Exotische Wildtiere werden seit jeher gehalten und gezüchtet. Dadurch entsteht viel Wissen – aber auch viel Leid. Der Dokumentarfilm «Wildtiere fürs Wohnzimmer» beschäftigt sich mit der negativen Seite dieser Passion. Entstanden ist ein vielschichtiges Filmdokument. Die “TierWelt" war am 31. März 2026 an der Vorpremiere im Kino Capitol in Solothurn. 

 

Arche für Wildtiere

Der Regisseur Laurin Merz hat während zweieinhalb Jahren an diesem Film gearbeitet. Dabei hat er Marc Zihlmann eng begleitet. Zihlmann ist Leiter des Sikyparks. Das ist kein konventioneller Zoo, sondern ein Tierrettungspark. «Zoos gibt es genug, doch Auffangstationen für Wildtiere sind ein Bedürfnis», sagte Marc Zihlmann 2017, als er die Idee des Sikyparks in Crémines entwickelte. Tatsächlich ist dieser Zoo im französischsprachigen Berner Jura innerhalb kurzer Zeit zu einer Arche vieler Wildtiere geworden.

 

Erdmännchen-Rettung

Der Film «Wildtiere fürs Wohnzimmer» zeigt, auf welchen Wegen Tiere in den Sikypark gelangen. Sie sind sehr unterschiedlich. Da geht es etwa um eine durch das kantonale Veterinäramt bewilligte und korrekt ausgeführte Haltung von Erdmännchen. Der Besitzer ist verstorben, die Nachfahren wissen nicht, was sie mit den Tieren anfangen sollen. «Nachfolgeregelungen von Tierhaltungen sind wichtig», sagt Marc Zihlmann, der mit der Cheftierpflegerin des Parks die Erdmännchen holte und in die bestehende Gruppe des Sikyparks integrierte. Das Filmteam besuchte zudem eine Zoohandlung im benachbarten Ausland, wenige Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, wo Erdmännchen verkauft werden. Prompt sahen sie in der ausländischen Stadt jemandem, der ein solches Wildtier an der Leine führten. 

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Das Geschäft mit Hybriden

Manchmal beschlagnahmen Amtspersonen von kantonalen Veterinärämtern Wildtiere aus illegalen oder miserablen Haltungen. Auch da rücken Marc Zihlmann und sein Team aus, so beispielsweise, als sie einen komplett verwahrlosten Wolfshund holten. Kreuzungen von Wolf und Hund sowie von Wildkatzenarten mit Hauskatzen sind darum ein weiteres Thema des Films. Es handelt sich um ein brutales Geschäft. Der Reiz des Exotischen führt zur Anschaffung solcher Tiere. Die direkte Verpaarung ist in der Schweiz verboten, nicht jedoch der Import solcher Kreuzungstiere. Halterinnen und Halter, die sich von der Fellfarbe, der Anmut oder der Exklusivität zum Kauf verleiten lassen, sind schnell überfordert. «Es sind vom Verhalten her Wildtiere», sagt Marc Zihlmann, der in seinem Zoo solche Hybriden mit Artgenossen sozialisiert und lebenslange beherbergt. 

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Gut recherchiert

Der Film zeigt, was passiert, wenn es bei der Haltung von exotischen Tieren nicht um Tierliebe und Interesse, sondern viel mehr um Prestige, Profit und Ignoranz der Konsequenzen geht. Der gut recherchierte Film stimmt nachdenklich, legt den Finger auf Missstände und ruft zu Verantwortung in der Tierhaltung auf.

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«Wildtiere fürs Wohnzimmer – von Qualzucht und illegalem Handel»
Ein Film von Laurin Merz; Produktion Hook Film & Kultur GmbH, im Auftrag von SRF (Schweizer Fernsehen)
Sendedatum: 9. April 2026, 20 Uhr, SRF 1