Ob für Nacktaugenkakadus, Panzernashörner oder Kattas, der Boden im Tiergehege ist wichtig. Das richtige Substrat hat verschiedene Funktionen und ist entscheidend, damit die Tiere psychisch und physisch gesund bleiben. Es regt ihre Sinne an und erfüllt hygienische und ästhetischeStandards.

Der Direktor des Bioparc Genf, Dr. Tobias Blaha, findet: «Die Wichtigkeit des Bodensubstrats wird in der Tierhaltung oft unterschätzt.» Der Veterinär streicht die Hauptfaktoren Beschäftigung, Hygiene und Ästhetik heraus. «An erster Stelle steht immer das Tierwohl. Weiter muss Substrat durch die Tierpflegenden gut zu reinigen sein, und es sollte die Ästhetik der Anlageunterstreichen», sagt der Tierarzt.

Das Bodensubstrat müsse immer an die Tierartan gepasst werden. Er gibt Beispiele: «Es wirkt sich in unseren Breiten positiv auf Reptilien und andere Arten, wie etwa Wallabys und Kattas aus, wenn sich Teile des Bodensubstrats von der Sonne erwärmen lassen.» Zudem ermögliche es arttypische Verhaltensweisen wie Futtersuche, Wühlen oder das Anlegen von Ruheplätzen, sagt der Spezialist.

Auch für Vögel, wie etwa Papageien, sei die Bodenbeschaffenheit wichtig. Vögel sässen nicht immer nur auf Zweigen, sondern würden den Boden als Beschäftigungsfeld nutzen. «Unser Nacktaugenkakadu beispielsweise ist ein begnadeter Gräber», sagt Tobias Blaha mit einem Schmunzeln. Der Sandboden in der Australienanlage, wo dieser Haubenträger in Gemeinschaft mit anderen Kakadus und australischen Vögeln lebt, die aufgenommen wurden, werde deshalb mehrmals jährlich ausgewechselt.

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Parasitendruck minimieren

Im Bioparc werden die Böden der meisten Anlagen jährlich mindestens einmal ausgetauscht, nicht zuletzt auch wegen dem Parasitendruck. Tiere, welche immer auf demselben Substrat leben, sind ihm viel mehr ausgesetzt, als wenn sie in der Natur ihre Runden ziehen. In der Anlage für die Fossas beispielsweise wird durch die Tierpfleger täglich Material ausgeharkt, entweder Holzhäcksel, Rindenmulch, Sand oder Erde. «Das ersetzen wir regelmässig durch neues», sagt Blaha. Er streicht heraus, dass darauf geachtet werden müsse, woher das Substrat stamme. «Recycelte Baumaterialien dürfen nur verwendet werden, wenn sie vorgängig auf Schadstoffe und mögliche Verletzungsgefahren geprüft wurden. Wir setzen auf natürliche Substrate», sagt der Tierarzt. Er gibt zu bedenken, dass damit, beispielsweise mit altem Buchenlaub aus dem Wald,Parasiten eingetragen werden können. «Es gibt die Möglichkeit, es vorher thermisch zu behandeln».

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Wie im tropischen Regenwald

Im Vogelhaus des Zoologischen Gartens Basel sieht es aus wie im tropischen Freiland. Pflanzen wachsen in der Halle und in den seitlichen Volieren. Wie funktioniert dieser künstlich erschaffene Regenwald? Das Substrat, worin die Pflanzen wurzeln, in den einzelnen Volieren sowie in der Halle, befindet sich in Wannen. Die wasserführende Schicht darin bestehe aus reinem Lavagestein. «Darauf folgt ein Gemisch aus Bims, Lava und Zeolith. Zuoberst befindet sich eine Erdschicht aus Rindenmulch und Kokos», erklärt die Kuratorin Jess Borer. Bei der Reinigung würde der verschmutzteBereich des Substrats entfernt und wieder aufgefüllt. In den Zuchtvolieren hinter den Kulissen würden hingegen nur bei am Boden lebenden Vögeln, je nach Art, entweder Holzhackschnitzel oder Sand verwendet.

