Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Spinus cucullatus
Unterarten: keine
Herkunft: Venezuela
Grösse: 11 cm
Wildfarbe: schwarzer Kopf, rotes Gefieder am Körper, insbesondere an der Brust, schwarz-rote Flügel
Mutationen: keine
Geschlechtsunterschiede: Weibchen haben einen grauen Kopf und grau durchsetztes hellrötliches Grundgefieder. Die Flügel sind schwarz, hellrot und grau.
Ringgrösse: 2,5 mm
Lebenserwartung: 8 bis 10 Jahre
Platzansprüche: Ideal ist die Unterbringung in einer Zimmervoliere von ca. 2 x 1,5 x 2 Meter. Es ist aber auch gut eine Haltung eines Paares in einer Boxe von 1,20 x 0,50 x 0,80 Meter möglich. Die Haltung in einer kombinierten Innen- und Aussenvoliere ist eine weitere Haltungsmöglichkeit. 
Ausstattung: Zahlreiche Äste, auch belaubt, immergrüne Sträucher.
Stimme: feines, zartes Singen und plaudern in sehr variablen Tönen
Haltung: paarweise oder in einer Gruppe, wenn die Voliere gross genug ist

 

Herkunft und Geschichte

Im Norden Venezuelas lebt der Kapuzenzeisig in drei verschiedenen Lebensraumtypen, nämlich in vegetationsreichem Gebiet, dem tropischen Regenwald, im Buschland und in laubabwerfenden Wäldern. Er soll sich auch nomadisch verhalten. So viel ist nicht über sein Freileben bekannt, da nur noch von wenigen hundert Vögeln die Rede ist, die in Venezuela noch vorhanden sein sollen. Sie leben offenbar in zerstückelten Gebieten. Früher zog sich das Verbreitungsgebiet bis nach Kolumbien, doch es ist nicht klar, ob die Art dort noch vorhanden ist. Aufgrund des Fangs für den lokalen Vogelmarkt wurde der Kapuzenzeisig im Bestand stark dezimiert. Darum handelt es sich in der Natur um eine hochbedrohte Art. Der Kapuzenzeisig wurde in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts durch den bekannten deutschen Tierhändler Carl Hagenbeck erstmals importiert. Zu Beginn war diese spektakuläre Art selten im Handel. Ab etwa 1909 änderte sich das, und die Art wurde häufig importiert, besonders wegen der Nachfrage bei Kanarienzüchtern. Erst durch das Einkreuzen von Kapuzenzeisigen in Kanarienvögel gelangte nämlich die Farbe Rot in die Kanarienvogel-Zucht. 

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Eignung als Heimtier

Kapuzenzeisige sind ausserordentlich attraktive und dankbare Pfleglinge, da sie sehr friedfertig sind. Es ist zudem eine äusserst wichtige Aufgabe in der Vogelzucht, diese schöne und in der Natur seltene Art durch Zucht rein zu erhalten. Ausserhalb der Brutzeit können Kapuzenzeisige sehr gut im Schwarm gepflegt werden. Zur Zucht ist eine paarweise Absonderung in Boxen besser, damit sie sich nicht gegenseitig stören. Kapuzenzeisige fliegen sogar bei Minusgraden gerne in der Aussenvoliere. Da sie häufig aber erst im Herbst in Brutstimmung gelangen, ist zur Zucht eine Unterbringung bei rund 20 °C empfehlenswert. 

Erwerb

Kapuzenzeisige können gezielt bei Züchtern erworben werden, die Mitglieder der bei den Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz sind. Die Exotis führt auch eine Bestandesliste, die beim Verband bezogen werden kann. Dort wird ersichtlich, wer Kapuzenzeisige hält. 

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Ernährung und Pflege

Den Kapuzenzeisigen sollte eine Mischung kleinkörniger, ölhaltiger Samen gereicht werden. Der Organismus von Zeisigen ist nicht in der Lage, viel vom hohen Kohlenhydratanteil der mehlhaltigen Samen wie Hirse, Glanz und Getreidearten zu verwerten. Darum benötigen sie überwiegend ölhaltige Sämereien wie Leinsamen, Samen des Ramtillkrauts, Mohn, Rübsen, Perillasaat und Salatsamen schwarz und weiss. Es gibt heute im Vogelfutterhandel Spezialmischungen für Zeisige, die auch viele Grassamen enthalten. Sie sind sehr geeignet für Kapuzenzeisige. Sie nehmen auch gerne halbreife Sämereien aus der Natur, Blattläuse und andere tierische Nahrung. Bei Kapuzenzeisig-Männchen unter Menschenobhut verblasst das Rot, wenn sie nicht richtig gefüttert werden. Der Schweizer Züchter Hans-Paul Gäumann aus Schlosswil (BE) verwendet keine künstlichen Farbstoffe, wie sie manchmal Kanarienzüchter einsetzen, sondern setzt auf Naturprodukte. «Ich füttere geraffelte Rüebli sowie Tagetessamen», sagt er. Tagetes-Samen enthalten einen hohen Anteil des Gelb-Pigments Lutein. Bei Lutein handelt es sich um ein orangegelbes Xanthophyll, eines der häufigsten Carotinoide. 

