Lateralisierung
Sind Tiere Linkshänder? Studien zeigen überraschende Ergebnisse
Rund 10 Prozent aller Menschen weltweit sind Linkshänder. Doch Studien zeigen, dass auch viele Tierarten eine bevorzugte Körperseite haben – von Primaten über Papageien bis hin zu unseren Haustieren.
Ob ein Mensch Rechts- oder Linkshänder ist, ist eine angeborene Bevorzugung. Entscheidend ist die Dominanz einer Hirnhälfte: Die linke steuert die rechte Körperseite und umgekehrt. Die sogenannte Händigkeit galt lange als ausschliesslich menschliche Eigenschaft. Doch Forschungen zeigen: Auch bei vielen Tierarten zeigt sich eine Links-Rechts-Präferenz.
Für eine Studie analysierte der Biopsychologe Sebastian Ocklenburg von der Medical School Hamburg 119 verschiedene Tierarten – darunter Katzen, Papageien, Fische sowie verschiedene Reptilien- und Amphibienarten. Dabei stellte sich heraus: 61 Arten – und damit die Mehrheit – bevorzugen eine bestimmte Seite. 20 Arten zeigten kein gemeinsames Richtungsmuster, sondern individuelle Präferenzen. Bei 38 untersuchten Tierarten zeigte sich keine deutliche Neigung zu einer bestimmten Seite.
Mehr Linkshänder bei Primaten
Besonders gut untersucht ist das Phänomen bei Primaten. Schimpansen, Gorillas oder Kapuzineraffen nutzen beim Greifen, Fressen oder beim Gebrauch von Werkzeugen oft bevorzugt dieselbe Hand. Bei komplexen Tätigkeiten wird diese Dominanz noch deutlicher. Anders als beim Menschen – bei dem rund 90 Prozent rechtshändig sind – verteilt sich die Händigkeit bei Menschenaffen jedoch ausgeglichener. Es gibt also nicht zwingend eine klare «Mehrheit» innerhalb einer Art, wohl aber individuelle Vorlieben.
Im Vogelreich ist die Lateralisierung weit verbreitet. Viele Papageienarten halten ihr Futter bevorzugt mit demselben Fuss fest. Bei einigen Arten scheint sogar eine deutliche Linksdominanz vorzukommen. Doch auch hier gilt: Nicht jeder Vogel folgt dem gleichen Muster, doch eine individuelle Bevorzugung ist klar erkennbar.
Elefanten können eine «Rüsseldominanz» entwickeln: Sie befördern ihre Nahrung entweder von der rechten oder von der linken Seite mit dem Rüssel zum Mund. Huftiere wie beispielsweise Pferde setzen beim Antraben oder beim Überspringen eines Hindernisses oft dasselbe Vorderbein ein. Laut einer amerikanischen Studie gibt zudem die Richtung von Haarwirbeln im Gesicht Aufschluss über ihre stärkere oder eben ihre schwächere Seite.
Auch bei Haustieren lässt sich eine Seitenpräferenz beobachten: Hunde zeigen häufig eine «Lieblingspfote», etwa wenn sie nach einem Spielzeug greifen oder eine Pfote geben. Wer herausfinden will, welche Seite der eigene Hund bevorzugt, kann den «Pfötchen»-Test durchführen und seinen Vierbeiner über mehrere Tage bitten, «Pfote zu geben», und die hingestreckte Seite notieren. Auch Katzen strecken beim Fangen oder Tasten oft dieselbe Pfote vor. Wer genau hinschaut, kann im Alltag erstaunlich konstante Muster beobachten.
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