Ziervogellexikon
Dreifarbenglanzstar: schäkern in der Savanne und Voliere
Dreifarbenglanzstare sind richtige Farbwunder. Sie gehören wegen ihrer Schönheit zu den beliebtesten Starenarten, die gehalten werden. Dennoch ist ihr Bestand in der Schweiz geschrumpft.
Steckbrief
Wissenschaftliche Bezeichnung: Lamprotornis superbus
Unterarten: keine
Herkunft: Ostafrika, in den Ländern Tansania, Kenia, Uganda, Südsudan, Äthiopien und Sudan.
Grösse: 18 cm
Wildfarbe: Schwarzer Kopf, leuchtender hellgelber Augenring mit schwarzer Iris, roter Bauch, blau-grünlich schillerndes Hals- und Rückengefieder.
Mutationen: keine. Manchmal haben Männchen das glänzendere, farbenprächtigere Gefieder, dasjenige der Weibchen kann etwas matter sein.
Geschlechtsunterschiede: keine
Ringgrösse: 4,5 mm
Lebenserwartung: ca. 15 Jahre
Platzansprüche: Kombinierte Innen- und Aussenvoliere
Ausstattung: Eine bepflanzte Voliere ist durchaus möglich und sollte auch angestrebt werden. Für den Aussenbereich eignen sich beispielsweise schnell wachsende Weiden, Ahorn, Feige, Kirschlorbeer, Thuja, Fichte. In Innenvolieren sind Ficus-Arten prädestiniert. Auch Monstera deliciosa eignet sich gut. Die grossen Blätter müssen regelmässig abgewaschen werden.
Stimme: Heiteres, melodiöses, manchmal etwas heiseres Rufen.
Haltung: In der Natur brüten Dreifarbenglanzstare in Kolonien, meist werden sie aber paarweise gehalten. Um mehrere Paare zu halten, bedarf es einer grosszügigen Haltung. Dreifarbenglanzstare können auch in Kombination mit anderen, gleich grossen oder grösseren Vogelarten gehalten werden.
Herkunft und Geschichte
Es geht gegen die Mittagsstunde zu. Die Sonne brennt fast senkrecht in der Äquatorgegend in Kenia, doch auf dem Hochplateau um den Nakuru-See steigt die Temperatur an diesem Februartag nicht über 26 °C. In der Nakuru-Lodge zirpen, singen, krächzen und jauchzen die farbenprächtigen Dreifarbenglanzstare. Immer wieder hüpfen sie auf die geschnittene Grasfläche, stochern mit ihren Schnäbeln darin herum, stets auf der Suche nach Käfern und Würmern.
Kein Wunder, dass der Dreifarbenglanzstar auch ein beliebter Volierenpflegling ist. 1923 wurde er, nach dem «Lexikon der Vogelpflege» von Dr. Franz Robiller, erstmals im Park seines Schlosses Clères in der Normandie in Frankreich gehalten. Es handelt sich um die beliebteste Glanzstarenart in der Vogelhaltung. Dennoch ist sie in der Schweiz selten. Ein Höhepunkt, wo sie herrlich beobachtet werden konnten, war beispielsweise die bekannte Ausstellung des Sing- und Ziervogelvereins Sursee. Dort wurden sie einmal in einem begehbaren Afrikaflug im Schwarm im Verbund mit anderen afrikanischen Vogelarten gehalten. Glanzstare sollten stets eine Badegelegenheit haben. Sie baden sehr gerne. Im Winter sollte die Temperatur in ihrer Unterkunft nicht unter 15 °C fallen.
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Eignung als Heimtier
Dreifarbenglanzstare sind kaum zur Haltung in der Wohnung geeignet. Ideal ist die Unterbringung in kombinierten Innen- und Aussenvolieren. In der Schweiz werden Glanzstare nur noch sehr selten gepflegt. Es handelt sich aber um eine interessante Vogelgattung.
Erwerb
Durch Kontakte unter Züchtern, die in den Verbänden Exotis und Ziervögel Schweiz Mitglied sind, findet man Halter und Züchter von Glanzstararten. Sie sind aber in der Schweiz dünn gesät. Darum ist es auch empfehlenswert, in Inseraterubriken von Zeitschriften wie «Gefiederte Welt» nach Glanzstaren in Deutschland Ausschau zu halten. Für den Import sind Bewilligungen des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erforderlich.
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Ernährung und Pflege
Dreifarbenglanzstare sollten mit einem Insektenfresserfutter, wie es heute im spezialisierten Futterhandel angeboten wird, ernährt werden. Auch Beopellets sind geeignet und sollten zusätzlich geboten werden. Beeren und Früchte sind weitere Leckerbissen, die täglich gereicht werden sollten. Wenn die Glanzstare Junge aufziehen, benötigen sie Mehlkäferlarven, Heimchen, Getreideschimmelkäferlarven, gefrostete Buffalos und Pinkymaden.
Zucht
In der Savanne errichten sie auch freistehende Kugelnester, doch unter Menschenobhut sind Nistkästen geeignete Brutstätten. Sie sollten eine ungefähre Grösse von 20 x 40 Zentimeter haben. Das Einschlupfloch sollte einen Durchmesser von 20 Zentimeter aufweisen. Dreifarbenglanzstare tragen Zweige und Laub in Nistkästen ein. Die äusserliche Geschlechtsbestimmung ist schwierig. DNA-Analysen mittels Federn sind gebräuchlich. Auch einzelne Paare schreiten zur Brut, wenn sie auch als Koloniebrüter aus der Natur bekannt sind. Es werden meist vier Eier gelegt, die zwölf Tage lang bebrütet werden. Die Jungen werden während den ersten Tagen hauptsächlich mit Insekten aufgezogen. Ab dem Alter von zehn Tagen bringen die Eltern auch anderes Futter wie Früchte ans Nest. Nach 21 Tagen Nestlingszeit fliegen die Jungen aus.
Lustig
Dreifarbenglanzstare gehören zum stetigen «Personal» von Picknickplätzen, ob in Tansania oder in Kenia. Dort, wo Safaritouristen ihr Lunchpaket öffnen, sind sie nicht mehr weit. Sofort flattern sie herbei, äugen mit ihren hellgelben Augen mit markant schwarzer Iris herum, flattern auf den sandigen Boden und gieren nach heruntergefallenen Brotkrumen, Ei- oder Schinkenresten. Welch ungewöhnlicher Anblick, solch farbenprächtige Vögel um sich zu haben!
Namensgebung
Die Art wurde durch den deutschen Natur- und Afrikaforscher Eduard Rüppel 1845 erstmals wissenschaftlich beschrieben. Rüppell erlernte als Sohn eines Bankier das Bankwesen und unternahm später ausgedehnte Forschungsreisen nach Afrika, die er selbst finanzierte. Er wurde Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Die heute gültige Gattungsbezeichnung Lamprotornis wurde bereits 1820 durch den Niederländer Conraad Jacob Temminck eingeführt. In manchen Fachbüchern wird der Dreifarbenglanzstar auch in der Gattung Lamprospreo geführt.
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Besonderheit
Kolonien vo Dreifarbenglanzstaren können bis zu 60 Vögel umfassen. Eng verwandte Individuen helfen einander bei der Aufzucht der Jungen in der Savanne. Das war schon länger bekannt. Forschende haben nun herausgefunden, dass auch nicht verwandte Individuen bei der Aufzucht ausgewählter Paare helfen, deren Junge mitfüttern und das Nest verteidigen. Altruistisches Verhalten im Tierreich ist etwas Besonderes und kommt somit bei den Dreifarbenglanzstaren vor.
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