Zusätzlich sollte den Kapuzenzeisigen ein Kalk- und Mineralgemisch zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Auch nach einer Kräutermischung wird gerne gepickt. Eine Sepiaschale sollte am Gitter angebracht werden. Auch Grit sollte zur Verfügung gestellt werden. Frisches Wasser in einer Badeschale ist selbstverständlich. 

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Zucht

Ein grosser Vorteil des Kapuzenzeisigs ist seine Friedfertigkeit. Die Art kann darum auch mit anderen Vogelarten, die etwa gleich gross sind, vergesellschaftet werden. In der Partnerwahl können Kapuzenzeisige wählerisch sein. Darum ist die Schwarmhaltung bei Hans-Paul Gäumann ein grosser Vorteil, denn Paare können sich da selber auswählen. Grundsätzlich züchtet die Art aber besser paarweise in Boxen. Kapuzenzeisige bauen ihre Nester aus Sisalfasern und trockenen Gräsern und Moos in Nisthilfen aus Draht oder Plastik. Manchmal bevorzugen Paare auch halb offene Nistkästen oder Körbchen, wenn oben Kunstpflanzen einen Schutz bieten. Vielleicht gelingt die Zucht bei Gäumann so gut, weil er in jeder Zuchtboxe auch eine LED-Beleuchtung installiert hat, denn Kapuzenzeisige schätzen helles Licht am Nistplatz. Nestbau und Brut der bis zu vier weissen Eier werden vom Weibchen getätigt. Die Eier werden durch das Weibchen 13 bis 14 Tage lang bebrütet. Es ist auch das Weibchen, das die Jungen mehrheitlich gross zieht. Die Jungen werden mit etwa 18 Tagen flügge. Es dauert dann sicher noch zwei Wochen, bis sie vollständig selbständig sind. Bis die Kapuzenzeisige ausgefärbt sind, dauert es ein halbes Jahr. Der Zeisigzüchter Gäumann sagt: «Normalerweise ziehen die Paare drei Bruten pro Saison auf.» Die Zuchtzeit beginne bei den Kapuzenzeisigen oft im Herbst.

Lustig

Der Kapuzenzeisig-Züchter Fridolin Britschgi und seine Tochter Sabrina aus Giswil (OW) zogen sogar einen jungen Kapuzenzeisig von Hand auf. Als sie bei einem Paar einen Jungvogel tot am Boden fanden, entschlossen sie sich, das andere, noch bettelnde aber von den Eltern aus unerfindlichen Gründen plötzlich vernachlässigte Junge von Hand aufzuziehen. «Wir fütterten geschälte, gequollene Hirse aus dem Grossverteiler, die wir mit einem Wallholz zerrieben, mischten sie mit dem Handaufzuchtfutter Nutri Bird und drückten den Brei durch ein Sieb», sagt Fridolin Britschgi. Das klappte, der Kapuzenzeisig wurde gross und verlor an Zutraulichkeit, sobald er zusammen mit den anderen in der Aussenvoliere flog. Um ihn einzugewöhnen, gaben ihn die Vogelpfleger bereits in der Absetzphase stundenweise zu seinen Artgenossen. 

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Namensgebung

Die Artbezeichnung cucullatus wurde 1820 durch den englischen Ornithologen und Künstler William Swainson (1789 – 1855) begründet, der nach Neuseeland emigrierte und dort verstarb. Das lateinische Wort cucullatus bedeutet auf Deutsch «kapuzentragend». Die Gattung Spinus wurde durch den deutschen Förster und Zoologen Carl Ludwig Koch begründet. In ihr sind die Zeisige zusammen gefasst. 

Besonderheit

Der Kapuzenzeisig begeistert insgesamt. Der Züchter Paul Gäumann sagt: «Wer ihn kennt, für den ist es ein herrlicher Vogel!» Gäumann schwärmt vom Gesang des Kapuzenzeisig-Männchens am Morgen früh. «Auch wenn es minus 10 °C kalt ist, kommen die Männchen nach draussen und begrüssen singend den jungen Tag.»