Auch in den Tierabteilen in der Forschungsstation des Zoo Zürich sieht es natürlich aus. Krallenaffen und Vogelarten leben inmitten der tropischen Pflanzen; der Boden ist von Laub überdeckt. Der Mediensprecher des Zoos, Dominik Ryser, sagt: «Das Substrat besteht aus einer Mischung von Lava mit organischem Material wie Humus. Um eine bessere Bodenaktivität zu gewährleisten und damit Nährstoffe für Pflanzen verfügbar sind, fügen wir Pflanzenkohle bei.» Tierpflegerinnen und Tierpfleger würden mindestens zweimal pro Woche verschmutzte Stellen reinigen, bei mehr Tieren in der Anlage werde das Intervall erhöht. Auch hier sorgt eine Drainageschicht von 40 bis 80 Zentimetern, die mit einem Flies vom Substrat abgetrennt ist, für den Abfluss überflüssigen Wassers. Durch regelmässige Bodenproben werde die Qualität des Substrats überprüft. Weder in Basel noch in Zürich werden die Tropenböden in den Innenbereichen komplett ausgewechselt. Das ist bei der Nashornhaltung anders. Das Bodensubstrat bei den Panzernashörnern im Zoo Basel und in der Innenanlage der Breitmaulnashörner im Zoo Zürich besteht aus Rindenmulch. Er ist weich und spielt für die Fussgesundheit der Tiere eine wichtige Rolle. Beide Zoos erneuern den Mulch alle fünf Jahre, nicht aus hygienischen Gründen, aber weil er sich mit den Jahren verdichtet. Im Zoo Basel werden zudem Pustelschweine auf der gleichen Anlage gehalten. Fabienne Lauber, Pressesprecherin des Zoo Basel, sagt: «Sie tragen dazu bei, dass der Boden gesund bleibt, denn sie graben ihn regelmässig um und sorgen so für eine natürliche Durchlüftung.»

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Mulmglocke für das Aquarium

Im Giraffenhaus des Zoo Zürich ist ein Mergelboden eingebracht. Dort wird täglich gemistet und in abgenutzten Bereichen aufgefüllt und ausgebessert. Er weist an vertieften Stellen auch Sandliegeflächen auf. Sand wird bei Bedarf nachgefüllt. Auch die Aussenanlagen für Huftiere im Zoo Basel sind gemergelt, durch Sandflächen angereichert und teilweise von Gras durchsetzt. Sie werden mit Schaufel und Besen gereinigt. Fabienne Lauber sagt: «Die Naturböden sind von der Hygiene her unproblematisch, da sie biologisch aktiv sind und sich ein Gleichgewicht einstellt.» Auch der Boden im Grosskatzen-Lebensraum Panthera des Zoo Zürich ist naturbelassen und wird nicht behandelt. Dominik Ryser vom Zoo Zürich sagt: «Die generell niedrige Parasitenlast in den Tierbereichen indiziert keine regelmässigen antiparasitären Bodenbehandlungen.»

Tiere in allen drei Zoos werden nicht prophylaktisch auf Parasiten behandelt, sondern nur gezielt bei entsprechenden Befunden. Neuzugänge durchlaufen eine Quarantäne, bevor sie in den Tierbestand aufgenommen werden.

Wie verhält es sich mit dem Boden in Terrarien und Aquarien, einem völlig anderen Bereich der Tierhaltung? In den Terrarien des Zoo Basel werden Futter- und Häutungsreste täglich entfernt. «Dabei wird auch Substrat entnommen und bei Bedarf nachgefüllt», sagt der Kurator Fabian Schmidt. In den Aquarien würde einmal wöchentlich Mulm, der sich am Boden gebildet hat, mit einer Mulmglocke abgesaugt. Ein aktiver Aquarienboden funktioniert im Zoo Basel während vielen Jahren. «Ein Austausch erfolgt nur, wenn ein Becken neu eingerichtet wird», sagt Fabian Schmidt.

Sicher ist: Der Boden in Tieranlagen, unbewusst wahrgenommen von Besuchenden, ist ein komplexes Thema. Auch in der privaten Tierhaltung trägt der geeignete Boden zur Gesundheit der Tiere bei.Dr. Tobias Blaha vom Bioparc Genf fasst es so zusammen: «Das richtige Bodensubstrat ist weit mehr als nur Untergrund, es ist ein zentraler Bestandteil moderner, tiergerechter Haltung im Tierpark.»

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Substrate für HeimtiereMeerschweinchen und Kaninchen
Innenbereich: Sägespäne, Stroh, Laub (wühlen).
Freilaufgehege: kombinierte Stellen mit Sand, Laub, Gras und Rindenmulch.

Hamster, Mäuse, Ratten
Tiefe Schicht Hobelspäne aus Weichholz oder Strohhäcksel. Sand separat in Schalen.

Vögel
Innen: Sand, Holzschnitzel, trockenes Laub von Buche, Ahorn oder Eiche, Hanfstroh.
Aussenvoliere: Kombination von Sand, Rindenschnitzel, Gras, Erde, Kies.

Aquarium
Mindestens 10 Zentimeter kalkfreier Kies mit einer Körnung zwischen 2 bis 5 Millimeter, gemischt mit Quarzsand und Pflanzendünger.

Terrarium
Entsprechend der Herkunft der Art, immer aus dem Zoofachhandel, nicht der Natur entnommen, Wüstensand, Terrarienerde, Steine.