Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Lagonostica senegala
Unterarten: Lagonostica senegala senegala (Senegalamarant, von Senegal bis Nigeria), L. s. guineensis (vom südlichen Senegal bis Benin), rhodopsis (Niger, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Sudan), brunneiceps (Braunkopfamarant, Äthiopien), somaliensis (südliches Äthiopien, Somalia, Kenia), zedlitzi (Kenia und Tansania), rendalli (Malawi, Mozambique, Sambia), pallidicrissa (Angola, Simbabwe, Mozambique, Südafrika), ruberrima (Prachtamarant, Demokratische Republik Kongo, Tansania, Uganda, Burundi, Rwanda)
Herkunft: Afrika, südlich der Sahara von Senegal in Westafrika in einem breiten Gürtel bis an die Küste des Indischen Ozeans in Somalia, Ostafrika, und vom Nordsudan bis nach Südafrika.
Grösse: ca. 9,5 cm
Wildfarbe: weinrot und braun
Mutationen: nicht bekannt
Geschlechtsunterschiede: Männchen sind weinrot, Weibchen braun
Ringgrösse: 2,2 mm
Lebenserwartung: bis 7 Jahre
Platzansprüche: Ideal ist eine Unterbringung in einer Zimmervoliere mit den ungefähren Massen von 2 x 1 x 2 Meter. Die Käfighaltung ist aber auch gut möglich.
Ausstattung: Äste, Steine, Sand, Badeschale.
Stimme: weiche Lautäusserungen wie «dii, wui», Warnrufe wie «tschek, tschek, tschek»
Haltung: paarweise, besonders während der Brut sehr streitsüchtig innerhalb der Art. Ausserhalb der Brut kann die Art auch in Gesellschaft anderer friedlicher Prachtfinkenarten gehalten werden.

Herkunft und Geschichte

Senegalamaranten fliegen in Steppen und Savannen mit dichtem Dorngebüsch. Sie halten sich auch gerne in Galeriewäldern entlang von Flüssen auf, die teilweise eintrocknen. Der kleine Vogel dringt bis in wüstenähnliche Gebiete vor. Dort flattert er in der Nähe von Dörfern, Städten und Oasen, denn dort findet er stetig Nahrung und Wasser. Bei den Siedlungen findet der Senegalamarant meist auch Hirsereste, von welchen er sich ernährt. Er kann darum als Kulturfolger bezeichnet werden, da er sogar bis in grosse Städte vordringt und sich von menschlichem Lärm nicht abschrecken lässt. Am Ufer des Awasa-Sees, rund 200 Kilometer südlich von Addis Abeba, in einer Hotelanlage im äthiopischen Rift Valey raschelt plötzlich Laub am Boden. Ein männlicher Braunkopfamarant, die Unterart brunneiceps des Senegalamaranten, hüpft auf dem Boden herum. Nun flattert auch das braune Weibchen herbei. Es handelt sich offenbar um ein Pärchen, das da auf Efeublättern, die sich am Boden ausbreiten, herumklettert und im Falllaub nestelt. Das weinrote Männchen verschwindet immer wieder ganz unter grossen, trockenen Blättern, bis ihm schliesslich auch das unscheinbare, bräunliche Weibchen folgt. Der Senegalamarant und seine Unterarten bauen das Nest niedrig, oft auch unter Grasbüscheln direkt am Boden. So kann es durchaus sein, dass dieses Paar nach einem geeigneten Nistplatz Ausschau hält. Süsswasser ist direkt am Seeufer vorhanden, rund um die umliegenden Gebäude und direkt beim Restaurant fallen immer mal wieder Hirse- und andere Essensreste an. Ein guter Ort also, um sich dauerhaft aufzuhalten.

Senegalamaranten wurden schon im 18. Jahrhundert gehalten. Der französische Ornithologe Louis Pierre Vieillot (1748 – 1830) beschrieb die Art bereits in seinem Buch «Les oiseaux chanteurs». Seither wurde dieser kleine Afrikaner zahlreich eingeführt. Seit dem Importstopp wild gefangener Vögel in EU-Länder und in die Schweiz im Jahr 2007 ist die Art seltener unter Menschenobhut geworden. Sie wird aber bis heute von Spezialisten nachgezüchtet. Senegalamaranten schlafen normalerweise auf einem Ast, manche bevorzugen es allerdings, im Nest zu schlafen.

[IMG 2]

Eignung als Heimtier

Von den afrikanischen Prachtfinken ist der Senegalamarant einer der am häufigsten gehaltenen Arten. Dennoch werden beispielsweise bei den Mitgliedern der IG Prachtfinken lediglich total 49 Individuen gehalten. Weitere Halter sind Mitglieder in den Verbänden Exotis und Ziervögel Schweiz.

