber, denn: «Hunde, die ein solches Verhalten zeigen, sind in der Regel glücklich und zufrieden.» Auch die Rasse ist nicht unerheblich: Energiebündel wie Border Collies und Jack Russell Terriers neigen eher zu Turboeinlagen als gemütlichere Naturelle wie Bernhardiner oder Bulldoggen.

Wichtig ist, dass Hundehalterinnen und -halter gut beobachten, wann und wo Zoomies auftreten. Denn diese Energieentladungen, bei denen Adrenalin, Cortisol und Glückshormone in rauen Mengen freigesetzt werden, können ein Hinweis darauf sein, dass der Hund an Stress oder Unterbeschäftigung leidet. «Hunde, die am Tag oft allein sind und sich langweilen, neigen stärker zu Zoomies als gut ausgelastete Tiere», gibt Roman Huber zu bedenken. In solchen Fällen lohne es sich, die Tagesrituale zu überdenken und für genügend körperliche und geistige Aktivierung zu sorgen. Gerüche und Begegnungen im Freien wirken stimulierend, ebenso wie Nasenarbeit, Apportier- oder Frisbee-Spiele.

Wachsam unterwegs

Manchmal steckt auch ein medizinisches Problem hinter auffälligem Verhalten. So können beispielsweise vereiterte Zähne zu Schmerzen und Stress beim Hund führen, der sich dann in exzessivem Herumrennen entlädt. «Es lohnt sich, immer wieder den Gesundheitszustand des Tiers genauer anzuschauen», rät der Experte. Was ebenso angezeigt ist: Für eine sichere Entourage zu sorgen, damit sich der Hund im Rennfieber nicht Verletzungen zuzieht. In der Wohnung heisst dies: Gefährliche und kostbare Gegenstände wegräumen, heikle Zonen wie Treppenabgänge sichern, rutschige Untergründe wie Teppiche fixieren. Auch im Freien gilt: Ausschau halten nach Gefahren in Form von Autos, Traktoren, Hindernissen oder anderen Tieren. Gute Dienste leisten draussen auch längere Leinen. Ist die Entourage sicher, empfiehlt Roman Huber, den Hund seine Runden einfach ziehen zu lassen, ihn aber dabei nicht noch anzufeuern.

Ebbt die Energie nach drei bis vier Minuten nicht ab, macht eine Intervention unter Umständen Sinn: Ein Kaugegenstand oder ein Suchspiel mit versteckten Leckerlis hilft in solchen Situationen, das Tier zu beruhigen. Zuhause kann sich eine Schleckmatte als nützlich erweisen, um den Renndrang zu mildern bzw. das Tier zu schonen: «Gewisse Tiere nehmen ihre Grenzen zu wenig wahr und leiden nach exzessivem Rennen an Gelenkproblemen», so Huber. Auch nach dem Essen ist Vorsicht geboten, kann doch die Rennerei zu Erbrechen oder sogar zu einer Magendrehung führen. Auch bei hohen Temperaturen ist Vorsicht angebracht: Eine kurze Rennpause kann ein günstiger Moment sein, um den Hund an die Leine zu nehmen oder seine Aufmerksamkeit gezielt auf etwas anderes zu richten. Zoomies generell zu unterbinden, hält Roman Huber für falsch: «Es ist wichtig, dass überschüssige Energie abgelassen werden kann – sowohl bei Tieren als auch bei Menschen.»

Im Ausnahmezustand: 3 Tipps

Wenn der Hund mit Zoomies durchstartet, empfiehlt sich: Ruhig bleiben: Kein Schreien und nicht versuchen, den Hund zu packen oder sich ihm in den Weg zu stellen. Für Sicherheit sorgen: Im Innern zerbrechliche Möbel, kleine oder scharfe Gegenstände entfernen und lose Gegenstände sichern, um Verletzungen zu vermeiden. Energie umlenken: Bei langanhaltenden oder gefährlichen Zoomies können Spielzeuge oder das Verteilen von Leckerlis die Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken.

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