[IMG 3]

Erwerb

Senegalamaranten und ihre Unterarten werden nur selten an Vogelbörsen angeboten. Sie sind eher über direkten Kontakt zu Züchtern zu erwerben, entweder über die IG-Prachtfinken oder über die Verbände Exotis und Ziervögel Schweiz.

[IMG 3]

Ernährung und Pflege

Im Flugkäfig oder der Voliere der Senegalamaranten sollte stets eine Badegelegenheit vorhanden sein. Diese kleinen Prachtfinken ernähren sich von kleinen Hirsesorten wie Senegal-, Mohar-, Manna-, Japan- und Kolbenhirse. Manche Futterlieferanten wie die deutsche Firma Blattner bieten Spezialmischungen für afrikanische Prachtfinken an, die aus Kleinsämereien bestehen. Während der Zuchtzeit sollte das Körnerfutter gekeimt gereicht werden. Gräser aus der Natur sind bei den Vögeln sehr willkommene Gaben. Sie beschäftigen sich lange damit, Grassamen aus den Rispen zu picken. Löwenzahn und Vogelmiere sind weitere Grünpflanzen, die gereicht werden sollten. Auch Insekten stehen auf dem Speiseplan der Senegalamaranten. Frisch gehäutete, kleine Mehlwürmer, gefrostete Buffalos und Pinkymaden sowie Getreideschimmelkäfer ergänzen das Nahrungsangebot, insbesondere auf die Zuchtzeit hin. Auch Enchyträen werden gerne gepickt. Gurke, Apfel und Rüebli, letzteres auch gerieben im Aufzuchtfutter, gehören ebenfalls zum Speiseplan.

[IMG 4]

Zucht

Das Nest wird mit Grashalmen, Federchen, Kokos- und Sisalfasern im Dickicht, wie beispielsweise in Kiefernäste, oder auch in halb offene Nistkästen oder Nestkörbchen gebaut. Es sollte gut versteckt liegen, denn so fühlt sich das Paar sicher. Es werden drei bis vier Eier gelegt. Vom zweiten oder dritten Ei an wird gebrütet. Die Jungen schlüpfen nach elf oder zwölf Tagen. Im Alter von etwa 19 Tagen verlassen sie voll befiedert und gut flugfähig das Nest. In den ersten Tagen kehren sie dorthin zurück, auch während der Nacht. Junge werden nur aufgezogen, wenn mit Lebendfutter gefüttert wird. Zudem sollte ein Aufzuchtfutter, wie es im Handel erhältlich ist, gereicht werden, vermengt mit geraffelten Rüebli. Keimfutter ist bei der Aufzucht ebenfalls Bedingung.

[IMG 5]

Lustig

Das Männchen führt eine typische Halmbalz durch. Es singt und trägt einen Halm oder eine Feder am Ende im Schnabel. Dabei wippt es kräftig auf und ab, ohne den Halm loszulassen. Es hält den Schnabel steil nach oben. Schliesslich pickt das Männchen dem Weibchen in den Nacken. Das Weibchen zeigt mit Schwanzflirren seine Bereitschaft zur Paarung an.

[IMG 6]

Namensgebung

Die Art wurde 1766 durch Carl von Linné (1807–1778) wissenschaftlich beschrieben. Linné gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Nomenklatur, dem System, nach welchem Tiere und Pflanzen beschrieben werden. Die Artbezeichnung senegala weist auf den Fundort im Senegal hin, einem Gebiet, das bereits früh durch Europäer erkundet wurde. Die Gattung der Amaranten, Lagonostica, wurde 1851 durch Jean Louis Cabanis (1816 – 1906) begründet, einen deutschen Ornithologen, der über 50 Jahre am Zoologischen Museum in Berlin tätig war.

[IMG 7]

Besonderheit

Ein isoliertes Verbreitungsgebiet des Senegalamaranten liegt um Tamanrasset im südlichen Algerien. Rund herum ist wüstenartige Landschaft. Wie ist das möglich, dass die Vögelchen dorthin gelangten? Nördlich davon, an der Transsahara-Strasse von Tamanrasset nach Algier, liegt die Oase El Goléa, die heute El Meniaa genannt wird. Auch dort fliegen Senegalamaranten herum. Die Vögelchen wurden an beiden Orten eingeführt, in Tamanrasset um 1940 und in El Goléa um 1972. In Tamanrasset sei die Art bis heute vorhanden und könne leicht beobachtet werden, steht auf einem Eintrag auf der Webseite magornitho.org. Samir Amarouche veröffentlicht ein Bild mit zwei Männchen. Farid Belbachir von der Universität von Béjaïa teilt mit, dass die Art in Tamanrasset durch einen früheren französischen Garnisonsoffizier mit Namen Florimond eingeführt worden sei. Die Bewohner von Tamanrasset würden die Senegalamaranten bis heute «Ferrima» nennen, was von Florimond abgeleitet sein könne.

[IMG 8]